Roma Amor. Im Dialog mit einer Stadt 1953 – 2007

15.07.15

Rudolf Hradil – Roma - Amor
Ölbilder, Aquarelle, Zeichnungen, Lithographien und Radierungen

Mit Texten von Christoph Wilhelm Aigner, Jörg Garms, Marco Lodoli, Jochen Jung, Georg Hallensleben 
288 S., 23.5 x 28 cm 
gebunden mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-99014-112-0

Mehr als alle anderen Städte hat Rom den Künstler Rudolf Hradil begeistert und in den Bann gezogen. Diese Liebe wurde zwischen 1953 bis zum letzten Aufenthalt im Jahr 2007 stets wachgehalten.

Die Fläche und das grafische Lineament waren Rudolf Hradils Mittel, der Fülle an „Bestandteilen“ seiner Stadtansichten Herr zu werden. Das Romantische, das Dekorative, das Detailgetreue, die kleine intime Entdeckung waren ihm fremd: Hradil war in seiner Landschaftskunst und Stadtkunst der Kreateur eines schnellen Wurfs. Ganz so, als könnte das Gesehene schnell entschwinden und für immer verloren sein, sind seine Aquarelle, Tuschzeichnungen, aber auch die in ihrem Entstehen zeitaufwendigen Radierungen und Ölgemälde, dem Atmosphärischen des Augenblicks eigen. Hradil wandte in den Städten seinen Blick auf die Hervorbringungen des von Menschen Erdachten und Gefertigten, auf das jüngst Geschaffene wie das noch Verbliebene anderer – lange und längst zurückliegender – Generationen.

Rudolf Hradil wurde am 1. April in Salzburg geboren und verstarb vor acht Jahren am 25. Oktober 2007 in Wien. Der gebürtige Salzburger blieb lebenslang seiner Heimatstadt treu, kehrte immer wieder in sein Haus und Atelier am südlichen Stadtrand zurück. Aber es hat ihn auch in die Ferne gezogen – nach Wien zum Studium, nach Paris in die Schule von Fernand Léger, nach London, New York, Berlin, Neapel, Venedig, in die Toskana und nach Rom – immer wieder Rom. Die ewige Stadt mit ihren Lunaparks, den römischen Relikten, ihrem Verkehrschaos und den Sehenswürdigkeiten, den Randzonen und den Zentren, der Schönheit ihrer Lage und dem Hässlichen, das eine Großstadt zwischen Prunkbauten und repräsentativer Grandezza auch birgt. Hradil hat das Schöne wie das Hässliche in seiner Malerei und Zeichnung eingefangen.

Das neueste Buch „Roma Amor. Im Dialog mit einer Stadt 1953 – 2007“, herausgegeben von seiner Witwe Gundl Hradil und im Verlag Müry Salzmann erschienen, ist ausschließlich der Stadt Rom gewidmet. Der 280 Seiten umfassende Band, der rund 220 Rom-Werke wie auch Textbeiträge von ihm nahe gestandenen Personen umfasst, zeigt, dass Rudolf Hradil zu Rom eine besondere Nähe fand. Liebe, Nähe, aber auch Zurückhaltung in der Anteilnahme, Innehalten – Hradil machte in seinem Werk stets gewahr, dass auch in lauten, überbordenden Szenerien das Vergängliche steckt. Ohne Pathos, mit Zartheit zeigte er in allem, was er zeichnete und malte einen Prozess des Welkens auf – wie oft stehen seine Häuser schief, die dem gleichen Schicksal wie die Säulen und Architrave der Tempel im Forum Romanum unterliegen werden. Wie oft schwingen sich Kabel und Drähte durch die Luft, nicht straff gespannt, sondern durchhängend – auch sie vom Altertum der ewigen Stadt bereits infiziert. Mehr noch als die Relikte der Antike scheint das Neue, Gegenwärtige vergänglich, baufällig, marod. Erst in Rom begann Hradil zu aquarellieren. Selbst diese Technik, in der das Fließen und ineinander sich Fügen vorherrscht, wird von Hradil genutzt, um grafische Elemente einzusetzen, um der Flächigkeit von Bauwerken und Bäumen, das Lineament von Drähten, Röhren, Masten gegenüberzustellen. „Malen ist für mich nicht Abmalen nach der Natur, sondern das Gestalten einer persönlichen und fantastischen Welt, die sich aus Farbflecken, Linien, Punkten zusammensetzt. Das Naturerlebnis dient nur als Anreiz. Sobald die Pinselspitze das Blatt Papier berührt, beginnt ein abstrakter Arbeitsprozess, eine Gedankenarbeit, die sich mit Farbflecken, Formen und Valeurs beschäftigt“, schrieb Hradil. Er hatte eine Vorliebe für milchige, leicht graue und leicht trübe Farbtöne, Ocker, Umbra – alles Erdige – wurde bevorzugt, starke Kontraste vermieden. Auch im Kolorit und in den Valeurs wird der offene Prozess von Wachsen und Welken deutlich.

Eine Vielzahl von Hradils Rom-Motiven ist bis Mitte Juli 2015 in der Galerie Welz in Salzburg zu einer beeindruckenden Ausstellung vereint: In ihr wird sowohl die – für den Künstler so typisch gewordene – Sicht auf überaus bekannte Stadtmotive mit Hradils „chaotischem“ Beiwerk an Leitungsnetzen, Verkehrsgetümmel, Straßenschildern, als auch sein unverkennbarer Umgang mit der Radierung, dem Aquarell und dem Ölbild in blasser, verschleierter Farbigkeit evident.

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