Original Meisterfälscher

13.01.16

Original Meisterfälscher Ego, Geld & Größenwahn
Noah Charney
Brandstätter Verlag, 2015
Hardcover, 296 Seiten
ISBN 978-3-85033-921-6 € 29,90

Auf den Spuren von Geschick und Missgeschick berühmter Meisterfälscher von der Antike bis zur Gegenwart
 

Die Geschichte der Kunstfälschung ist so alt wie der Kunsthandel selbst. Seit Anbeginn wurde kopiert, falsch zugeschrieben oder gefälscht. „Wehe Dir, Betrüger und Dieb von fremder Arbeitsleistung und Einfällen, lass es Dir nicht einfallen, deine dreisten Hände an diese Werke anzulegen!“, schrieb bereits Albrecht Dürer im Jahr 1511. Die Motive sind meist immer dieselben: Genie, Stolz, Rache, Ruhm, Kriminalität, Opportunismus, Geld und Macht.
Besonders in der heutigen Zeit sind Meldungen über Kunstfälscher eine wahre Sensation. Denken wir an Wolfgang Beltracchi, der über Jahre hinweg Bilder im Stil von Heinrich Campendonk oder Max Ernsts malte und damit Gewinne in Millionenhöhe erzielte und gleich nach seiner Freilassung am 9.1.2015 wieder für Furore sorgte. Oder Robert Driessen, der mehr als 1000 Giacometti-Skulpturen gefälscht hatte und in diesem Jahr zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde. Doch was steckt dahinter? Was geht im Kopf des Fälschers vor und warum faszinieren Fälschungen auch heute noch?
Noah Charney, Kunsthistoriker und Gründer von ARCA, die Association for Research into Crime against Art, eine Nonprofit-Gruppe, die sich international auf wissenschaftlicher Basis mit Kunstkriminalität befasst, schildert in seinem Buch, wie es solchen Kunstfälschern gelingt die Kunstwelt nach Strich und Faden zu betrügen. Der Autor beschreibt den Fall, die Tricks der Betrüger und wie ihnen letztendlich doch das Handwerk gelegt werden konnte, sei es nun anhand von Detektivarbeit, forensischen Untersuchungen oder einfach nur purem Zufall.

In acht faszinierenden Kapiteln, die sich auf die Motive der Täter konzentrieren, nimmt der Autor Bezug auf reale Kriminalgeschichten.

Das Kapitel „Genie“ handelt von bekannten Künstlern, die fälschten, um sich selbst zu schmeicheln. Dazu zählt – und ja, das ist jetzt kein Scherz – Michelangelo Buonarroti, der antike römische Marmorskulpturen erschuf und sie als solche auch verkaufte.

„Stolz“ ist eine wichtige Antriebskraft für bewusst falsche Zuschreibungen, besonders wenn daran gelegen ist, ein Werk als wertvolles Original zu identifizieren. Eine Reihe solcher Fälle wird in diesem Kapitel beleuchtet, darunter den Fall der „La Belle Ferronnière“ von Leonardo da Vinci.

Auch „Rache“ ist in der Kunstwelt ein weit verbreitetes Motiv. Ein Werk wird geschaffen um Spezialisten in die Irre zu führen, so dass diese nicht mehr in der Lage sind die Fälschung zu erkennen. So auch der britische Maler Tom Keating (1917-1984), der nicht einfach nur Fälschungen erschuf, sondern in diesen subtile Hinweise versteckte, die gezielt auf den Betrug hinwiesen, aus Protest gegen einen Kunstmarkt, der seiner Meinung nach Profit auf Kosten der Künstler machte.

Für manch andere Fälscher war es der „Ruhm“, der dazu geführt hatte, sich zu Erkennen zu geben. Darunter der Amerikaner Ken Perenyi, der zwar Gemälde des 18. und 19. Jahrhunderts keiner besonders berühmten Künstler erschuf, doch damit ein Vermögen verdiente. Hätte er nicht selbst davon erzählt, wüsste heute niemand von seiner Karriere als Fälscher.

Im Kapitel „Kriminalität“ werden einige Fälle präsentiert, in denen sich kriminelle Gruppierungen über einen längeren Zeitraum der Kunstfälschung bedienten. Darunter die bekannte „Beltracchi-Methode“ oder der tiefe Fall der altehrwürdigen Galerie Knoedler in New York, die nach fast 170 Jahren schließen musste, weil sie mit Fälschungen in Millionenhöhe handelte.

Oft war es aber auch der Einfluss anderer, der Künstler zu Fälschern machte. So auch im folgenden Abschnitt, wo der Erfolg von Fälschern ihrem „Opportunismus“ zu verdanken ist. Ein gutes Beispiel dafür war das Gespann John Myatt und John Drewe, die nicht nur „neue“ Arbeiten im Stil eines bekannten Künstlers kopierten, sondern auch passende Provenienzangaben konstruierten.

Über Fälscher, die nichts beweisen wollten, sondern einfach nur „Geld“ verdienen wollten, wird ebenso berichtet wie die, die nach „Macht“ strebten. So gibt es u.a. Fälschungen, die die Geschichte völlig verändern konnten, wie zum Beispiel die allseits bekannte Konstantinische Schenkung (angeblich 4. Jh), die dafür sorgte, dass der römisch-katholischen Kirche die gesamte Westhälfte des Römischen Reichs übertrugen wurde.

Wie dem auch sei. Die breite Mehrheit zeigt generell eine gewisse Nachsicht mit Fälschern, da diese weder Opfer fordert und überwiegend vermögenden Menschen schadet. Charmant, raffiniert, kriminell. Die Fälscher verstehen es den Kunstmarkt zu täuschen und das seit Jahrhunderten, doch letzten Endes ist es immer der Käufer, der den Markt für Fälscher bereitet. „Der Wert von Kunst ist an ihre Echtheit gebunden – oder wenigstens an eine Vorstellung davon“, schreibt Noah Charney. Und mag damit Recht behalten.