MALPRACTICE TOMAK

16.12.15

TOMAK - MALPRATICE
Verlag für Moderne Kunst
Designer • Alek Karwka, urschler+urschler
Text • TOMAK, Roman Grabner, Elsy Lahner, Yoab Vera, Florian Rist, Daniel Lippitsch
Details • Hardcover, 30 x 22 cm, 258 Seiten
ISBN • 978-3-903004-35-1
www.vfmk.org/de/shop/tomak-2/

„Ein Engel unter Schweinen. Sie haben mich am Ende mit ihrem Stumpfsinn dahin gebracht, wo ich heute bin - weg, unter falschem Namen, damit sie mich nicht finden.“

Textauszug aus dem Buch T. R. A. F. O. -The Rise and Fall of Tomaque Deville

Auf dem Cover des kürzlich publizierten Kataloges MALPRACTICE von TOMAK ist die Collage eines Porträts abgebildet. Das zentral platzierte Foto wurde von anderen Bildelementen überlagert, bis der Betrachter nichts mehr als den Mund und die Nase sieht - und zuordnet. Denn wer TOMAK je getroffen hat, der erkennt sofort seine markanten Gesichtszüge. Und das obwohl die Augenpartie und die Kopfform selbst wie von einem schwarzen Helm völlig verdeckt wurden. Aus eben diesem Dunkel tritt ein Auge hervor - etwas zu weit links platziert und auch zu groß, schaut es den Betrachter direkt an und erinnert fast schon an die unzähligen Vorstellungen von Aliens, die sich seit Jahrzehnten in unseren Köpfen verankert haben. Doch auch dieses Auge gehört TOMAK. Selbst wenn sich die Identität dieses Porträts nicht auf den ersten Blick für Jeden entschlüsseln lässt: ein jedes Stück dieser Collage ist ein (Körper)-Teil von TOMAK und damit in der Betrachtung des Einzelnen ein Stück Geschichte. Die Erinnerung und Realität, die jedem Stück eingeschrieben ist, verändert sich jedoch durch ihre Zersetzung und die neue Zusammenfügung. Überlagerungen, das Stören und Zerstören sind wesentliche Mittel und Werkzeuge für TOMAK. Der 50-teilige Werkzyklus T. R. A. F. O., aus dem das Cover-Bild entnommen wurde, wird damit zu einer fiktiven Autobiografie vom Kind zum Erwachsenen.

Ebenso fiktiv erscheint der Name von TOMAK. Die fünf Großbuchstaben haben sich in den vergangenen Jahren zu einer Art Kampfansage entwickelt, denn TOMAK ist nicht „bloß“ Künstler: Er ist eine Kunstfigur, eine Marke und eine Inszenierung. Er polarisiert und macht die Provokation zu seinem Programm.

„TOMAK macht es uns nicht gerade einfach, ihn zu verstehen, ihn einzuordnen, ihn zu mögen. Er sperrt sich beinahe dagegen. Seine Werke sind faszinierend und rätselhaft, gleichzeitig aber befremdlich bis abstoßend. Sie überraschen in ihrer unglaublichen Präzision und Dichte, überfrachten uns jedoch mit einer Fülle an Information. TOMAK stellt einzelne Elemente in einen komplexen Kontext, den es erst zu entschlüsseln gilt, und scheint es fast zu genießen, uns im Dunkeln tappen zu sehen. Begriffe und Phrasen streut er als Reiz- und Schlagworte ein und legt es darauf an, missinterpretiert und falsch ausgelegt zu werden. Er bildet Dinge ab, mit denen er den Eindruck erweckt, damit bewusst provozieren zu wollen […] Bei alldem stellt sich die Frage, wer dieser TOMAK eigentlich ist: tatsächlich der Künstler selbst, sein Alter Ego, ein Mr. Hyde oder eine reine Fantasiegestalt. Was steckt hinter dieser Fassade?“ (Elsy Lahner)

Eine Kampfansage ist auch sein neuer, 258 Seiten starker, zweisprachiger Katalog, der kürzlich im Verlag für Moderne Kunst erschienen ist. Ein Schwergewicht, das so manch einen Kunsthistoriker, -kritiker, Sammler, Kurator oder Galeristen überraschte, als es eines Morgens im Briefkasten lag. TOMAK hat keine Kosten und Mühen gescheut, um mit MALPRACTICE einen Rückblick auf seine Malerei der letzten drei Jahre zu ermöglichen. TOMAK - oder wie er auch gern genannt wird ‚Der Posterboy of Antikunst‘ - hat für den Katalog Texte und Interviews von Elsy Lahner, Roman Grabner, Yoab Vera, Florian Rist und Daniel Lippitsch ausgewählt. Eine gute Entscheidung, denn die fundierten Texte und Gespräche geben tieferen Einblick in das Mysterium TOMAK, arbeiten seine Werke kunsthistorisch auf und lassen hinter die Fassade blicken.

MALPRACTICE, wie Roman Grabner - Leiter vom Bruseum in Graz - in seinem gleichnamigen Text erläutert, lässt sich dabei als Fehlverhalten oder Kunstfehler übersetzen. Kunstfehler meint in diesem Zusammenhang, dass die Werke „offensichtlich nicht den lege artis entsprechen. Wie auch immer diese aussehen mögen“, so Grabner. Denn TOMAK ist vor allem eines: dagegen. Gegen das Gleichförmige, gegen das, was die bürgerliche Gesellschaft diktiert, gegen die Konventionen und Eintönigkeiten des Kunstsystems.

Passend also, dass TOMAK die zum Katalog korrespondierende Ausstellung im 500m2 Offspace von Lisa Kandlhofer in der Brucknerstrasse 4 im 4. Wiener Gemeindebezirk präsentiert. Die riesige nicht-renovierte Souterrain-Architektur, in die das Licht durch eine alte Glasdecke eindringt, wurde mittels von großen Baustrahler mehr oder weniger gut ausgeleuchtet - damit ist dieser Raum alles andere als „gelackt“ und dennoch imposant. TOMAK hat jeden Quadratmeter genutzt, um die Vielzahl seiner Werke - ein Großteil wurde erst in diesem Jahr produziert - zu präsentieren. Unterschiedliche Serien - wie ‚T. R. A. F. O.‘ und TOMAK & die Waldorf Astoria - werden gezeigt. Ebenso wie unterschiedliche Formate, Malereien, Installationen und Skulpturen. Die Ausstellung endet mit der Weihnachtsfeier der Galerie Lisabird Contemporary, die mit der Ausstellung diesen Raum erstmalig nutzte, am 17. Dezember 2015. Wir dürfen gespannt sein, was uns künftig in diesen Räumen erwartet.

Das Video zur Ausstellung findet man unter:
https://www.youtube.com/watch?v=w2U8OvJ12mU
Video © Kristina Kulakova

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