William Kentridge für Vendemmia d’Artista des Spitzenweinguts Ornellaia in der Toskana

13.02.18

Dass Künstler mit prestigeträchtigen Marken zusammenarbeiten, ist heute keine Seltenheit. Ob Olafur Elliason ein Art Car für BMW entwirft oder Hans-Peter Feldmann mit Louis Vuitton kooperiert – keiner muss sich mehr vorwerfen lassen, seine Seele an eine Marketingabteilung verkauft zu haben. Luxusfirmen erscheint aufgrund ihres Anspruchs an Qualität und Kreativität sogar wie natürliche Verbündete des Künstlers. Zur Win-Win-Situation für die Kunst wird eine solche Kooperation, wenn sie außerdem Museen unterstützt. Dies ist der Fall bei der „Vendemmia d’Artista“ (auf Deutsch: „Künstler-Ernte“) des Spitzenweinguts Ornellaia in der Toskana. Der im Bolgheri südlich von Livorno ansässige Hersteller beauftragt regelmäßig international bekannte Künstler mit der aufsehenerregenden Gestaltung seiner Großweinflaschen. Die Ergebnisse werden jeweils im Rahmen einer Gala versteigert. Der Erlös kommt einem Museum zugute. Profitiert haben davon schon illustre Namen wie die Berliner Nationalgalerie, das New Yorker Whitney Museum und das Kunstmuseum von Ontario. Die Fondation Beyeler in Basel kam durch den Beitrag von John Armleder 2015 in den Genuss von 200 000 Euro. 2017 brachte die Kreation des brasilianischen Künstlers Ernesto Neto in New York 112 000 Dollar für das Solomon R. Guggenheim Museum ein. Zwei Millionen Euro kamen auf diesem Weg immerhin für Museen und Stiftungen zusammen. Zu den beteiligten Künstlern gehörten neben Armleder und Neto Rodney Graham, Michelangelo Pistoletto und Rebecca Horn. Für 2018 konnte der Weinproduzent William Kentridge gewinnen. Der südafrikanische Künstler ist für seine mit Kohle gezeichneten und an Scherenschnitte erinnernden Animationsfilme bekannt, in denen er nicht zuletzt die Traumata seiner Heimat verarbeitet. 2017 inszenierte Kentridge Alban Bergs Oper Wozzeck bei den Salzburger Festpielen bildmächtig.

Wie es ihm entspricht, konzentrierte er sich beim Ornellaia-Rotwein von 2015, der den Namen „Il Carisma“ trägt, auf die Etiketten. Seine Vorgänger hatten die großen Flaschen, die im Salmanazar-Format stolze neun Liter fassen, mit plastischen Elementen in raumfüllende Skulpturen verwandelt. Kentridge entdeckte sogar im Weinbau ein Motiv, das ihm sehr vertraut ist: die Schere. Scheren wandern auch durch seine Filme. In einer Stellungnahme sagt der 62-jährige: „Die Leseschere beruht auf einer Erinnerung an eine Weinlese in der Toskana, als ich mit meiner Familie sechs Monate in San Casciano außerhalb von Florenz verbrachte. Dadurch konnte ich die Bedeutung der menschlichen Arbeitskraft bei der Weinherstellung besser verstehen.“ Er erinnere sich an das köstliche Mittagessen in den Weinbergen, dass die Frau des lokalen Weinbauern zubereitet hatte: „Der Geschmack hatte eine besondere Tiefe, die dem Zusammenspiel von Arbeit und Terroir entsprang. Die einzelnen Arbeitsschritte bei der Weinherstellung, die Kombination von Handarbeit und mechanischen Verfahren deuten auf die Transformation von Menschen in Maschinen und Maschinen in Arbeiter hin. Dieses Verständnis ist Teil einer Reihe von Zeichnungen und anderer Werke über die menschliche Arbeit.“ Der Blick auf die soziale Realität hinter dem Genuss macht aus dem Werk einen echten Kentridge. Seine Zeichnungen fertigte der Künstler auf den Seiten alter italienischer Kassenbücher an, die er auf Flohmärkten und in Secondhand-Läden in der Toskana fand.

Stephen Mould, Senior Director für Weine bei Sotheby’s, wird die limitierte Edition der von Kentridge gestalteten Großweinflaschen am 23. Mai im Victoria & Albert Museum in London versteigern. Dem V&A wird auch der Erlös zu Gute kommen. 
www.ornellaia.com/de/vendemmia-d-artista

 

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