Nachbericht: Auktion Moderne und Zeitgenössische Kunst, 9./10. Juni 2016 | KARL & FABER Kunstauktionen

16.06.16

Mit einem Ergebnis von 85% nach Schätzpreisen erzielte Karl&Faber in den Auktionen für Moderne und zeitgenössische Kunst Spitzenpreise. Eine hohe Beteiligung im Saal, am Telefon und im Internet, brachte der Suite ausgewählter Werke gute Bietergefechte. Die Skulptur "Kriechende Frau" von Max Beckmann erreichte mit 250.000 Euro das höchste Ergebnis der Auktion. Die Sonderauktion mit Vintage-Fotografien der NASA spielte 75% Taxe ein.

Eines der bedeutendsten deutschen Museen bewilligte für die Bronze "Kriechende Frau" von Max Beckmann 250.000 Euro (Taxe 180.000/220.000 Euro). Karl&Faber erreichte mit diesem guten Ergebnis den zweithöchsten Zuschlag, der jemals für eine Skulptur von Beckmann auf dem internationalen Auktionsmarkt erzielt wurde, und zugleich den höchsten Zuschlag in der Auktion für Moderne Kunst.

Max Beckmann: Kriechende Frau, 1935, Bronze mit dunkelbrauner Patina, ca. 17 x 23 x 55 cm(Foto: Arne Schultz/© VG Bild Kunst, Bonn 2016)
 

Weit über die Taxe von 50.000/70.000 Euro wurde mit 212.500 Euro Georg Schrimpfs großformatige Landschaft "Staffelsee" gehoben. Das Werk aus dem Jahr 1934 im Stil der neusachlichen Malerei erzielte damit den dritthöchsten Zuschlag auf einer Auktion und das höchste Ergebnis für ein Landschaftsgemälde des Künstlers. Nach einem spannenden Bietergefecht erhielt ein süddeutscher Saalbieter das Los.

Auch im mittleren Marktsegment ergaben sich gute Zuschläge. So erreichte die Gouache "Eisenbahnbrücke" von Volker Böhringer, entstanden um 1933, einen absoluten Rekordpreis. Mit 28.750 Euro erreichte sie mehr als das Vierfache der unteren Taxe. Den Zuschlag erhielt ein Händler aus Baden-Württemberg. Bisher hatte der Künstler auf dem Auktionsmarkt nur zwei Ergebnisse für Papierarbeiten. Dies zeigt, dass bei Künstlern abseits der ausgetretenen Pfade der Moderne derzeit hohe Resultate erzielt werden. Das kleinformatige Aquarell von Gabriele Münter "Weg ins Gebirge bei Murnau" weckte lebhaftes Interesse. Insgesamt beboten mehrere Saalbieter das Los. Das kleine Landschaftsaquarell aus den 30er-Jahren war auf 18.000/20.000 Euro taxiert und erreichte mit 37.500 Euro ein hervorragendes Ergebnis. Das Gemälde "Am Hügel (Staffelsee)" blieb dagegen hinter den Erwartungen zurück und wurde unter Vorbehalt bei 150.000 Euro zugeschlagen.

Die erste große Foto-Auktion mit 153 Losen NASA Vintage-Fotografien aus der Sammlung Siebert zog bereits vor der Auktion großes Interesse auf sich. Fotografien von den Anfängen der frühen Missionen in den 50er-Jahren bis hin zu Aufsehen erregenden Farbaufnahmen der freischwebenden Astronauten in den 80er-Jahren waren im Angebot. Insgesamt konnte ein Ergebnis von 75% der Taxe erzielt werden. Eine Aufnahme von Edwin Aldrin während seines ersten Außenbordeinsatzes, – in dessen Visier sich Neil Armstrong spiegelt, der das Foto aufnahm – war das begehrteste Los der Sonderauktion. Für 8.125 Euro verfünffachte es seine Taxe. Eine der frühesten Gesamtansichten der Erde, fotografiert aus dem Raumschiff Apollo 8 erzielte 5.250 Euro (Taxe 4.000 Euro).

    
Georg Schrimpf: Staffelsee, 1934, Öl auf Leinwand, ca. 90 x 161 cm (Foto: Arne Schultz) | Gabriele Münter: Weg ins Gebirge bei Murnau, 1930er-Jahre, Aquarell, Bleistift und Tusche auf festem strukturierten Papier, ca. 21 x 23,5 cm (Foto: Arne Schultz/© VG Bild Kunst, Bonn 2016) | Michael Krebber: Ohne Titel (Biche dans un sous-bois, 6/6), 1991, Öl auf Leinwand, ca. 30 x 40 cm (Foto: Arne Schultz/© the artist )
 

Die Auktion der Kunst nach 1945 und der zeitgenössischen Kunst verlief erwartungsgemäß gut und
erzielte ein Ergebnis von 93% nach Schätzpreisen. Besonders das Segment mit einer Taxe von 10.000 bis 30.000 Euro verzeichnete sehr gute Zuschläge. Ein Kissenbild von Gotthard Graubner war mit 137.500 Euro das Top-Los in der zeitgenössischen Kunst.

