Die 16. ART BODENSEE – ein Nachbericht

12.07.16

Vom 8. bis 10. Juli 2016 fand in Dornbirn zum 16. Mal die ART BODENSEE statt. Über 60 Galerien und 12 Institutionen aus 7 Ländern, darunter fast 500 Künstler und Künstlerinnen, machten die Vorarlberger Kunstmesse zu einem spannenden Erlebnis, wo die Freude an der Kunst deutlich zu spüren ist.

Im Laufe der vergangenen Jahre gewachsen an Qualität und Quantität, konnte die Messe steigende Besucher- und Verkaufszahlen erwirtschaften. Tendenz steigend. Das Besondere an der feinen „Salonmesse“, wie sie sich gern bezeichnet, ist aber nicht die Präsentation von ausschließlich „exklusiven“ Kunstwerken, sondern die Möglichkeit Kunst abseits des Mainstreams zu entdecken, regionale und internationale Künstler präsentieren zu dürfen und den Galeristen die Zeit und Raum zu bieten, sich intensiv den Sammlern und Interessenten zu widmen. So finden sich nicht nur große Namen wie Günter Uecker, Pablo Picasso oder Max Ackermann unter den ausgestellten Werken, sondern auch Newcomer wie Jürgen Paas, Roswitha Buhmann oder Thomas Röthel.

Eine Acht aus Stahl, eine Skulptur von Spallo Kolb, vertreten durch die Galerie Lisi Hämmerle  begrüßte die Besucher gleich beim Eingang. Im Foyer wurde in diesem Jahr im Rahmen der von Harald Gfader kuratierten Sonderschau „Featured Artist“ Katharina Olschbaur präsentiert.  

Featured Artist
Seit 2007 fördert das Land Vorarlberg im Rahmen der ART BODENSEE den Auftritt von Vorarlberger Künstler und Künstlerinnen um diesen die Möglichkeit geben zu können mit Galeristen und Sammlern auf „Tuchfühlung gehen zu können“. In diesem Jahr erhielt Katharina Olschbaur diese Auszeichnung. Die treibende Kraft hinter diesem Projekt ist der Kurator und Vermittler Harald Gfader. Das Werk der 1983 geborenen Künstlerin, das sich zwischen objektbezogener und abstrakter Malerei bewegt, ihr höchstbeachtliches Wissen, ihre Sicherheit und Radikalität, überzeugte. Katharina Olschbaur wurde bereits mit mehreren Auslandstipendien, zum Beispiel in Tel Aviv, ausgezeichnet und war in vielen Galerie-Ausstellungen präsent. Ihre Malerei „ist eine Auseinandersetzung mit dem Schwierigen an der malerischen Form selbst. Ihre Formensprache im Bild ist nie eine spontan gestische, sondern eine, die sich die Künstlerin über einen längeren Zeitraum erarbeitet“, so Harald Gfader über das Werk der Künstlerin. So verwendet sie über einen längeren Zeitraum dieselben Motive, bis diese teilweise nicht mehr brauchbar sind. Eine Auswahl an aktuellen Arbeiten, u.a. ihre 200 x 170 cm große Arbeit „Dildo“ (2016) aus ihrer derzeitigen Motiv-Serie war auf der Messe zu sehen. Diese „Hilfe zur Selbsthilfe“, wie die Künstlerin erklärte, ließ nicht nur schmunzeln, sondern machte deutlich wie Olschbaur die Regeln und Strukturen, die sie für ihre Malerei entwirft, immer wieder neu ausgelegt werden können.

Galerien auf der Art Bodensee
In Halle 13 präsentierte Semjon Contemporary – Galerie für zeitgenössische Kunst (DE) u.a. Werke von Ute Essig, Ursula Sax oder Marc von der Hocht. Alle Künstler zeichnen sich durch eine „qualitätvolle Material-Intelligenz“ aus. Ursula Sax arbeitet zum Beispiel mit unterschiedlichen Materialien wie Eisen, Bronze oder Holz. Ihre Cosmometrischen Arbeiten erfreuten sich über große Beliebtheit und fanden neue Käufer. Galerie Gans aus Wien (AT) zeigte neben Mario Dalpra, Christoph Luger, Peter Marquant und Eva Wagner den Künstler Michael Kos. Dieser präsentierte u.a. dem Ätna nachempfundene Lavasteine mit illusionären Nähten. Durch den Gegensatz Stein/Naht wirken die Arbeiten, die teilweise an einem amerikanischen Football erinnern, sehr künstlich. „Was ist autonome Natur?“ ist ein kritischer Aspekt, auf den der Künstler dazu Bezug nimmt. Die Neue Kunst Gallery – Michael Oess aus Karlruhe ist seit Anbeginn der ART BODENSEE mit dabei und präsentierte internationale zeitgenössische Kunst, darunter kinetische Objekte von Anja Luithle. Wie von Geisterhand bewegten sich Sektgläser und Tassen über die Fläche. Galerie Arthouse aus Bregenz glänzte u.a. mit fluoreszierenden Draht-Insekten von Stefan Waibel, Galerie Arktika aus Marktoberdorf mit Tier-Skulpturen von Winfried Becker und Galerie Lindner aus Wien zeigte u.a Arbeiten von Anna-Maria Bogner, Franz Riedl oder Doris Fend.

