Highlights – Internationale Kunstmesse München – Crossover im traditionsreichen Rahmen

11.11.14

Bereits zum zweiten Mal findet die 2009 gegründete Kunstmesse HIGHLIGHTS in der traditionsreichen Münchner Residenz statt. Allerdings präsentieren sich die Galerien nicht in den historischen Räumlichkeiten der Residenz, sondern in einem eigens errichteten Zelt, das in einem der zahlreichen Innenhöfe von dem renommierten holländischen Designer und Architekten Tom Postma konzipiert und gestaltet wurde. Doch „gefühlt“ wähnen sich sowohl Veranstalter als auch Aussteller schon viel länger in diesem mehr als würdigen Rahmen, wie bei Preview und Highlights-Dinner immer wieder betont wurde.

Neuzugänge sorgen für Erweiterung des Spektrums
Von den 48 Teilnehmern sind die meisten seit der Geburtsstunde der Messe mit von der Partie. Doch bei der fünften HIGHLIGHTS-Ausgabe gibt es auch Neuzugänge: Mit Alexis Renard aus Paris ist nun in München erstmals islamische und indische Kunst vertreten. Der noch junge Kunsthandel Kunkel Fine Arts hingegen lässt mit dem „Porträt der Lily Disgeistes“ von Albert von Keller oder auch mit Adolf Münzers „Wohltätigkeitsfest in Trianon“ die Atmosphäre in den Salons des Fin de siècle wiederaufleben. Anne Pálffy Jewellery bietet mit erlesenen Schmuckstücken wie etwa einem Fabergé zugeschriebenen Sternanhänger aus Platin, Gelbgold, Saphir und Diamanten einen Anziehungspunkt mehr für jene Damen, die ihr Kunstwerk lieber am Körper tragen, als es in ihrer Wohnung zu präsentieren. Für frischen (und jungen) Wind im Altmeistersektor sorgt der Antwerpener Galerist Tyr Baudouin Lowet de Wotrenge. Die durch das Fehlen der Mailänder Galerie Silvano Lodi & Due entstandene Lücke in diesem Bereich wird  durch Umberto Giacometti aus Rom geschlossen. Doch nicht etwa ein Gemälde des 17. oder 18. Jahrhunderts zieht bei Giacometti die Blicke magisch an, sondern eine mit 71 x 103 cm außergewöhnlich große Kreidezeichnung des italienischen Malers und Bildhauers Vincenzo Gemito. Die aus dem Jahr 1920 stammende Zeichnung mit dem Titel „Die Marchesa Giulia Albani als tanzende Muse“ stammt aus dem Privatbesitz besagter Adelsfamilie und kann nun für 30.000 € von einem Liebhaber erworben werden.

Neuentdeckungen, großformatige Papierarbeiten – und ZERO
Die Münchner Galerie Thomas wartet mit zwei Ölgemälden des bislang kaum bekannten deutschen Expressionisten Philipp Bauknecht auf, dessen Karriere erst durch die Bekanntschaft mit dem Maler Ernst Ludwig Kirchner in Davos den rechten Anschub erhielt. Und so erscheint es nicht mehr als folgerichtig, dass seine Arbeiten im Dialog mit Werken Kirchners präsentiert werden. Zwar haben Wienerroither & Kohlbacher aus Wien mit dem Gemälde „Grubschanze bei Kitzbühel“ (€ 850.000 ) von Alfons Walde ein wirkliches „Highlight“ im Angebot, doch Otto Müllers großformatige Kreidezeichnung „Zwei Mädchen im Walde“ auf gelbbraunem Papier steht diesem an Schönheit in nichts nach. Von besonderem Reiz ist auch die 61,5 x 49 cm große, in Wassertempera und Kreide auf Bütten ausgeführte Komposition „Magnolienblüten“ von Christian Rohlfs, die Thole Rotermund aus Hamburg für € 89.000 anbietet. 2014, dem Jahr, in dem Otto Piene starb und Heinz Mack eine aufsehenerregende, weithin sichtbare Installation vor Venedigs Fondazione Cini errichtet hat, kann es keine Messe ohne ZERO geben: So bleibt die Düsseldorfer Galerie Beck & Eggeling ihrem Schwerpunktprogramm auch auf den HIGHLIGHTS treu und bietet beispielsweise ein seltenes Kunstharzrelief des ZERO-Gründers Heinz Mack an.

Im Trend: Crossover
Geradezu zukunftsweisend erscheint die Kombination von Design und Malerei, von außereuropäischer und europäischer Kunst sowie von Moderne und Tradition. Bereits im vergangenen Jahr hat Thomas Salis mit seiner puristischen Präsentation von ausgewählten Möbelstücken und Gemälden des 20. Jahrhunderts vor schlichtem Betonhintergrund Maßstäbe gesetzt. 2014 hat er dieses Konzept nun erweitert und sich mit Dierking aus Zürich in einem Gemeinschaftsstand zusammengeschlossen. Afrikanische und ozeanische Kunst, Gemälde der klassischen Moderne und eine alle Blicke auf sich ziehende Kommode des italienischen Designers Piero Fornasetti werden in einer geglückten Symbiose präsentiert.

Dieser Trend zum Crossover wird neuerdings auch bei Konrad O. Bernheimer, den man als klassischen Altmeisterhändler kennt, nur allzu augenscheinlich. Dank der erst vor kurzem gegründeten Künstleragentur Bernheimer Contemporary, deren „Motor“ Isabel Bernheimer ist, sind hier nun neben traditionellen Gemälden des 17. bis 19. Jahrhunderts die geometrisch-ornamentalen Skulpturen der pakistanischen Künstlerin Halima Cassell zu bewundern oder auch das aus Betonabformungen von Plastikflaschen und -bechern bestehende Vanitas-Stillleben „Broken Promises“ des aus Hannover stammenden Künstlers Jan Kuck. Tradition trifft auf Moderne!

Wegweiser ins 18. Jahrhundert
Direkt gegenüber von Bernheimer, an einer Außenwand des Standes von Mehringer Benappi, hängt das 1753/1756 entstandene Gemälde „Schlafender Knabe“ von Pietro Antonio Rotari des Kunsthandels Daxer & Marschall, der in diesem Jahr nur als Associate fungiert. Der selig Schlummernde hat seinen Kopf nach links gewandt und scheint den Besucher geradewegs zu Röbbig zu leiten, dem Spezialisten für Porzellan und Kunstgewerbe des 18. Jahrhunderts, wo ein atemberaubend schöner, seltener, großer Porzellanblumenstrauß aus der Zeit um 1750 auf einen Käufer wartet.

Und wenn der Kunstbesessene nach dem Messebesuch noch lange nicht genug hat von Münchens Highlights, dann kann er auf www.kunstherbstmuenchen.de, dem neuen Online-Portal „für die Kunststadt München zwischen Wiesn und Weihnachten“, zahlreiche Inspirationen für weitere Ausflüge in die Welt der Kunst beziehen.

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