Das war die Art Basel 2018

18.06.18
Art Basel in Basel 2018  © Art Basel

Unaufgeregt wiewohl aufregend erfolgreich ging auch diese Art Basel Woche zu Ende. 95.000 Menschen besuchten die diesjährige 49. Ausgabe – eine Zahl die sich stabil zu den beiden Vorjahren verhält. Neben Vertretern von über 400 Museen und Institutionen haben private Sammler aus über 100 Ländern – schwerpunktmäßig aus Europa und Asien – die beinahe 300 Galerienstände besucht.

Stefan von Bartha ist nur einer der von der erfolgreichsten Messebeteiligung in der Geschichte der Galerie spricht. Ähnlich überzeugt gibt sich auch Thaddaeus Ropac, der neben Baselitz und Rauschenberg („Ruby Re-Run“ wurde für 1,45 Millionen britische Pfund verkauft) unter anderem auch die auf der Art Unlimited gezeigte Arbeit „Death Star II“ von Robert Longo abgeben konnte. Die Kugel aus 40.000 Patronenhülsen wurde für 1,5 Millionen Dollar an ein europäisches Museum verkauft – der Erlös wird teilweise einem guten Zweck dienen.

Neben Ropac waren sechs weitere Galerien aus Österreich auf der Art Basel aktiv. Krinzinger und die Galerie nächst St. Stephan präsentierten ebenso wie Janda und die Galerie des im Mai verstorbenen Georg Kargl, die nun von dessen Frau der Künstlerin Inès Lombardi geführt wird, eine Auswahl ihrer Stars. Das gelang bei Rosemarie Schwarzwälder überzeugend, bei Krinzinger hingegen wirkte der Stand mehr ob der starken einzelnen Werke und weniger in der Komposition – Janda und Kargl gingen im Messetrubel gar etwas unter mit ihren etwas uninspirierten, klassischen Messekojen. Anders die beiden Solopräsentationen. Sowohl Layr (Feature) als auch Croy Nielsen (Statements) wurden für ihre ganzheitlich gedachten Stände mit starken Verkäufen in gute Sammlungen belohnt.

Mit am größten war der Messeerfolg aber natürlich bei den Big Names im etwas langweiligen Erdgeschoss (hier stehen Arbeiten von Museumsqualität die einen Kurator vermissen). Unter ihnen konnte beispielsweise Hauser & Wirth „Composition“ von Joan Mitchell für 14 Millionen Dollar an eine Sammlung in Europa verkaufen. Und es zeigt sich, dass allmählich eine erfreuliche Steigerung der Preise für Künstlerinnen wahrnehmbar ist. Joan Mitchell brachte auch David Zwirner und Levy Gorvy jeweils 7,5 Millionen Dollar. Hauser & Wirth verkaufte etwa auch „The Three Graces“ von Louise Bourgeois (übrigens auch einer der oft gesehenen Name der Messe) für 4,75 Millionen Dollar, „Untitled“ von Mira Schendel erzielte 1,2 Millionen Dollar.

Diese Millionenverkäufe fanden in großen Teilen bereits am Dienstag, dem ersten der beiden Private Days, statt. Auch Sprüth Magers und die New Yorker Pace Gallery konnten in diesem Segment umsetzen. Letztere verkaufte ein Werk von David Hockney für 2,5 Millionen Dollar. Doch auch im Laufe der Woche gelangen starke Verkäufe. Eine Arbeit die Georges Mathieu Ende der 1950er performativ in Wien gestaltete brachte der Pariser Galerie Applicat-Prazan am Donnerstag 2 Millionen Euro auf der Art Unlimited.

Manche Galerie-Stände glichen unterdessen an diesem ersten öffentlichen Tag längst nicht mehr der Inszenierung von Dienstag. Markant hier etwa die Veränderung der mexikanischen Galerie kurimanzutto, die am ersten Tag unter anderem Sarah Lucas und Haegue Yang verkauften und dann mit Arbeiten unter anderem von Anri Sala und Jimmie Durham umbauten. Hippe Namen die ziehen. Wie etwa auch Julian Charrière, Alicja Kwade oder Ed Atkins.

Experimente bleiben hingegen weitgehend aus, bei Kosten von durchschnittlich 70.000 Euro pro Stand will man lieber verkaufen als ausscheren.

Jung und politisch?

Die Messe brüstet sich mit einer „Verjüngung“. Insgesamt wurde der Bereich „Galleries“ von zehn Galerien die zum ersten Mal in diesem Sektor teilnahmen, was sie sich oft mühsam über vergangene Stationen auf der Liste und den Art Basel Statements erarbeitet haben, erweitert: 47 Canal, Alexander Gray Associates, Bergamin & Gomide, Casas Riegner, Kadel Willborn, Kate MacGarry, KOW, Mendes Wood DM, mother's tankstation limited und Tokyo Gallery + BTAP.

Klassische Moderne, mit Ausnahme von Jan Krugier oder Ernst Beyeler, ebenso wie Fotografie, hier beeindruckte lediglich Thomas Zander, sind unterdessen weiter in den Hintergrund geraden.

Direktor Marc Spiegler hat sich der Förderung jüngerer Galerien verschrieben und Platz geschaffen. Das bekommt schließlich auch der Messe, die das interventionistische Beiwerk der Jungen auch gut für Ihr (Instagram-) Image nutzt. Vor allem die 31 ehrgeizig kuratierten Feature-Projekte sowie die 18 Einzelpräsentationen innerhalb der Statements belebten die Messe signifikant. Der 20. Baloise Kunst-Preis, der jährlich innerhalb der Statements vergeben wird, ging diesmal an die koreanische Künstlerin Suki Seokyeong Kang und Lawrence Abu Hamdan aus Jordanien.

Die Video- und Soundinstallation „The Shouting Valley“ von Lawrence Abu Hamdan thematisiert die Überschreitung der Grenze zwischen Syrien und Israel im Bereich der Golan-Höhen am 15. Mai 2011 durch eine Gruppe von Palästinensern. Ein Beitrag der beispielhaft dafür gelesen werden kann, dass, wie Eva Komarek am 17. Juni in der Tageszeitung „Die Presse“ berichtete, die diesjährige Art Basel deutlich politischer ausfiel als ihre letzten Editionen. Das betrifft vorrangig den Bereich Unlimited. Eine Reinszenierung Yoko Onos „Mend Piece“ der Galerie Lelong version bringt jedoch metaphorisch die Distanz zwischen dem unterhaltenen Basel-Publikum und dem Verantwortungsgefühl für das Ungleichgewicht der Welt auf den Tisch. Drastischer hingegen der überzeugend eifrige Versuch Francis Alÿs in das Auge des Sturms zu laufen (verkauft für 450.000 Dollar durch die Galerie David Zwirner) oder der Filmbeitrag „Incoming“ von Richard Mosse (Galerie carlier | gebauer). Darüber hinaus vermisst die heurige Unlimited, die zu gerne aus der jüngeren Kunstgeschichte zitiert aber einen gewissen Elan, auch wenn Arbeiten wie Bruce Conners Schwarzweißfilm „Breakaway“ von 1966 oder Jürgen Klaukes „Dr. Müllers Sex Shop oder so stell ich mir die Liebe vor“ von 1977 noch immer Spaß machen, die Bühne hätten andere verdient.

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