Art Austria und Art Vienna – ein Rückblick

27.03.17
© Art Austria

Dichtes Programm und dichte Präsentationen

Dieser Frühling brachte Wien neben den etablierten Messen für Kunst und Antiquitäten gleich zwei große Kunst-Messen – die Art Vienna Ende Februar und etwa ein Monat später, von 24. bis 26. März, die Art Austria.

Etwaige Befürchtungen dass sich diese Verdopplung des Angebots negativ auf die Nachfrage auswirken könnte, konnten deutlich abgewiesen werden, beide Messen waren sehr gut besucht, konnten guten Verkaufsquoten verzeichnen und boten ein dichtes Angebot. Anstelle befürchteter Leere trat beider Orts zeitenweise Gedränge – nicht nur unter den Besuchern sondern auch durch zahlreich Dargebotenes von durchmischter Qualität.   

Österreichische Kunst der letzten 200 Jahre

Etwa 1.400 Arbeiten präsentierten vergangenes Wochenende die 43 Aussteller der 10. Art Austria. Zum ersten Mal gastierte diese im Gartenpalais Liechtenstein mit dem man sogleich einen Fünfjahresvertrag unterschrieben hat. Dem Umzug aus dem Leopold Museum und die dortige Ablöse durch die neu begründete Messe Art Vienna, lag eine Vertragskündigung durch das Museum zugrunde.

Versöhnlich hat man mit dem Palais jedoch würdigen Ersatz mit gewissen Vorteilen, wie dem Skulpturengarten, gefunden. Die Laufkundschaft der Museumsbesucher ging wenig ab, dem Ruf der Messe folgte das Wiener Kunstpublikum auch in den Neunten Bezirk.

Wieder entschieden Organisator Wolfgang Pelz (Art Port) ausschließlich österreichische Kunst zu zeigen und versammelte Arbeiten der letzten 200 Jahre. Dieser runde Überblick des österreichischen Kunstgeschehens macht wohl den Erfolg der Messe, sowohl unter Sammlern als auch unter Kulturinteressierten Besuchern ohne Kaufambitionen aus. Dabei wollte man diesmal jedoch einen Hauch zu viel. Sehr dicht gestellt drängten sich die Kojen und Kunstwerke aneinander und gaben sich oft nicht ausreichend Raum um zu Wirken.

Dabei begann der Messebesuch mit einem herrschaftlichen Entrée: Im großzügigen Stil des Gartenpalais wurden im Hof halbkreisförmig auf zwei Achsen 20 Skulpturen von Dagmar Chobot arrangiert. Zeitgenössische Arbeiten, unter anderem von Jakob Gasteiger, gegenüber etablierter Künstler, wie Bruno Gironcoli.

Kaum durch die Tür wird der gegebene Raum sogleich deutlich effizienter eingesetzt, trotz Reduktion auf 43 Aussteller wurde schnell klar, dass den Veranstaltern hier weniger Platz zur Verfügung stand als ehemals auf den drei Ebenen im Leopold Museum, die durch die Art Vienna auf zwei reduziert wurden. Noch ehe man den Empfang der Art Austria erreichte stand man schon in den Präsentationen von Elisabethzeigt und der Galerie Gerersdorfer. Die herausragenden Arbeiten von Hubert Schmalix (siehe PARNASS 1/2017) verkrafteten mit ihrer eigenen Lebendigkeit den Trouble im Eingangsbereich, andere Werke gingen dabei jedoch etwas verloren. Die Kojen rundum reihten sich klassisch und wurden durch die umliegende barocke Architektur kontrastreich in ihrer Wirkung unterstützt. Es fehlen keine großen Namen– ob Maria Lassnig oder Erwin Wurm, Markus Prachensky ist gar zahlreich vertreten.

Die Vorzüge des neuen Standortes bestachen am deutlichsten in der Intervention der Lichtkünstlerin Brigitte Kowanz, gegenübergestellt zur prunkvollen Kutsche Joseph Wenzel I. von Liechtenstein. Hier entstand ein ruhiger Dialog, inszeniert durch die Galerie Krinzinger. Auch der herrschaftliche Stiegen Aufgang wurde durch Mario Mauroner, mit Arbeiten von Alfred Haberpointner gekonnt inszeniert. Auch Jochen Höller und Stefan Wabel präsentierte die Galerie MAM. Im Skulpturengarten zeigte Mauroner, der die Art Austria als Forum junger österreichischer Kunst versteht, spielerisch einen eigens für die Art Austria angefertigten 15-Tonnen-Bagger von Markus Hofer.

