Zuviel Kunst – eine Gesprächsrunde im Rahmen der PLATEAU münchen

02.11.17

Gemeinsam mit und zum Abschluss der diesjährigen PLATEAU münchen, lud PARNASS am Abend des 28. Oktober 2017 zu einem Gespräch zur Frage: Zu viel Kunst? in die Lounge des Bayrischen Hofes.

Angesichts des „Superkunstjahres 2017“ diskutierten am Podium: Heike Grossmann von der Münchner Galerie Thomas, Professor Stephan Huber von der Akademie der bildenden Künste München sowie Hans-Peter Wipplinger, Direktor des Leopold Museum, Wien und Silvie Aigner, Chefredakteurin von PARNASS.

Moderator Heinz Schütz ergänzte die Ausgangsfrage des Gesprächs gleich zu Beginn der Diskussion durch deren Umkehrung. „Wenn es zu viel davon gibt, was ist zu wenig Kunst?“, so der freie Journalist und Kunsttheoretiker. Nach einem Rückblick über die Vielzahl von Kunstevents in diesem Jahr und dem Hinweis auf das steigende Interesse einer breiten Öffentlichkeit an Gegenwartskunst, auf das florieren der (Groß-)Galerien, den Museumsboom in China, aber auch auf Nachlässe ohne Nachfrage und den Studierendenüberschuss, übergibt er die Leitfrage an die Gesprächsteilnehmenden.

Da Kunst immer eine Bildungsfunktion aufweist, kann es für Heike Grossmann grundsätzlich nicht zu viel Kunst geben. Sie betont gerade im Bezug zur PLATEAU die Wichtigkeit lokaler künstlerischer Positionen und die Diversität der Zielgruppen.

Auch für Silvie Aigner ist die Bandbreite essenziell für eine interessante und diverse Kunstszene. Alte Meister müssen nicht langweiliger sein als junge Kunst. Die Breite und Qualität des produzierten Wissens ist ausschlaggebend.

Zu wenig Kunst gab es eindeutig zur diesjährigen österreichischen Parlamentswahl, bei der Kunst „Null-Thema“ war, so Hans-Peter Wipplinger. In Bezug auf die Vielzahl an Biennalen und ein damit einhergehender Qualitätsschwund dergleichen, spricht er über die Wichtigkeit musealer, wissenschaftlicher Arbeit, um qualitativ hochwertige Ausstellungsformate zu generieren.

Angeregt durch die Statements von Stephan Huber, Kunst sei Mainstream geworden und alles würde unter einem Begriff subsummiert und nicht differenziert, bewegt sich das Gespräch im Folgenden verstärkt um Sichtbarkeit, beziehungsweise um die Frage, welche künstlerischen Positionen sichtbar (gemacht) werden. Kontrovers diskutiert wurde die Bandbreite und Diversität von Galerien und Institutionen und deren unterschiedliche Positionierung zum Kunstmarkt.

Als besonders interessant angesichts des Veranstaltungsrahmens der PLATEAU, war die, in der Diskussion erfolgte Abgrenzung einzelner lokaler künstlerischer Positionen und einer lokalen Kunstszene als solche. Gezeigt wurde so nicht zuletzt die Dringlichkeit der Zusammenarbeit von Institutionen, Galerien und Kunsträumen innerhalb eines Wirkungsraums. Anschließend an das Gespräch wurde die Diskussion in kleineren Gruppen intensiv weitergeführt. Für einen gelungenen Abend bedanken wir uns bei der Initiative Münchner Galerien zeitgenössischer Kunst, insbesondere für die Organisation bei Gudrun Spielvogel und Florence Baur.

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