Von sinnwidriger Verwendung und performativer Gestaltung | Samstags-Shop

24.07.17
Jakob Lena Knebl © Georg Petermichl

An der Schnittstelle von viertem und fünftem Bezirk treffen diesen Sommer zwei künstlerische Projekte von Jakob Lena Knebl und David Moises aufeinander, in denen sich trotz ihrer sowohl formalen als auch inhaltlich völlig unterschiedlichen Zugänge, gemeinsame Kriterien und Attribute zur Kunst im öffentlichen Raum wiederfinden. Sie lassen sich nicht nur sehen und begutachten, sondern auch in aller Ruhe, Genüsslichkeit, Lust und Laune begreifen, besetzen, besitzen, befühlen und sogar kaufen.

 

SAMSTAG-SHOP

2010 startete Peter Holzinger gemeinsam mit seinem damaligen Partner Christian Moser den Samstag-Shop. Organisch – so arbeitet Holzinger generell, gut und gerne – entwickelte sich aus der ursprünglichen Idee, ein Atelier anzumieten, ein Shop, der u. .a. das angrenzende Atelier featured. Anliegen war von Anfang an die Nähe zur Kunst und den damit verbundenen Menschen. Regelmäßig intervenieren seither Künstler wie beispielsweise Ursula HübnerSiggi Hofer oder Tex Rubinowitz im Samstag-Shop.

Mit dem Label house of the very island kooperierte Holzinger seit Anbeginn. Eines der Gründungsmitglieder von house war Jakob Lena Knebl, die vor ihrem Kunststudium mit Holzinger Mode bei Raf Simons an der Angewandten studierte. Über den Sommer und darüber hinaus haben die beiden anlässlich der Mumok-Intervention von Jakob Lena Knebl ein Work-in-Progress-Projekt begonnen, das sich aus einem permanent veränderten Ist-Zustand heraus weiter entwickelt.

Einen Bogen zwischen Design, Kunst und Alltagsgegenstand zu spannen war Knebls Ausgangspunkt und Idee für Ausstellung OH... Jakob Lena Knebl und die mumok Sammlung. Aus dem eher als elitär angesehenen Kunstraum Museum heraus bringt sie ihre Anliegen und Methoden der Gestaltung über den Samstag-Shop hinein in den Alltag.

Begonnen haben Holzinger/Knebl das Projekt mit einer gemeinsamen Capsule-Collection, einer kleinen Mini-Kollektion, die im mumok Plastiken kleidet, deren prominente Autoren u. a. Alberto GiacomettiLouise Bourgeoise oder Henry Moore heißen. Für die Kollektion im Samstag-Shop spielt sie das Klischee des 80er-Glam-Rocks unter anderem über die Auswahl der Stoffe. Ausbrennersamt beispielsweise hat sie aus einem alten Stoffgeschäft in Athen von ihrem documenta-Besuch dort mitgebracht, den Peter Holzinger hier nach ihren Vorstellungen verarbeitet.

Messingdeckenleuchten aus ihrer privaten Sammlung und Spiegelflächen in Metallic-Rosé bringen außen wie innen derzeit noch sehr dezent diese Glam-Rock-Attitüde ans Licht, die letztendlich der Möglichkeit zur Selbstinszenierung und -gestaltung hilfreich dienlich sei möchte: War die Konstruktion und Gestaltung von Identitäten im Mumok betrachtbar und im besten Sinne akademisch, findet sie im Samstag-Shop in veränderter und anwendbarer Form statt und richtet sich gezielt an ein Publikum, das der Verschiebung von Sehgewohnheiten performativ begegnen möchte. Inszeniert sich Knebl im mumok selbst, um Themen wie Begehren, Identität(en), Zuschreibungen, Zuordnungen und gesellschaftliche Utopien zu bearbeiten, so werden im Samstag-Shop die Kunden/Besucher animiert zur aktiven und direkten Begegnung – der eigene Körper nämlich wird hier zum Zentrum, die Mode zur Kommunikation, das Shop-Design zur Bühne. Knebl exerziert ihre Art in den Samstag-Shop einzugreifen anhand der Idee der Cultural Studies: „Sie kommen aus den unterschiedlichsten Disziplinen, sind gültig als Überbegriff und sie rücken nicht nur den Alltag ins Zentrum. Der Begriff der Studie impliziert, was im Samstag-Shop stattfindet – Eingriffe, die nie abgeschlossen werden, um den Shop als solchen beweglich zu halten.“. Ihre Lust an Materialien, an neuen Formen und Erscheinungsbildern teilt Knebl mit zeitgenössischen Künstlern wie Ashley Hans Scheirl oder Gabriele Fulterer und Christine Scherrer, die an Außenfassade, Boden und Innenraumdesign zu mitbeteiligten Gestaltern werden.

Weiter zum Artikel über David Moises in der Galerie Hinterland