Basel Abbas & Ruanne Abou-Rahme bei Kevin Space, Wien

Basel Abbas & Ruanne Abou-Rahme

KünstlerIn: Basel Abbas & Ruanne Abou-Rahme

Titel: We know what it is for / We who have used it

Datum: 13. Oktober - 10. Dezember 2017

Photografie: Courtesy Kevin Space and the artists, Photo: Peter Mochi

Press release:

Kevin Space freut sich, die erste Einzelausstellung von Basel Abbas & Ruanne Abou–Rahme in Österreich zu präsentieren. We know what it is for / We who have used it manifestiert das dritte Kapitel von And yet my mask is powerful (2016–2017).

Erst ist die Luft blau und dann ist sie noch blauer und dann grün und dann schwarz / mir wird schwarz vor Augen / und trotzdem ist meine Maske voller Kraft, sie pumpt mein Blut mit Kraft auf

Die Lichtung. Wir finden uns in Trümmern wieder, immer wieder und wieder. Eine fortwährende Krise lässt uns am ground zero hängen. Das Potenzial, die Welt, die vor wenigen Augenblicken so greifbar war, radikal neu zu erfinden, hinterlässt einen bitteren Geschmack in unseren Mündern..

Neolithische Masken aus dem Westjordanland und umliegenden Gebieten, die in privaten Sammlungen aufbewahrt werden, wurden gehackt und 3D-gedruckt. Die ältesten bekannten Masken sind 9000 Jahre in die Vergangenheit datiert und verwandeln sich nun von toten Fossilien in lebendige Materie. Ihre Kopien, schwarzen Skimasken verstörend ähnlich, zirkulieren in Palästina. Eine Gruppe Jugendlicher trägt die Masken am Rande eines zerstörten palästinensisches Dorfes in Israel. In diesem zufälligen Moment von Ritual und Mythos, werden sie zum Anderen, werden sie anonym. Sie initiieren eine Reihe von Reisen, um diese seltsam lebendigen Orten der Auslöschung und der Trümmer in Besitz zu nehmen und nahezu von ihnen besessen zu werden. Erst jetzt, im Moment der Rückkehr zum Ort der Zerstörung, ruft dieser Ort spürbar eine neue Projektion hervor; eine Projektion des Potenzial einer unrealisierten Zeit, die nicht an das Hier und Jetzt oder Dort und Dann gebunden ist.

And yet my mask is powerful konfrontiert apokalyptische Phantasien und Bilder der Gewalt, welche unsere Gegenwart beherrschen. Eine apokalyptische Vision, die sogar die Poren unserer Körper verstopft. Ausgehend von Adrienne Richs Gedicht “Diving into the wreck” fragt And yet my mask is powerful, was mit Menschen / Plätzen / Dingen / Materialien passiert, wenn eine lebendige Struktur zerstört wird. Das Projekt nutzt die Reisen der jungen Palästinenser/innen zu zerstörten Orten in palästinensischen Dörfern als eine Figur, um über die Möglichkeit nachzudenken, den Ort der Trümmer als das Material zu verwenden, aus dem die schwachen Konturen einer anderen möglichen Zeit nachzuspüren sind. Etwas Seltsames geschieht während dieser Rückbesinnungen. Die zerstörten Stätten tauchen nicht nur als Ruinen oder Traumata auf, sondern erscheinen voll unvermittelter Vitalität. Die jungen Menschen, die diese Reisen unternehmen, behandeln die Stätte als lebendigen Stoff. Man könnte sogar sagen, dass im Gewebe der Stätte unleugbares Leben steckt. Es dringt vom Boden in den Stein und zurück in jede Art der Vegetation. Hier existiert ein Schwarm nichtmenschlicher Lebenskräfte, von Insekten über wilde Dornen bis hin zu den Granatapfelbäumen, denen das lebendige Gedächtnis sowie die Geschichte des Ortes eingeschrieben sind.

Und es ist hier im lebenden Archiv der Vegetation selbst, dass der Ort lebt und atmet. Materialien werden den Orten entnommen: Pflanzen, Blumen, Steine, Spuren von menschlichen Rückständen. Weitere Gegenstände und Dinge, vor allem Werkzeuge, werden in die Arbeit verwoben und an die jeweiligen Orte zurück projiziert.

In den Schnittpunkten von Performativität und Ritual, Körper und Artefakt, Dinghaftigkeit und Virtualität beginnt And yet my mask is powerful eine Gegen-Mythologie zu den vorherrschenden Geschichten der Gegenwart zu ermöglichen. Eine Gegen-Mythologie, die unsere Vorstellungskräfte als die letzten zu besetzenden Gebiete, verteidigen möchte. Die Überlagerungen von Bildern, Texten, Klang und Objekten aktivieren verschiedene Formen von Rückblicken, Vorausblenden und Déjà-vus. Sie entfalten verdichtete Geschichten des Auslöschens und Wiederauftauchens, Enteignens und Widerstands – etwas Archaisches, das in der Gegenwart resoniert.