In der Halle 14 präsentierte Galerie Bechter Kastowsky aus Wien Arbeiten von Jakob Gasteiger, Karen Holländer und Thomas Thyrion. „Durch die Anwesenheit vieler interessierter Leute, macht auch das Vermitteln Freude. Die Besucherzahlen sind durchaus positiv und wir bekommen gute Resonanz“, erzählt das Galeristenpaar. „Einzig die spontane Kaufentscheidung fehlt.“ Auch Galerist Michael Sturm aus Stuttgart ist zufrieden. „Es waren viele gute Leute vor Ort“. Weitere sehenswerte Arbeiten waren u.a. die informelle Arbeit „Grün mit strukturellem Wandel, das große Rasenstück für Albrecht“ von Gerhard Neumaier bei der Galerie Z aus Stuttgart, bei der der Künstler sein Motiv praktisch aus der Farbe kratzt, der skulpturale „Eyecatcher“ aus Kabelbinder von Markus Delago betitelt „unviolable“ bei der Vijion Art Gallery aus St. Ulrich (IT) oder die eindrucksvollen Papierarbeiten von Frauke Danzer bei Blond & Blond Contemporary (DE).

Sonderschau „Textiles und Gemaltes
Im Zentrum der Halle 14 sorgte die Sonderschau „Textiles und Gemaltes“ aus der Ausstellung „Schönheit als Notwendigkeit“ der Sammlung Wilhelm Otten mit Werken von Eduardo Chillida, Helmut Federle, Jakob Gasteiger, Sean Scully und Textilien aus Peru und Persien für Aufsehen. Das Herzstück der von Ingrid Adamer kuratierten Ausstellung war ein 242 x 120 cm großer Umhang aus Peru aus der Nasca-Periode, 200-600 n. Chr. Der Umhang ist eine wunderschön erhaltene Grabbeigabe, die aufgrund ihrer Lagerung im Sand all die Zeit überdauert hat und heute sehr aufwendig konserviert werden muss. Alle gezeigten Textilien wurden für den eigenen Bedarf hergestellt, für rituelle Handlungen, um Dinge zu transportieren oder um sich zu kleiden. Nun traten sie erstmals in Dialog mit gemalter moderner Kunst und zeigten auf was die beiden Schwerpunkte der Sammlung Otten, die vor über 30 Jahren ihren Anfang nahm, miteinander verbindet: „Reduzierte Formensprache, Harmonie der Farben, Ordnung und Struktur, Poesie und vieles mehr“.

Neue Halle
Für das nächste Jahr ist eine Veränderung geplant. Nicht mehr die Hallen 13 und 14 werden bespielt, sondern die neu, von Marte.Marte konzipierte 5.000 Quadratmeter große Halle 11, nur wenige Meter vom jetzigen Standort entfernt. Denn die älteren Messehallen werden derzeit durch eine moderne und zeitgemäße Infrastruktur ersetzt. „Mit der großzügigen Kubatur sowie der herausragenden Architektur von Marte.Marte erhält die Salonmesse dann den Rahmen, den sie verdient“, so der Geschäftsführer Daniel Mutschlechner. „Die neue Halle eröffnet neue Möglichkeiten. Alle Galerien werden in einer Halle versammelt sein und die spektakuläre Architektur von Marte.Marte wird neue Impulse setzen“, ist auch Isabella Marte überzeugt. So darf man sich auch im nächsten Jahr, vom 30. Juni bis 2.Juli 2017, auf eine herausragende Kunstmesse mit viel Potenzial, Herz und Kunstgenuss freuen.