Ein Quantum Butter für die Kunst

24.09.14

Emilie Mediz-Pelikans „Glyzinienbrunnen im Pappelhain“ (1900) wurde bei der Eröffnungsausstellung des Hagenbundes präsentiert. Seit 1993 schmückt es die Sammlung von Sir Sean Connery (Foto: Courtesy Sir Sean Connery)

Die Geschichte des Hagenbundes

Die Geschichte des Hagenbundes ist auch ein historisches Kapitel des lokalen Kunstmarktes, Krisenzeiten inklusive. Anfang der 1930er-Jahre kämpfte man mit ungewöhnlichen Modellen gegen die latente Verkaufsflaute.

Ein im modernen Sinn florierendes Galeriewesen, über das zeitgenössische Künstler und Publikum miteinander in Kontakt treten konnten, war im Wien Anfang des 20. Jahrhunderts kaum ausgeprägt. Beim "Künstlerbund Hagen der Gesellschaft bildender Künstler Wiens" - kurz Hagenbund – war diese Form der Interaktion hingegen Programm. In der Zedlitzhalle, einer von der Stadt Wien angemieteten Markthalle, konnten Herr und Frau Österreicher kurioserweise folglich sowohl Obst und Gemüse, als auch Kunst käuflich erwerben.

Für die wachsende Schar der teils am Anfang ihrer Berufslaufbahn stehenden Mitglieder spielte diese (Verkaufs)Plattform bzw. Vertriebsschiene aus ökonomischer Sicht eine essentielle Rolle. Von Notlagen blieb man trotzdem nicht verschont. Der Zäsur des Ersten Weltkriegs folgten finanziell schwierige Zeiten, der Börsecrash und die Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre verschärfte die Situation massiv: sowohl für den Hagenbund, der Betriebs- und Personalkosten aufzubringen hatte, als auch für seiner Mitglieder.

Kunst für Tauschlustige

Eine Verbesserung der wirtschaftlichen Auslastung sollte ab 1928 eine Kooperation mit dem Galeristen Otto Kallir-Nirenstein bringen, der ab 1931 als "Geschäftsführender Vizepräsident" fungierte. Er initiierte auch - für das Wiener Publikum eher ungewöhnliche - Modelle zur Bekämpfung der Verkaufsflaute bei Hagenbund-Ausstellungen, wie Belvedere-Kurator Harald Krejci erklärt. Etwa ein Tauschsystem, im Zuge dessen ausgestellte Kunstwerke nicht nur gegen Bargeld, sondern auch im Austausch gegen Waren und Leistungen erworben werden konnten.

„Also für ein Ölbild das entsprechende Quantum Teebutter, für ein Aquarell eine unentgeltliche Kaltwasserkur“, spöttelte ein Kritiker in der „Neue Freie Presse“ (Mai 1932), bzw. bestünde ja auch kein Hindernis, „ein idyllisches Stillleben gegen eine weniger idyllische Zahnextraktion zu tauschen“. Inwieweit diesen Verkaufsmodellen tatsächlich nachhaltiger wirtschaftlicher Erfolg beschieden war, ist nicht überliefert. Nur eines ist Gewiss: so individuell die Berufslaufbahn der Mitglieder bis zur politisch bedingten Auflösung 1938 und in den Folgejahren verlief, so unterschiedlich entwickelte sich die teils posthume Wertschätzung ihres Oeuvres auf dem Kunstmarkt. Werke jener Künstler, die ins Exil gingen und in ihrer neuen Heimat anerkennenden Beifall fanden, unterlagen zumeist einer deutlich höheren Bewertung, als viele der in Österreich verbliebenen.

 

 

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