Auktionshaus im Kinsky: Werke der niederländischen Malerei und des 19. Jahrhunderts sowie die Sammlung Goess-Saurau

05.10.16

Das Auktionshaus im Kinsky versteigert am 18. und 19. Oktober 2016 Werke der niederländischen Malerei und des 19. Jahrhunderts sowie die Sammlung Goess-Saurau.

WERKE des 19. Jahrhunderts 

Das Hauptwerk dieser Auktion am 19. Oktober ist unbestritten das neu entdeckte Gemälde von Theodor von Hörmann, die großformatige Ansicht "Sonniger Nachmittag am Quai du Louvre in Paris" (Lot 997, 300.000-400.000 Euro). Es gehört zu jenen selten angebotenen Gemälden, die Hörmann, Österreichs einziger Impressionist und Vorkämpfer der Wiener Secession, in Paris zwischen 1887 und 1889 gemalt hatte und in denen seine unvergleichliche Auseinandersetzung mit der französischen Avantgarde insbesondere dem Impressionismus experimentell und wunderbar überzeugend zum Ausdruck kommt. Es war bislang unbekannt, bis es vor kurzem in einer privaten nordeuropäischen Sammlung auftauchte und erstmals in der Theodor von Hörmann Ausstellung im Leopold Museum präsentiert werden konnte. Ein neuer Rekordpreis für den Maler ist hier zu erwarten! 

Olga Wisinger-Florian, eine der ersten erfolgreichen und am gesellschaftlichen Parkett versierten Malerinnen am Ende des Jahrhunderts, konnte schon zu Lebzeiten mit besonders realistischen Naturaufnahmen in prachtvoll, berauschender Malerei überzeugen. Bis heute nimmt die Künstlerin auch am Markt eine der führenden Positionen ein, wobei ein Hauptwerk in der Qualität der "Gloxinien im Glashaus" (Lot 1004, Schätzpreis 150.000-300.000 Euro) seit langem nicht mehr angeboten werden konnte.

Hans Makart wiederum, der unbestrittene Malerfürst seiner Zeit, negierte die Wirklichkeit und kleidete vielmehr die sinnlichen, aber formlosen Gefilde der Gefühle in bildhafte Allegorien. Zeitlos wie die "Allegorie der Liebe" (Lot 954, Schätzpreis 100.000-200.000 Euro) sind auch seine Bilder. Und bei Anton Romako, dem genialen Außenseiter und Grenzgänger, zeichnete sich schon früh der schwankende Grat zwischen der sichtbaren Welt und der von Krankheit, dem Unbewussten, der Psyche durchlebten Wirklichkeit ab. Schon die frühe, noch glücklich in Italien entstandene ländliche Szene der italienischen Wandermusiker "Pifferari, vor einem Muttergottesbild spielend (III)", um 1860 (Lot 964, Schätzpreis 25.000-50.000 Euro) reizt mit der spürbaren, latenten Nervosität von Farbe und Form.

Schloss Pfannberg, Steiermark: Nachlass von Carl-Anton Goess-Saurau und seiner Frau Marie, geborene Mayr-Melnhof 

Die bedeutende Sammlung der Familie Goess-Saurau aus Schloss Pfannberg in der Steiermark mit einer Vielzahl an Kunstobjekten rund um das Thema der Jagd wird am 18. Oktober im Auktionshaus im Kinsky in Wien versteigert. Neben rund 40 Gemälden mit Jagd- und Stilllebenmotiven des 17. und 18. Jahrhunderts werden in über 500 Positionen gotische Skulpturen, Möbel, unterschiedliche Raritäten der Volkskunst und des Kunsthandwerks sowie Jagdtrophäen aus Österreich und Afrika angeboten. 

Als „wandelnde Apotheke“ galt einst der König der Alpen, der Steinbock. Alles an ihm schien magische und heilende Kräfte zu haben, seine Hörner, sein Blut, sein Herz, gar sein Kot. Ein tödlicher Glaube, denn er führte bis ins 19. Jahrhundert quasi zur Ausrottung des einst zahlreich auftretenden Tieres in den Alpen. Der Bestand ist heute wiederbelebt, aber der Glaube ist längst verschwunden, einzig die Kunst erzählt noch von jener Magie, die der Steinbock auf den Menschen ausgeübt hat. Besonders das glänzend schimmernde Horn des Steinbocks eignete sich für kunstvolle Verarbeitungen und führte ab dem 17. Jahrhundert hauptsächlich in den alten Salzburger Ländern zu einer eigenen Produktion herausragender und von Sammlern begehrter Artefakte. 

In selten großen Umfang offeriert die Sammlung Goess-Saurau Objekte aus diesem besonderen Material, darunter zwei "Höfische Prunkbecher" (Lot 17 & 18, Rufpreis je 15.000 Euro) mit fantastisch geschnitzten und anschaulich geschilderten Jagdszenen, Pulverflaschen mit kunstvoller Metalleinfassung und Schnupftabakdosen mit aufwendigen Jagdreliefs. 

Als Kontrast dazu finden sich in der Sammlung noch zerbrechliche Figuren des begehrten Porzellans aus Meissen, Nymphenburg und Alt-Wien sowie Fayencen aus Holitsch in Mähren, wo Franz I. Stephan von Lothringen und Gatte Kaiserin Maria Theresias um 1743 eine der erfolgreichsten Manufakturen Europas begründete. 

Von großem Reiz sind auch jene rund 30 Stiche, die nach Aquarellen von Ferdinand Runk mit berühmten Ansichten aus Böhmen, der Steiermark und Tirol mit großem Erfolg gefertigt wurden. Runk war Hofmaler des Fürsten Joseph II. Schwarzenberg und einer der ersten bedeutenden Landschaftsmaler zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Die Aquarelle Rudolf von Alts, die das Kinsky in der Sparte des 19. Jahrhunderts anbieten kann, stellen zu dieser Sammlung eine interessante historische wie künstlerische Ergänzung dar.

Weitere Highlights

Eine weitere bemerkenswerte Sammlung aus Privatbesitz kann das Angebot der Alten Meister um hervorragende Beispiele der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts ergänzen. Zauberhafte Landschaften, Stilleben und idyllische Szenerien spiegeln auf ihre Art eine vergangene wie zeitlose Epoche wider. Künstler wie Jan van Goyen, Salomon von Ruysdael, Otto Marseus van Schrieck, oder Rachel Ruysch sind nur einige der Namen, die in dieser Kollektion vorhanden sind. 

Ein weiteres Toplos der Auktion Alte Meister stellt das ikonografisch vielschichtige "Familienbildnis" des Kremser Malers Martin Johann Schmidt aus der Sammlung Goess-Saurau dar (Lot 608, Rufpreis 250.000 Euro), das 2012 zum Denkmal des Monats erkoren wurde. Bis vor kurzem war es auch im Belvedere als Dauerleihgabe präsent und wird nun aus altem österreichischem Privatbesitz versteigert.

 

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