Basel Abbas und Ruanne Abou-Rahme wurden 1983 in Nicosia, Zypern und Boston, USA geboren, leben und arbeiten zwischen Ramallah und New York. Sie haben international ausgestellt und performt. Zu Einzelausstellungen zählen u.a. And Yet My Mask Is Powerful, Kunstverein Hamburg und Krannert Art Museum, Illinois (2018), And Yet My Mask is Powerful, Carroll / Fletcher London und Alt Bomontiada, Istanbul (2016); The Incidental Insurgents, ICA, Philadelphia, (2015).

Sie präsentierten ihre Arbeiten in zahlreichen Gruppenausstellungen wie u.a. auf der 4. Ural Industrial Biennial of Contemporary Art, Ekaterinburg (2017), Jerusalem Lives (Tahya Al Quds), Palestinian Museum, Birzeit (2017), House of Commons, Portikus, Frankfurt; This Sea Is Mine, Qalandiya International, Ramallah (beide 2016); Politischer Populismus, Kunsthalle Wien, Wien; 12. Sharjah Biennale; Lest The Two Seas Meet, Warsaw Museum Of Modern Art (alle 2015); 31. São Paulo Biennale; 10. Gwangju Biennale; Insert 2014, New Delhi (alle 2014); Asian Art Biennale (Taiwan); 13. Istanbul Biennale; Points of Departure, ICA, London (alle 2013).

2016 erhielten sie den Abraaj Group Art Preise und 2015 den Sharjah Biennale Preis. Sie waren Fellows an der Akademie der Künste der Welt, Köln (2013) und Artists in Residence der Delfina Foundation London (2009). 

 
Ausstellungsansicht, Basel Abbas & Ruanne Abou-Rahme, We know what it is for / We who have used it

Ausstellungsansicht, Basel Abbas & Ruanne Abou-Rahme, We know what it is for / We who have used it 

 
Ausstellungsansicht, Basel Abbas & Ruanne Abou-Rahme, We know what it is for / We who have used it

Ausstellungsansicht, Basel Abbas & Ruanne Abou-Rahme, We know what it is for / We who have used it 

 
Ausstellungsansicht, Basel Abbas & Ruanne Abou-Rahme, We know what it is for / We who have used it

Ausstellungsansicht, Basel Abbas & Ruanne Abou-Rahme, We know what it is for / We who have used it 

 
Ausstellungsansicht, Basel Abbas & Ruanne Abou-Rahme, We know what it is for / We who have used it

Ausstellungsansicht, Basel Abbas & Ruanne Abou-Rahme, We know what it is for / We who have used it 

 
Ausstellungsansicht, Basel Abbas & Ruanne Abou-Rahme, We know what it is for / We who have used it

Ausstellungsansicht, Basel Abbas & Ruanne Abou-Rahme, We know what it is for / We who have used it 

 
Ausstellungsansicht, Basel Abbas & Ruanne Abou-Rahme, We know what it is for / We who have used it

Ausstellungsansicht, Basel Abbas & Ruanne Abou-Rahme, We know what it is for / We who have used it 

 
Ausstellungsansicht, Basel Abbas & Ruanne Abou-Rahme, We know what it is for / We who have used it

Ausstellungsansicht, Basel Abbas & Ruanne Abou-Rahme, We know what it is for / We who have used it 

 
Ausstellungsansicht, Basel Abbas & Ruanne Abou-Rahme, We know what it is for / We who have used it

Ausstellungsansicht, Basel Abbas & Ruanne Abou-Rahme, We know what it is for / We who have used it 

 
Ausstellungsansicht, Basel Abbas & Ruanne Abou-Rahme, We know what it is for / We who have used it

Ausstellungsansicht, Basel Abbas & Ruanne Abou-Rahme, We know what it is for / We who have used it 

 
Ausstellungsansicht, Basel Abbas & Ruanne Abou-Rahme, We know what it is for / We who have used it

Basel Abbas & Ruanne Abou-Rahme, In the forest ruins, detail

 
Ausstellungsansicht, Basel Abbas & Ruanne Abou-Rahme, We know what it is for / We who have used it

Basel Abbas & Ruanne Abou-Rahme, Those pines we have come to detest, detail, Photo: Basel Abbas & Ruanne Abou-Rahme

 
Ausstellungsansicht, Basel Abbas & Ruanne Abou-Rahme, We know what it is for / We who have used it

Basel Abbas & Ruanne Abou-Rahme, Those pines we have come to detest, detail, Photo: Basel Abbas & Ruanne Abou-Rahme