Andere Winkel der Messe waren unterdessen durchaus vernachlässigbar, wie die weitangereisten Gäste Fine Art Maya San Diego, welche Skulpturen von NONOS zeigte.

Das obere Messe-Stockwerk widmete man dem Kunsthandel. Hier mischten sich hochwertige Arbeiten mit ungünstig gehängten Ausreißern. Höhepunkt der eng gestellten oberen Fläche waren deutlich die ruhigen Skulpturen, unter anderem von Bruno Walpoth (siehe PARNASS 1/2017), und Lichtarbeiten von Judith P. Fischer bei Straihammer & Seidenschwann.

Emerging Artists

Qualitativ hochwertig präsentierte sich überraschender Weise jener Teil der Messe, der sich aus der gegebenen Architektur des Palais ausgliederte – die sogenannte "Halle". Ein Zelt welches im Innenhof der unteren Ebene aufgestellt wurde und vor allem der jüngeren, "emerging Szene" Raum bot. Denn das soll eine Messe, ist sich Wolfgang Pelz sicher, "das neueste der Künstler zeigen und neue Werke bringen."

So präsentiert dort die Galerie 3 / flux 23 die beobachtenswerten jungen Künstlerinnen Linda Berger, die bereits 2015 von PARNASS auf der art&antique vorgestellt wurde, Karen Elliot, Annemarie Arzberger und Eva Legat, die nun nach ihrem Erfolg auf der Art Vienna frisch produzierte, "fast noch feuchte" Arbeiten nachlieferte.

Lisa Kandlhofer beeindruckte unter anderem mit Alina Kunitsyna, Wolfgang Grinschgl und Julia Faber während sich die Galerie Thoman mit hochwertigen Arbeiten ungewohnt reduziert zeigte.

Christa Armann stellte ihren Stand Giesela Stiegler zur Verfügung, gemeinsam mit den Künstlern Michael Horsk und Hervé Massard gestaltete sie die Koje der Galerie Ruberl sehr ansprechend. Auch die Galerie Johannes Faber, präsent mit Irene Andessners Foto-Serien, nützte den Raum nebenan gekonnt. Birgit Fraisls Galerie artdepot (vorgestellt im Kunst- und Kulturraum Tirol, PARNASS 1/2017) zeigte parallel einen runden Querschnitt durch ihr vielfältiges Programm und stellte relevante Gegenwartskünstler, wie Nora Schöpfer, Michael Kos und Wilhelm Scheruebl, vor.

Ausblick 2018

Im kommenden Jahr will man nicht nur terminlich weiter in den Sommer rücken, sondern das Prinzip Qualität vor Quantität deutlicher fokussieren, etwa 40 Aussteller sollen es werden, mehr als genug.

Art Vienna

34 Aussteller präsentierten sich im Februar auf der Art Vienna bei rund 15.000 Besuchern. "Wir sind glücklich über den sehr gelungenen Start der ART VIENNA", freut sich Messe-Veranstalterin Alexandra Graski-Hoffmann: "Vor allem der starke Fokus auch auf internationale Zeitgenössische Kunst hat sich als großes Plus erwiesen, der in Zukunft noch stärker ausgebaut werden soll."

Damit ist ergänzende Faktor der beiden Messen deutlich – das internationale gegenübergestellt dem nationalen. Beide Veranstaltungen stoßen auf breites Interesse und könnten sich mit dieser Basis im nächsten Jahr das Selbstbewusstsein leisten stärker auszuwählen und kuratorisch einzugreifen. Die "Messewürdigkeit" zu prüfen und dann zuzusehen, dass die Stände nicht zu willkürlich und sammelwütig aneinanderreihen was gemeint wird an Namen bieten zu müssen. Ein stellenweise chaotischer Zustand der vor allem im Leopold Museum negativ auffiel. Große Namen und starke Newcomer brauchen auch ausgedehnte Aufmerksamkeit und entsprechenden Raum zur Entfaltung. 

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