Freie Blicke. Christoph Brech fotografiert die Vatikanischen Museen

21.08.15
Freie Blicke: Christoph Brech fotografiert die Vatikanischen Museen 

Drei Jahre durfte der Künstler Christoph Brech in den Vatikanischen Museen fotografieren. Immer dann, wenn die Besucher gegangen waren. Die Idee stammt von Papst Benedikt XVI., der mit dieser ungewöhnlichen Geste den Dialog zwischen Kirche und Kunst befördern wollte. Der nun vorliegende Bildband ist kein Kunstführer zu den Schätzen dieser Museen, sondern viel mehr eine Hommage an diese auf der Erde einmalige kulturelle Institution, die unter dem Patronat der Päpste seit dem 16. Jahrhundert heranwuchs und auch heute noch ständig erweitert wird. Ein Band für Liebhaber und Kenner und eher nicht für „... die Horden, die heute durch die Museen ziehen...“. Eine etwas unvorsichtig grobe Formulierung in dem ansonsten klugen Einführungsessay von Arnold Nesselrath. Aber der Vizedirektor der Vatikanischen Museen weiss wohl nur zu gut, wovon er schreibt.

Und wir sehen, welches Privileg Christoph Brech zugestanden wurde. Das letzte Foto in dem Buch ist ein ironischer Hinweis auf die „normale“ Situation in den Sälen und Galerien: Besucher fotografieren eines der berühmtesten Werke der Sammlung, die antike Laokoongruppe. Hauptsache, das Handy hat was gesehen. Der Fotograf setzt mit seinen Aufnahmen dem zeitgenössischen flüchtigen Handyblick das langsame Hinschauen entgegen. Und macht dabei oft überraschende Entdeckungen.

Als Ouvertüre zeigt das Buch Außenaufnahmen von der Peterskirche in Rom, dem größten Gotteshaus der Christenheit, das mit Namen wie Bramante, Raffael, Michelangelo glänzt. Diese respektvolle Annäherung an die Vatikanischen Museen ­– in der Nachbarschaft der großartigen Petersdomkuppel – setzt ein Zeichen für die spezielle Aura dieser Sammlung, die Christoph Brech mit einem ganz eigenen, fast wie privat wirkendem Blick eingefangen hat.  

Der Fotograf hat sich erfreulich ungescheut auf den schier endlosen, unerschöpflichen Weg durch die Museumssäle unter dem Dach des Vatikan begeben. Er dekliniert mit seinen Aufnahmen nicht das ABC der großen Künstlernamen durch, die hier versammelt sind. Sein Blick gilt oft dem Detail, das unter dem Eindruck der allgemeinen Großartigkeit gern übersehen wird. In einem in Weichzeichner-Manier festgehaltenen Raum ragt zum Beispiel hinter einer Säule eine rechte Hand hervor. Was man zunächst für die vorwitzige Rechte eines Besuchers hält, entpuppt sich in der Bildlegende als lebhaft gestaltete Hand einer Marmorstatue des römischen Kaisers Titus. Eine Treppenanlage im Schwarz-Weiß, deren Stufen mit schönstem poetischen Minimalismus in Licht und Schatten erscheinen, lassen sich als „Scala Simonetti“ ergooglen, auf der man seit dem 18. Jahrhundert das Ägyptische Museum des Vatikans erreicht.   

Und der Fußboden der Sixtinischen Kapelle erscheint auf einer Doppelseite wie ein grandioses Bild aus den frühen Jahren der Moderne des 20. Jahrhunderts, als die Abstraktion gefeiert wurde wie eine Neuerfindung der Kunst. Ergänzt werden diese sehr persönlichen Aufnahmen durch historische Fotos, die dem impressionistischem Blick Christoph Brechs eine reizvolle kühle Dokumentation entgegensetzen. 

Autor: