„Nafea faa ipoipo“ ist teuerstes Kunstwerk der Welt

06.02.15

Die Kunstwelt staunt nicht schlecht: Das Gemälde „Nafea faa ipoipo“ (Wann heiratest du?) aus dem Jahr 1892 von Paul Gauguin soll laut Medienberichten für angebliche 300 Millionen Dollar über einen Private Sale den Besitzer gewechselt haben und nach Katar verkauft worden sein. Dies berichtete gestern die Neue Züricher Zeitung, die "Basler Zeitung" sowie auch "Der Standard". Wenn sich dies bestätigt, wäre das 1892 in Tahiti gemalte Bild das teuerste Kunstwerk der Welt. Aus dem Emirat wurde der Kauf bislang weder dementiert noch bestätigt. Doch muss sich der potentielle neue Besitzer, (laut Basler Zeitung die herrschende Thani-Familie, die vor drei Jahren das Bild „Die Kartenspieler“ von Paul Cézanne für 250 Millionen Dollar erworben hatte) noch etwas gedulden, denn das Werk wird noch bis zum 10. Jänner 2016 in zahlreichen Ausstellungen zu sehen sein.

Bislang war das Werk im Kunstmuseum Basel als Leihgabe des 1946 verstorbenen Rudolf Staechelin zu sehen. In den Mittelpunkt rückten die Verkäufe der Sammlung Staechlin erstmals wieder in der sehenswerten Ausstellung "Die Picassos sind da!" die 2013 im Kunstmuseum Basel stattfand. Im Mittelpunkt stand damals der einmaligen Ankauf zweier Gemälde Picassos ""Die zwei Brüder" (1905) und "Sitzender Harlekin" (1923) aus dem Besitz der Familie Staechlin. Der Sohn des Sammlers geriet mit seiner Flugzeuggesellschaft Global AIr Ende der 1960er-Jahre in finanzielle Bedrängnis und musste bedeutende Gemälde verkaufen. Einige davon hingen bislang als Leihgaben im Kunstmuseum Basel, wie die Ausstellung dokumentierte, darunter Bilder von Picasso und namhafter Impressionisten, wie van Gogh, Degas oder Renoir. Doch besonders bemerkenswert war die Geschichte der beiden Picasso Gemälde aus der Sammlung Staechlin. Wie die Ausstellung eindrucksvoll dokumentierte, stimmte die Bevölkerung der Stadt damals nicht nur für den Staatskredit, sondern ging (wie auch der Film in der Ausstellung zeigte) für den Erhalt der Gemälde für die Stadt Basel auf die Straße und sammelte in einer beispiellosen Aktion selbst über zwei Millionen Franken. Dies gelang mit dem Gauguin diesmal leider nicht. Las man Ende Jänner noch über geplanten Erweiterungsbau und die Sanierung des Kunstmuseums (NZZ 30.1.2015), so ist jetzt mit dem Verkauf des Bildes ein großer Verlust zu melden. Ruedi Staechelin bestätigte am Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur SDA einen Bericht der «Basler Zeitung», wonach die Eigentümer des Bildes, der Rudolf Staechelin Family Trust, das Werk verkauft und auch den Leihvertrag mit dem Museum gelöst habe (Neue Züricher Zeitung, 5.2.2015)

Vom 8. Februar bis 28. Juni 2015 wird „Nafea faa ipoipo“ jedenfalls noch in der Fondation Beyeler zu sehen sein. Rund fünfzig Meisterwerke des Künstlers aus internationalen Privatsammlungen und Museen werden in dieser grandiosen Retrospektive gezeigt. Darunter eine Auswahl an Paul Gauguins vielseitigen Selbstporträts, spirituellen Bildern oder rätselhaften Skulpturen wie auch seine auf Tahiti entstandenen Gemälde, zu denen auch „Nafea“ zählt. Der Versicherungswert dieser Ausstellung beläuft sich auf satte 2,5 Milliarden Franken. Die Schau ist in Basel ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Das Rekord-Gemälde wird anschließend in Ausstellungen in Madrid und zuletzt in der Phillips Collection in Washington D.C. zu sehen sein, bevor es seinen neuen Besitzer (hoffentlich) viel Freude bereiten wird. Einen ausführlichen Bericht über die Ausstellung in Basel können sie in unserer März/April Ausgabe lesen.

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