Gelungene Performance | das war die viennacontemporary 2017

25.09.17
Beck & Eggeling © viennacontemporary : A. Murashkin

Durchaus zufrieden waren die rund 120 Galerien aus 27 Ländern am Sonntagnachmittag als sich die lange Messewoche langsam dem Ende zuneigte. Beinahe 30.000 Besucher verzeichnete die viennacontemporary – ein neuer Rekord. Auch wenn nicht alle ihre Stände leerverkaufen konnten, so wechselten doch einige Werke die Besitzer – an manchen Ständen hingen am zweiten Tag schon neue Arbeiten anstelle der erworbenen – und es konnten neue Kontakte geknüpft werden, teilweise sogar international. Langsam festigt sich die viennacontemporary im dritten, bzw. als ehemalige viennafair, sechsten Jahr als Institution und Fixpunkt im Kunstherbst. Die Preise zwischen 600 Euro und über 3 Millionen verhießen dabei auch heuer wieder eine Veranstaltung für die unterschiedlichsten Interessenten. Man sei bereits unter den Top-20-Messe-Anbietern weltweit, betonte Dmitry Aksenov, Vorstandsvorsitzender der viennacontemporary bei der Eröffnung. Das, durchaus ambitionierte, Ziel sei es, in absehbarer Zeit unter die Top 5 zu kommen.

Der diesjährige Auftritt bewies immerhin die dahingehend richtige Tendenz. Durchaus qualitative Positionen, eine Mischung aus etablierten Größen und Newcomern, sowohl auf Seiten der Galeristen als auch unter den präsentierten Künstlern, sowie starke kuratierte Anteile sicherten einen soliden Erfolg.

Neben den "Nordic Highlights", die Einblick in die Galerieszene in Finnland, Dänemark und Schweden gaben, trat vor allem auch die die Sonderschau "Focus:Hungary" mit einer umfangreichen Rückschau zur Entwicklung der Kunstszene in Ungarn hervor. Mit Ferenc Latos, Imre Bak oder Dora Mauer wurden neoavantgardistischer Künstler der 60er und 70er präsentiert. Kuratiert hat die Focuszone der ungarische Kunsthistoriker und Kritiker József Mélyi, umgesetzt wurde sie von den drei Budapester Galerien ACB Gallery, Kisterem und Vintage Gallery.

Künstler, Galerien, Kuratoren und Institutionen aus der CEE-Region (Zentral- und Osteuropa) erfuhren auch heuer allgemein wieder spezielle Förderungen. Unter den 110 ausstellenden Galerien waren 32 aus dem osteuropäischen Raum.

Weitere kuratierte Formate waren "Cinema" von Olaf Stüber, für das teilnehmende Galerien Videos österreichischer und internationaler Künstler zum Thema "Mein kleines Glück" einreichen konnten, und die markante Schau "Solo & Sculpture", für die Kurator Miguel Wandschneider neun Skulpturen auswählte. Im Rahmen zweiterer wurde vor allem der schwebende Balken von Joëlle Tuerlinckx für die Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder zum beliebten Fotomotiv und Besucherhighlight.

Unbestreitbarer Höhepunkt der Messe, der auch durch Verkaufserfolge belohnt wurde, war aber die von Marlies Wirth herausragend kuratierte ZONE1 mit Einzelschauen zehn junger österreichischer Künstler. Vor allem Theresa Eipeldauer, Flora Hauser, Peter Jellitsch und Kay Walkowiak begeisterten; doch auch die performativen Einlagen von Christian Falsnaes und die monochromen Arbeiten von Florian Schmidt bleiben nachhaltig in Erinnerung.

Doch auch abseits der ZONE1 bestachen die Newcomer. Wie Nathalie Halgand mit dem herausragenden Yorgos Stamkopoulos, der Leipziger Künstlerin Katharina Schilling und noch erschwinglichen Fotoarbeiten von Julian Mullan.

