Monika Fioreschy – Interwoven Energy

15.01.15

Monika Fioreschy – Interwoven Energy

Herausgegeben von Friedhelm Mennekes

Edition Jürgen B. Tesch

Hirmer Verlag GmbH, München, 2014

Deutsch / Englisch

Hardcover 136 Seiten

ISBN 978-3-7774-2243-5

 

 

 

 

Weltgewebe von Monika Fioreschy

Ein Ausdruck von Joseph Beuys war es, der Monika Fioreschys neuem Buch den Titel lieferte: Beuys sprach vom „web of interwoven energy“, einem Netz von mit- und ineinander verwobener Energien. Gemeinsame Gespräche und eigene Reflexionen hat Friedhelm Mennekes als Herausgeber des bei Hirmer erschienenen Buches mit Abbildungen von Werken, die zwischen 1992 und 2013 entstanden sind, vereint.

Wolle und damit den Gobelin hat die Künstlerin seit den frühen 1990er-Jahren hinter sich gelassen. Silikonschläuche aus dem Medizinbereich sind das Material, aus dem seither sehr differente Werkgruppen entstanden sind. Zeitlich beginnt der Bildband mit der Arbeit „White with Red“, Fioreschys erstem Transfusionsbild, aus dem nachfolgend ihr großes Thema, die „Transfusion“ entstehen sollte. Es geht um Flüssigkeitsübertragung, um den Transport von Substanzen, die in sich keinen Halt haben. Fioreschy versteht ihre künstlerische Arbeit als einen Prozess des Übergangs, die materielle Struktur und die mechanische Arbeit weisen über das Greifbare hinaus. Das lateinische „trans“ – seine Bedeutung eines Hindurch, Hinüber, auch sein zeitliches Vorüber – nimmt Position im Denken der Künstlerin ein. Fioreschy hat – nur wenige Jahre – mit Tierblut gearbeitet, indem sie dieses in die verwobenen Schläuche injizierte. Diesen Lebenssaft tauschte sie wenig später durch Pflanzensäfte aus. Wie Blut zersetzte sich auch das Chlorophyll, verblasste, veränderte seine Farbe, ein Vorgang innerhalb der dauerhaften künstlich geschaffenen „Adern“, der die Künstlerin faszinierte. Weben, dieser archaische und mit Mythen besetzte handwerkliche Prozess, ist ein Vorgang, der sich in einem gleichmäßigen, zeitintensiven Tun ereignet – und der sich technisch auch bei Fioreschy in ihrer radikalen Abkehr von tradiertem Material nicht wesentlich verändert hat: Weben ist ein Aufeinandertreffen von Kette und Schuss in einem Fadenkreuz. Die als Schuss verwendeten Silikonschläuche, in ihren verschiedenen Stärken, in ihrer Transparenz durchscheinend, mit Flüssigkeiten gefüllt, oder aber auch äußerlich bemalt, hat Fioreschy als den dynamischen Teil eines Weltgewebes interpretiert. Manchmal sind die gewebten Schläuche in Boxen aus Acrylglas montiert, andere Gewebe wurden aufgeschlitzt – verwundet – und haben so einen augenfälligen Bezug zur Verwundbarkeit des Lebensfadens gezeigt.

Pater Friedhelm Mennekes hat hinter der ästhetischen Oberfläche dieser Webgebilde das Durchdringen und Durchstoßen zu einer inneren Realität vorgefunden, die subtil zum Vorschein drängt. Fioreschys Werke verdeutlichen das Prozesshafte – statt einer endgültigen Form und Erscheinung ist der Prozess der Transformation entscheidend. Fioreschy geht es um die Thematisierung und Darstellung von Übergangs- und Wandlungsprozessen.

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