Andromède von Auguste Rodin | ARTCURIAL

27.04.17

Andromède von Auguste Rodin | ARTCURIAL

Es ist die erste öffentliche Ausstellung der 1887 von Auguste Rodin geformten Andromède. Seit dem 19. Jahrhundert war die zarte mythologische Figur aus Marmor im Privatbesitz derselben Familie. Sie ist eine von fünf Versionen dieses Themas bei Rodin, drei davon befinden sich heute in Museen in Paris, Philadelphia und Buenos Aires. Doch keine andere ist so weit ausgearbeitet wie die vorliegende, schwärmt Bruno Jaubert von Artcurial der die Figur in Madrid entdeckte. Ihre Geschichte ist auch die der Familie der Besitzer.

1888 beauftragte der chilenische Diplomat Carlos Morla Auguste Rodin eine Marmorbüste seiner jungen Frau Luisa anzufertigen. Die Skulptur wurde beim jährlichen Salon National des Beaux-Arts in Paris ausgestellt, bewundert und ausgezeichnet und schließlich in einer freundschaftlichen Geste seines Besitzers dem französischen Staat geschenkt, der sie noch heute im Musée d’Orsay ausstellt. Rodin bedankte sich für diese Geste mit einem Geschenk – seiner Skulptur Andromède. Einer sensiblen, zeitlosen Darstellung von Jugend, Anmut und der Melancholie des antiken Dramas. Die Schwere des Lebens verbunden mit der Leichtigkeit der Form.

An den Felsen gefesselt um dem Seeungeheuer Ketos geopfert zu werden, erwartet die junge Frau, Tochter der Kassiopeia ihr Schicksal. Um die Hybris ihrer Mutter zu strafen, die sich für schöner als die Nereiden gehalten hatte, schickt Poseidon das Ungeheuer sowie eine Flut. Perseus wird es jedoch besiegen und Andromeda befreien und heiraten.

Das oft rezipierte kunsthistorische Motiv zeigt Andromeda zumeist aufrecht, den Rücken an der Felswand, die Hände in Ketten. Rodins Figur ist weniger kämpferisch, nicht Sturm und Drang zeichnen sie, sondern zurückhaltende Opferbereitschaft und Reflexion. Sie scheint sich ihrem Schicksal und ihren Gedanken still hinzugeben.

Diese Stille springt augenblicklich auf den Betrachter der Skulptur über. Eine stille Traurigkeit und wortlose, klassische Schönheit der menschlichen Form, abstrahiert durch die Hand eines Meisters, offenbaren sich seinem Blick. Zweifelsohne handelt es sich um ein Meisterwerk von großer ästhetischer Raffinesse und grenzenloser, befreiter Bewunderung der gefesselten weiblichen Silhouette. 

Ausstellung Wien: 27. und 28. April 2017
Auktion: 30 Mai 2017, Paris

www.artcurial.com

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