40|10. 40 Jahre Sammlung – 10 Jahre Museum Frieder Burda

23.09.14

40|10. 40 Jahre Sammlung – 10 Jahre Museum Frieder Burda

 

Götz Adriani, Hans-Joachim Müller, Stiftung Frieder Burda (Hg.)

Texte von: Götz Adriani, Judith Irrgang, Anke Kugelmann, Hans- Joachim Müller, Wolfgang Pehnt, Katrin Schwarz, Gestaltung von Andreas Platzgummer

Hatje Cantz Verlag / Ostfildern, 2014

Deutsch

Hardcover, 336 Seiten, 240 Abb.

ISBN 978-3-7757-3906-1

Ein doppeltes Jubiläum  
 

Die Sammlung Frieder Burda wird 40, das Museum 10 Jahre alt und feiert das mit einer Ausstellung und einem neuen Katalog.

Ein rotes Bild, auf dem es außer drei Schlitzen nichts zu sehen gab, fiel 1967 Frieder Burda auf der documenta 4 auf und ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. Er kaufte es im Jahr darauf. Noch war der Sohn des Offenburger Verlegerpaares Franz und Aenne Burda kein Sammler und kannte auch den damals schon berühmten Maler Lucio Fontana, den Schöpfer des Bildes, nicht. Aber er spürte intuitiv, dass sich hier ein neuer Raum für die Kunst auftat. Im ersten zur Museumseröffnung erschienenen Katalog war dieser „Concetto spaziale, Attese“, wie der Titel des Bildes lautete, hingegen nicht erwähnt. Im Rückblick erscheint das unverständlich, war aber letztendlich konsequent, denn der Ankauf blieb zunächst folgenlos. Frieder Burda erwarb Werke von Ernst Ludwig Kirchner, Max Beckmann, Alexej von Jawlensky und August Macke, von dem er aus dem Elternhaus schon den „Märchenerzähler“ von 1912 besaß, ein leuchtend farbiges, fröhliches Bild, das sicher schon dem Knaben viel Freude bereitet hat. Im Jubiläumskatalog aber kommen Kirchner und die Expressionisten, die vor zehn Jahren den ersten Platz eingenommen haben, erst an zweiter Stelle nach Lucio Fontana. Es folgen damals wie heute die großen Amerikaner Pollock, Rothko und de Kooning und danach die Deutschen wie Baselitz und die beiden Künstler, die in Frieder Burdas Sammlung einen wichtigen Platz einnehmen: Sigmar Polke und Gerhard Richter. Letztere sind hier wirklich repräsentativ und aus allen Zeiten vertreten, während es beispielweise von Picasso nur Werke aus den 1960er- und 1970er-Jahren gibt. Der 1936 geborene Frieder Burda hat zwar schon relativ früh Kunst gekauft, aber als Sammler begreift er sich erst seit 40 Jahren. Deshalb feiert er jetzt auch das Doppeljubiläum „40/10. 40 Jahre Sammlung – 10 Jahre Museum“ mit einer großen Ausstellung und dem neuen Katalog.

Allerdings gleichen sich die beiden Kataloge in großen Partien, auch wenn Hans Joachim Müller zu einzelnen Bilder oder Gruppen neue Begleittexte geschrieben hat. Das Neue beginnt im Jubiläumskatalog mit der aktuellen Kunst, in der es viele allzu bekannte Namen gibt wie Günther Förg, Neo Rauch, Corinne Wasmuht, aber auch Gregory Crewdson und Axel Hütte, die für die noch zaghafte Öffnung der Sammlung für Fotografie stehen. Seit einiger Zeit gibt es sogar ein Werk von Bill Viola, wobei die Vorliebe des Sammlers für das Malerische und Erzählerische auch hier zu erkennen ist. Das letzte Kapitel des Katalogs bildet dann der beeindruckende Rückblick auf die Ausstellungen der letzten 10 Jahre und eine Würdigung des Baus von Richard Meier. Die Ausstellung im Museum Frieder Burda und in der benachbarten Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden läuft bis 26. Oktober 2014. 

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