Joseph Anton Koch Ferdinandeum – Sucher nach dem verlorenen Arkadien

11.11.14

Joseph Anton Koch. Der erste Nazarenzer?

Tiroler Landesmuseum (Hg.)
Mit Texten von: Helena Perena, Agnes Thum, Peter Prange,
Cornelia Reiter, Roland Sila
Grafik: Irene Daz, 
Hardcover, 232 Seiten,
Haymon-Verlag 2014
ISBN 978-3-7099-7161-1
€ 24,90

Bis 11. Jänner 2015 läuft im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum die Ausstellung Joseph Anton Koch – Der erste Nazarener? „Überleben“ wird das Buch die Schau. Das bisher unbekannte Blicke auf den tirolischen Deutschrömer bzw. die Zeit des Vormärz wirft. Indem der Leser etwa im O-Ton von den heftigen Kontroversen erfährt, die sich anlässlich des geplanten Ankaufs von Kochs „Landsturm“ im neu gegründeten „Tirolischen Nationalmuseum“ entfachten. Wobei letztlich die katholisch-konservativen Kreise in dem eigentlich als liberales bürgerliches Projekt angelegten Museum siegten. Dass es Joseph Anton Koch in Tirol generell nicht leicht hatte, zeigt sich auch an der Kritik an seinem stattdessen angekauften Bild „Ruth und Boas“. Dem Künstler wird in zeitgenössischen Dokumenten zwar „sichtbarer Fleiß“ attestiert, allerdings auch ein „der Natur ganz widerstrebendes Finito“.

Lese- bzw. Verständnisstoff ganz anderer Art liefert das Kapitel, in dem es um Kochs „Suche nach dem verlorenen Arkadien“ geht. Um die Mittelaltersehnsucht des Künstlers, sein Sehnen nach dem paradiesischen Urzustand des Lebens, sein Faible für religiöse Sujets, die er mit den Nazarenern teilt, ohne formal ein solcher zu sein. Blieb deren idealisierende Sichtweise dem „derben Kraftmensch“ Koch doch lebenslang fremd. Während die Nazarener ihn als ihren großen Ideengeber betrachteten, wie in einem eigenen Kapitel ausgeführt ist.

Ein anderes ist den religiösen Landschaften Kochs gewidmet. Dem Zusammenspiel von Figur und Landschaft, was diese Gemälde zu reizvollen Zwittern aus Sakralem und Profanem macht. Eines von Kochs Lebensthemen war Dantes „Divina Commedia“. Aus den Jahren 1801/2 stammen die ersten erhaltenen Studien, ihren Höhepunkt fand seine Auseinandersetzung mit dem monumentalen Epos in den vier großen Wandbildern im römischen Casino Massimo.

Wie Joseph Anton Koch „tickt“ erschließt sich allerdings am besten aus seinen Briefen. Die alle in dem Katalogbuch abgedruckt bzw. transkribiert sind. Genauso wichtig wie die Texte sind natürlich die Bilder in dem Buch, die Koch’schen Werke quer durch sein Oeuvre, gegenübergestellt ähnlichen von Nazarenern, die eindeutig klar machen, dass Koch kein Nazarener war.

Tiroler Landesmuseum (Hrsg.). Joseph Anton Koch. Der erste Nazarener?. 232 Seiten, Haymon-Verlag 2014, 24.90 Euro.