25 Jahre Galerie Slavik in Wien

27.10.16
Bruno Martinazzi, Brosche Engel, Gold

Es war ein Aufbruch ins Unbekannte, als Renate Slavik vor 25 Jahren ihre Galerie in der Wiener Himmelpfortgasse gründete. Ganz nach ihrem Geschmack, denn Stillstand oder Routine passen nicht zu ihrer energetischen Persönlichkeit. Nach Jahren des Handels mit Antiquitäten war es an der Zeit, sich der Gegenwart zuzuwenden und vor allem ein neues Gebiet zu erobern. Beeindruckt von der Pionierarbeit Inge Asenbaums ab 1972 in der Galerie am Graben und mit Beistand deren ehemaliger Mitarbeiterin Guggi Zykan war es die zeitgenössische Schmuckkunst, die lockte. Die Lust an der Materialität, die Verbindung aus Kleinskulptur und Tragbarkeit, die Brüche mit Traditionen und wohl auch gerade das Bewusstsein, damit ganz neue Wege der Kunst zu fördern und bekannt zu machen, begleiteten den Start.

Mit Ausstellungen im monatlichen Wechsel wurden die Galerie und ihr bemerkenswertes Interieur bespielt. Eine internationale Ausrichtung war von Anfang an das Ziel Renate Slaviks, die auf Reisen in die Ateliers der Künstlerinnen und Künstler, in Schulen und Universitäten, zu Messen und Galeriekollegen ihr Wissen und Empfinden aufbaute. Der Fluss aus Suchen und Finden ist noch heute wesentlicher Impuls. Der Kreis der Galeriekünstler ist groß und niemals geschlossen. Ihnen widmet Renate Slavik in diesem Jahr des Feierns zwei Ausstellungen, begleitet von zwei Katalogen und moderierten Galeriegesprächen. Sie weiß um die unschätzbare Bedeutung der Künsterinnen und Künstler für ihren Erfolg. Man kennt einander durch die lebensnahen Wellen des Schöpfens und Entwickelns. Vor Kontrasten, Ecken, Kanten scheut sich die Galeristin nicht, und gerade hier liegt eine der Stärken des Programms. Die Linie wird von ihrem Auge für Qualität bestimmt, Ausschließlichkeit und ideologische Grenzen sind keine Leitmotive. Die Bilder von zweieinhalb Jahrzehnten Ausstellungstätigkeit könnten nicht vielfältiger sein. Man erinnert sich an die figürlichen Arbeiten aus Katalonien von Joaquim Capdevíla sowie Ramón Puig Cuyás und ihre malerische Polychromie, an die puristischen Meister Japans oder an jene beidseits der Alpen, konträr wie die Geographie ihrer Wirkungskreise, Hermann Jünger und Bruno Martinazzi. Italien liegt Renate Slavik nahe, viele der in ihrer Anfangszeit geförderten Schmuckschaffenden stehen heute unter den besten ihres Metiers, Barbara Paganin, Annamaria Zanella und Stefano Marchetti sollen beispielhaft genannt sein. Auch die innovative Bedeutung der deutschen Schmuckkunst war seit der ersten Stunde klarer Mitspieler. Zu den wichtigsten Stationen zählen München, Pforzheim, die Kunsthochschule Burg Giebichenstein, München, Hanau, Berlin, und nicht zuletzt Leipzig, wo jährlich während der Grassimesse der Grassi-Preis der Galerie Slavik ausgelobt wird.

Michael Becker, einst Schüler von Peter Skubic an der Fachhochschule Köln, stellte 1993 erstmals bei Renate Slavik aus und blieb, so auch Georg Dobler unter vielen anderen namhaften Künstlerinnen und Künstlern, deren Liste ebenso lang ist wie jener der heimischen. Österreich war seit den späten 1960er Jahren innovativer Nährboden gestalterischer Umstürze auch im Bereich der Kunst am Körper. Viele der wichtigen Beteiligten, wie Fritz Maierhofer, Helfried Kodré, Elisabeth Defner und Anna Heindl haben den Weg der Galeristin begleitet. Zu den großen Verdiensten Renate Slaviks, die seit vielen Jahren von Jutta Pietsch kompetent unterstützt wird, gehört das unerschütterliche Vertrauen in die ansteckende Wirkung der eigenen Leidenschaft. Persönlich und authentisch zu bleiben ist sicherlich ihr Erfolgsrezept, kein Metier könnte dazu wohl besser passen als die wunderbar eigensinnige Schmuckkunst.

Ort: 

Kategorie: