Von sinnwidriger Verwendung und performativer Gestaltung | Galerie Hinterland

24.07.17
Krongarten 2017 © Jakob Winkler

An der Schnittstelle von viertem und fünftem Bezirk treffen diesen Sommer zwei künstlerische Projekte von David Moises und Jakob Lena Knebl aufeinander, in denen sich trotz ihrer sowohl formalen als auch inhaltlich völlig unterschiedlichen Zugänge, gemeinsame Kriterien und Attribute zur Kunst im öffentlichen Raum wiederfinden. Sie lassen sich nicht nur sehen und begutachten, sondern auch in aller Ruhe, Genüsslichkeit, Lust und Laune begreifen, besetzen, besitzen, befühlen und sogar kaufen.

 

KRONGARTEN | GALERIE HINTERLAND

Seit 2012 gestalten bildende Künstler wie beispielsweise Andreas Strauss oder Vooria Aria  für die Zeit von Mai bis September den sogenannten Krongarten vor der Galerie HINTERLAND in der Krongasse im fünften Bezirk. David Moises hat diesmal von Galeristin Gudrun Wallenböck die Einladung bekommen, die zwei Parkplätze davor zu einer öffentlichen Installation umzuwandeln, um Freiraum für alle zu generieren.

Moises sammelt Schier und verwertete Teile davon zu Sitz-Hokern – schon gebaut vor einigen Jahren, viel gezeigt, sehr erfreut. Diese durchaus amüsanten Hybride aus Skulptur und Möbel integriert er nun in eine benutzbare Installation, die der ursprünglichen Arbeit nicht nur eine wesentliche skulpturale, sondern auch wesentliche inhaltliche Komponenten hinzufügt: Kneissl, Rossignol, Kästle, Atomic, Blizzard – Marken und Namen, die über Logo, Typografie, Grafik, Farbigkeit und unterschiedliche Gestaltung sowohl von Geschichte und Bedeutung des Schifahrens und den damit verbundenen Techniken erzählen, als auch an die Beteuerung, die die jeweiligen Oberflächen der Schier beinhalteten und behaupten, erinnern: Rasanz, Dynamik, Eleganz und Furore! Themen, die sich auch durch das künstlerische Werk von David Moises ziehen und konsequent die ihm eigene Formen- und Materialsprache erkennen lassen. Wie schon bei den Sitz-Hokern zersägt Moises auch für die Installation im Krongarten die Ikonen des Wintersports (die Palette der Modelle, es sind gezählte 180 Paar Schier, reicht von den 1950er-Jahren bis zum Einsatz der Carver), um sie neu zu konstruieren und aus den mittlerweile zu Fetischen gewordenen Schiern eine Skulptur zu bauen.

Moises Skulptur aber wird mittels eines der Synonyme für Winter zu einer „coolen“  Terrasse, um die gekreuzte Schistöcke den Zaun bilden. Das klingt nicht nur witzig, es sieht auch so aus und ist dennoch zutiefst konsequent. Die Kulturwissenschaftlerin Brigitte Felderer nennt das „die künstlerische Ironie von David Moises“, seine wieder erkennbare Methode also, Vertrautes in Unbekanntes zu verwandeln, um die eigentliche Funktion außer Kraft zu setzen. In seinen Schi- oder sommerlichen Wintergarten lädt Moises mittels des „falschen“ Einsatzes von Schiern, die ja eigentlich dem Erreichen der höchst möglichen Geschwindigkeit dienten, zum Verweilen, zum Pausieren, zu Stillstand ein. War ursprünglich eine möglichst optimale dynamische Haltung Voraussetzung zum Erreichen einer Bestzeit vonnöten, gilt es hier, die bestmögliche Entspannung zu finden. Moises erfindet den Schi insofern neu, als er ihn in sowohl in seiner Bearbeitung als auch in der Verwendung dort hin bringt, wo er sich zuvor noch nie im Einsatz befand, die „falsche“ Jahreszeit setzt dem auch noch die Krone auf.

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