„Wiener Frauenkunst“ im Museum der Zinkenbacher Malerkolonie

20.07.16

Die jährlich seit 2001 in der alten Volksschule von St. Gilgen stattfindende Sommerausstellung des Museums Zinkenbacher Malerkolonie ist 2016 unter dem Titel „Die schaffende Österreicherin“ ausschließlich der Kunst von Frauen gewidmet.

Lisel Salzer, Lisl Weil, Bettina Bauer-Ehrlich, Gudrun Baudisch, waren Künstlerinnen, die regelmäßig auch zu Sommeraufenthalten an den Wolfgangsee kamen und zum losen Kreis der Zinkenbacher Malerkolonie zählten. Ebenso waren sie Mitglieder der 1926 aus der Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs hervorgegangenen „Wiener Frauenkunst“, die von der Künstlerin Fanny Harlfinger als Präsidentin geleitet wurde und eine Vielzahl von Künstlerinnen als Mitglieder zählte. Harlfingers in der Zeitschrift „Die moderne Frau“ erklärtes Ziel lautete: „Wir wollen modern sein, in erster Linie in dem Sinne, dass wir darunter enge Verbundenheit mit dem Leben verstehen. Die Kunst unserer Tage steht dem Leben und seinen sichtbaren Äußerungen noch immer recht fremd gegenüber; sie durchdringt es nicht, wie es die Kunst früherer Zeiten tat.“ Adressatinnen dieser Intention waren in gehobenen Berufen und künstlerisch tätige Frauen, die mit ihrem Schaffen – das Malerei, Gebrauchsgrafik, Kostümbildnerei, Kunsthandwerk, Illustration umfasste – an die Öffentlichkeit treten sollten, um einem breiteren Publikum bekannt zu werden. Dazu wurden Ausstellungen organisiert, die mit ihren Titeln an das Selbstverständnis von Frauen appellierten: „Die Frau von heute“ (1926), „Die Frau von gestern, heute und morgen (1927), „Das Bild im Raum“ (1929), „Wie sieht die Frau?“ (1930), „Die schaffende Österreicherin“ (1931). Im Sinn der Neuen Sachlichkeit lautete das Motto „Einfachheit“, wobei Innenarchitektur, Bilder, kunstgewerbliche Gegenstände zueinander in Beziehung gesetzt wurden. Die Inszenierung und Präsentation der Vielfalt, das Arrangieren im Raum oder in Schaukästen galt in den historischen Schauen als besonders wichtig. Liane Zimbler war die erste Architektin Österreichs, die vor allem mit Umbauten von großbürgerlichen Wohnungen in kleine Wohneinheiten für berufstätige Alleinstehende bekannt wurde, bevor sie 1938 in die USA emigrierte.

Ihren Ideen zur Gestaltung von Ausstellungen ist auch die diesjährige Ausstellung „Die schaffende Österreicherin – 90 Jahre `Vereinigung Wiener Frauenkunst´“ in St. Gilgen nachempfunden, wobei die lebensgroße Reproduktion einer Ausstellungswand aus den 1930er-Jahren direkten Bezug zur Vergangenheit schafft und weitere Wände historische Ausstellungstitel thematisieren. Kuratorin Marie-Theres Arnbom ist der damaligen Art zu präsentieren gefolgt, neben den Exponaten werden beispielsweise die Foto-Porträts der Künstlerinnen platziert. Arnbom hat mit der Reproduktion historischer Zeitungsartikel gearbeitet und schafft damit ein über die Ausstellung selbst weit hinausreichendes Gemälde der Kulturgeschichte: Die Kunst von Frauen war umstritten und in den Meinungen der männlichen Kritiker als wenig relevant beschrieben. Überwiegend wurden Künstlerinnen mit feindlicher, herablassender oder gönnerhafter Kritik bedacht und zumeist nur deren kunsthandwerkliche Arbeiten gewürdigt. Das Kunsthandwerk entsprach nach damaliger Meinung  der den Frauen innewohnenden Neigung zur Gestaltung von Wohnräumen, ab 1869 bestand für Frauen die Ausbildungsmöglichkeit an der Wiener Kunstgewerbeschule, Kunsthochschulen waren ihnen verwehrt.  Ebenso unmöglich war eine Aufnahme in die großen Künstlerorganisationen der Jahrhundertwende wie Künstlerhaus, Secession und Hagenbund.

Die „Wiener Frauenkunst“ als auch die Zinkenbacher Malerkolonie bestanden etwa zeitgleich – von 1926 bis zum Jahr 1938, als mit der politischen Machtübernahme der Nationalsozialisten das Ausstellungsleben dieser Künstlerinnen jäh abbrach. Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft mussten Bettina Bauer, Lisl Weil, Lisel Salzer, Emmy Zweybrück, Margarete Hammerschlag, die Architektin Liane Zimbler fliehen. Sie konnten in ihren Zufluchtsländern Fuß fassen, lebten als Illustratorinnen oder Kunsterzieherinnen.

Der letzte Zeitungsartikel der „Wiener Frauenkunst“ stammt vom 18. Mai 1939 und berichtet von einer Ausstellung im Palmenhaus im Burggarten. 30 Jahre nach ihrer Gründung wird die Vereinigung 1956 aufgelöst.

Bis 9. Oktober 2016.