Generell war aber zu beobachten, dass gerade die Galerien die sich für Einzelpositionen entschieden oftmals die meiste Aufmerksamkeit anzogen und mit dieser musealen Stärke auch zum Verweilen einluden. Hervorzuheben hier zum Beispiel die Galerie bechter kastwosky mit ihrer klaren Präsentation der Malereien von Liliane Tomasko, Hubert Blanz für die Galerie Reinthaler oder die Charim Galerie mit der gelungenen räumlichen Institution von Dorit Margreiter.

Auch die auf zwei Positionen reduzierte Gestaltung der Galerie Beck & Eggeling war sehenswert. Auffgefallen sind die großformatigen Zeichnungen von Susanne Kühn, einer Künstlerin, die aus der Leipziger Schule kommt, in Wien bisher allerdings kaum präsent war. Umso eindrucksvoller war ihre Präsentation auf der Messe. Als zweiten Künstler stellten die Galeristen den russisch-ukrainischen Künstler Aljoscha vor. Seine raumgreifende Installation dominierte nicht nur die Messehalle sondern fand auch Anklang beim Sammlerpublikum. Eine weitere Arbeit, die uns äußerst gut gefiel, war Roman Pfeffers "Lazy Mazzocchio“ in der Galerie Raum mit Licht.

Eine gelungen inszenierte Zusammenschau vier doch sehr unterschiedlicher Künstler gelang Lisa Kandlhofer mit Malte Bruns, Karl Karner, Alina Kunitsyna und James English Leary. Je nach Betrachtungsweise ein bunter Erlebnisparcours oder eine monumentale Skulptur in die sich Gemälde einschreiben. Sehenswert auch der Stand der Galerie Bernd Kugler mit Patrycja German, Tobias Hantmann und Anna Kolodziejska, die mit jeweils einer Arbeit präsent waren. Insgesamt setzte der Galerist auf eine reduzierte, dafür umso eindrucksvollere Präsentation seiner Künstler.

Philipp Konzett widmet seinen Messestand ausschließlich einer Auswahl an Künstlerinnen – Valie Export, Carolee Schneemann, Helen Chadwick oder auch die Videokünstlerin, Fotografin und Filmemacherin Friederike Pezold, eine wichtige – heute fast vergessene Künstlerin der 1970er-Jahre. Claudia Märzendorfer zeigte ihre Installation "music typewriter" – eine schmelzende ephemere "work in progress". Auch die erst diesen Monat in Wien eröffnete Galerie Sanatorium brachte mit Luz Blanco eine starke weibliche Position ins Gespräch. Ein weiterer spannender Messefund: Hilla Kurki bei Taik Persons. Ihren poetischen fotografischen Arbeiten gehen performative Beschäftigungen vor.

Unsere favorisierte Entdeckung? Diogo Pimentão, gezeigt von der Berliner Galerie ŻAK | BRANICKA. Erst am zweiten, oder gar dritten Blick offenbart sich das rein zeichnerische Werk des portugiesischen Künstlers, das irrtümlicherweise erst als metallische Plastik fasziniert. Unter den Berliner Galerien auch ganz groß: KOW. Mit Werken von Candice Breitz, Los Carpinteros, Eugenio Dittborn, Oswald Oberhuber, Michael E. Smith, Franz Erhard Walther und Tobias Zielony. Auch die belgischen Gäste freuten das Messepublikum. Vor allem Sofie van de Velde aus Antwerpen war einen Besuch wert.

Zu den überstrahlend gelungenen Inszenierungen gehörte nach einer Pause im letzten Jahr wieder jene von Thaddaeus Ropac, der exemplarisch für die britische Bildhauerkunst Werke von Tony Cragg, Richard Deacon, Antony Gormley und Anish Kapoor versammelte. Auch der Wiener Emanuel Layr konnte erfolgreich seine Stars, allen voran Philipp Timischl, inszenieren.

Trotz Gerüchten um einen etwaigen Umzug in eine andere Halle und den Schreck rund um den Brand vor etwa 14 Tagen sind die Termine für die kommenden Jahre in der Marx Halle schon fixiert. Die viennacontemporary wird bleiben. Denn Kunst gehört, so Dimitry Aksenov, zur "DNA von Wien".

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