Gotthard Graubners großes Kissenbild aus dem Jahr 1988 in Lila und Grüntönen entfachte ein spannendes Bietergefecht, das die gepolsterte Leinwand von 70.000/90.000 Euro auf ein Spitzenergebnis von 137.500 Euro emportrieb. Es war das teuerste Los in der zeitgenössischen Kunst und entsprach damit den Erwartungen. Mit der Innovation der Zweidimensionalität der Leinwand fand Graubner einen überzeugenden Weg die reine Farbe zum Gegenstand zu erheben und es gelang ihm in seinen Arbeiten der Farbe dauerhaft Präsenz zu verleihen.

Die kleinformatige, unbetitelte Leinwand von Michael Krebber, ein Künstler, der selbst notorische Zweifel an der Malerei hegt, wurde weit über der Taxe von 12.000/15.000 Euro für 30.000 Euro zugeschlagen. Bereits vor der Auktion war das Stillleben sehr gefragt und zog viele Interessenten an. Bisher wurden nur acht Ölgemälde des Künstlers auf dem internationalen Auktionsmarkt angeboten. Die konstruktivistische Arbeit in farbintensiven, diagonal angeordneten Streifen von Günter Fruhtrunk aus den 60er-Jahren erreichte spielend ein Ergebnis von 50.000 Euro und lag damit weit über seiner oberen Taxe von 40.000 Euro. Es wurde von einem süddeutschen Privatsammler übernommen. "Cantus Firmus", das einst Prof. Dr. Wolf-Dieter Dube gehörte, befindet sich derzeit noch in Nachverhandlungen. "Freundinnen I" von Siegmar Polke ist nach wie vor ein beliebtes Motiv. Der junge Künstler druckte es 1967 im Offsetverfahren. Es war seine erste verlegte Edition. 21.250 Euro war es einem Händler aus Nordrhein-Westfalen wert. Das kleine Objekt "Weltempfänger" von Isa Genzken von 1987 konnte für mehr als das Fünffache der unteren Schätzung zugeschlagen werden. Für den Betonblock mit Metallantenne bot ein süddeutscher Privatsammler 27.500 Euro.

Erfolg verzeichnete auch das Konvolut von 6 Blatt minimalistischen Acrylcollagen von Imi Knoebel. Weit über der Taxe von 10.000/12.000 Euro wechselte es für 28.750 Euro den Besitzer. Die in serieller Arbeitsweise erstellten Collagen zeigen seinen virtuosen Umgang mit Farbe und der geometrischen Formensprache. Die sechs Arbeiten stammen aus einer Serie von insgesamt 12 Unikaten.

Günter Fruhtrunk: Bildkonstituierende Kraft, 1966, Mischtechnik auf Faserplatte, ca. 77 x 76 cm (Foto: Arne Schultz/© VG Bild Kunst, Bonn 2016 | Sigmar Polke: Freundinnen I, 1967 Offset auf Vielan, ca. 48 x 61 cm/Blattgröße (Foto: Arne Schultz/© VG Bild Kunst, Bonn 2016) | Isa Genzken: Weltempfänger, 1987, Beton und Metall, ca. 32 x 23,5 x 5,5 cm, Betonblock Höhe ca. 15 cm (Foto: Arne Schultz/© VG Bild Kunst, Bonn 2016)
 

Die Nachfrage an Werken der klassischen Moderne war in dieser Saison überall in Deutschland eher zurückhaltend. Dies ist zum einen auf die allgemeine Verunsicherung im Hinblick auf das geplante Kulturgutschutzgesetz zurückzuführen, zum anderen, auf eine generelle Preiskorrektur in diesem Segment. Bei Karl&Faber zeichnet sich in diesen Frühjahrsauktionen somit ein vergleichbares Bild wie bei anderen Auktionshäusern in Berlin und München mit ähnlichen Zuschlagsquoten ab. Die zeitgenössische Kunst verbucht zahlreiche Steigerungen weit über der Schätzung und entsprach damit den Erwartungen. Mit insgesamt 900 Bietern von der Westküste der Vereinigten Staaten bis nach Japan nahmen noch nie so viele Interessenten an den Auktionen teil.

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