Zu Gast bei Alfredo Barsuglia

20.04.15

Ein Fenster, durch das eine südkalifornische Wüstenlandschaft zu sehen ist, mehrere Türen, die man öffnen muss, um die dahinter liegenden Lebenswelten zu entdecken und  um schlussendlich bis in das Herzstück des Hauses vorzudringen: Eine Wohnküche, in der es sich der Künstler Alfredo Barsuglia gemütlich gemacht hat, und in der man noch bis 10. Mai jeden Dienstag um 20 Uhr mit ihm zu Abend essen kann.

Realität und Fiktion, aber auch Illusion sind seit vielen Jahren schon die großen Themen des 1980 in Graz geborenen Künstlers. Mit seinem letztjährigen, aufsehenerregenden Projekt des Mini-Swimmingpools in der Mojawe Wüste, der von allen, die ihn in der verlassenen Einöde finden, benutzt werden kann und auch soll, hat Barsuglia längst bewiesen, dass ihn die Interaktion mit dem Betrachter am Herzen liegt.

Unter dem Titel „Cabinet“ hat sich Barsuglia dieses Jahr mit eigener Hand inmitten des MAK eine artifizielle Welt gebaut. Ein Bühnenbild sozusagen aus Türen und Fenstern, aus Regalen und Bildern, aus Fliesen und Pflanzen, aus Licht und Geruch. Es geht um die Annäherung an einen Menschen nach Freud, um das Öffentlichmachen von Privatem, und um die Selbstverantwortung. Allen diesen Aspekten dient Barsuglias „Cabinet“. Er braucht den Besucher als Teil seines Kunstwerkes, als Hilfsmittel zur Reflektion und zum Überprüfen seiner Thesen.

Alfredo Barsuglia ist jeden Dienstag Abend Gastgeber für fünf Personen. „Ich weiß nie, wer kommt, aber ich habe noch nie alleine gegessen“, sagt er und erzählt vom dreigängigen Menü, den Weinflaschen ohne Etiketten, dem interessanten Gedankenaustausch in verschiedenen Sprachen, von Begegnungen, Annäherungen und Freundschaften, die an diesen Abenden entstehen. Die Besucher werden ein Teil des Kunstwerks.

Dem Zeitgeist möchte sich Alfredo Barsuglia entgegenstellen. Verweise auf die Unfreiheit, die uns Systeme aufzwingen und die wir oft gar nicht merken, die Ohnmacht des Einzelnen gegenüber der Globalisierung und die mangelnde Selbstverantwortung sind in der Installation allgegenwärtig. „Ich habe eine eigene Welt geschaffen, wie ich sie haben wollte“ erzählt Barsuglia und verwendet diese dazu sein philosophisches Konzept zu verifizieren.

Wie ein Regisseur inszeniert Alfredo Barsuglia das räumliche und gedankliche Eindringen in die Privatsphäre des fiktiven Bewohners und möglicherweise des Künstlers selbst. 

Jeden Dienstag, „Jour Fixe“. Dreigängiges Abendessen mit dem Künstler für 5 Personen um 20 Uhr. First come – first served. Die restlichen Besucher können das Abendessen als Zuschauer miterleben. 

Bis 10.Mai 2015

Ort: