Up&Coming: Ein Rundgang aktueller Galerieausstellungen

17.05.18
Zeller van Almsick: Agneta Andrén: "The Day Carries the Dreams of the Night", 108 x 64cm, acrylic on canvas, 2017 | Minda Andrén: "Dito Dita", 30x40cm, drawing on inkjet print, 2018

Diese Woche eröffneten gleich fünf Räume junger Kunst im Reigen ihre Sommerausstellungen. Den Beginn machten am Montag, dem 14. Mai, die Galerien Emanuel Layr, Sophie Tappeiner und Croy Nielsen, die sich erstmalig zu dritt zur Vernissage zusammentaten. Am Dienstag folgte dann Zeller van Almsick und am Donnerstag schließlich Gianni Manhattan. Wir haben uns umgesehen.

 

Raumexperimente – Lone Haugaard Madsen

Sophie Tappeiner forscht und spielt gerne mit ihren noch jungen Galerieräumen, das machten bereits die letzten Ausstellungen etwa mit Liesl Raff oder Angelika Loderer deutlich. Nun, etwa ein Jahr nach Eröffnung der Galerie, überließ sie das Experimentierfeld der dänischen Künstlerin Lone Haugaard Madsen (*1974), die demnächst auch in einer Gruppenshow im mumok zu sehen sein wird. Räumliche und materielle Bedingungen beschäftigen die in Wien lebende Künstlerin ebenso wie die Voraussetzungen der Kunstproduktion. Hierfür mischt sie Gefundenes mit Behandeltem und fertigt beispielsweise Abgüsse aus zufällig entdecktem Ateliermüll.

Das gegenständliche Ich – Lena Henke

Gleich gegenüber Lena Henke (*1982). Emanuel Layr hat die gefeierten Multi-Media Künstlerin nach einer Ausstellung in Rom im vergangenen Jahr nun auch nach Wien holen können. Entstanden ist ein Potpourri des Selbst, schließlich benutzt Henke erstmalig ihren Körper als Material. Das phallische World Trade Center rutscht in den Schritt der Künstlerin, dabei trägt sie ein T-Shirt mit „Fuck You You Fucking Fuck“-Print, das auch im Merchandise angeboten wird. Wem der gutgemeinte Feminismus der Genration Y, fälschlich angeeignete Wut des Mittelstandes und das ewige Spiel mit dem Ich noch Spaß macht, wird hier einen Unterhaltungsfaktor einer Lena Dunham entlarven. Henke könnte und kann eigentlich aber viel, viel mehr, wie sie eindrucksvoll in ihren letzten Ausstellungsprojekten beispielsweise in der Kunsthalle Zürich, der Schirn Kunsthalle oder dem Sprengl Museum bewiesen hat. Betrachtet man die Ausführungen bei Layr als Ergänzung dieses vielschichtigen Werks erhält sie trotz Vorbehalten das klare Prädikat besuchenswert. Schließlich bleiben die bewegliche Skulptur in der Raummitte wie die humoristischen Straßenschilder im New York Look doch in Erinnerung.

Bewegte Statik – Iza Tarasewicz

Gleich nach der gelungenen Marie Lund Ausstellung punkten Croy Nielsen unterdessen wieder mit einer harmonischen Auseinandersetzung mit Räumlichkeit, Licht und Bewegung. Auch die Thematik "Geräusch" in Verbindung mit Materialität ist für die ausgestellte polnische Künstlerin Iza Tarasewicz (*1981) essenziell. Vor allem in dieser Installation die Musikinstrumente in die geometrischen wie organischen Strukturen einbindet. In zahllosen Details verflechtet Tarasewicz unterschiedlichste Substanzen und ihre Qualitäten zu Raumgreifenden Werken die ob ihrer Farbharmonie und ausgewogenen Form eine Art von Natur im Kulturraum erzeugen.

Erzähl-Stoff – Agneta & Minda Andrén

So naheliegend und doch so unüblich: Zeller van Almsick zeigt Mutter und Tochter. Minda Andrén (*1990) lebt und arbeitet in Wien und studiert an der Akademie der bildenden Künste bei Daniel Richter. Sie stammt aus Schweden wo ihre alleinerziehende Mutter Agneta ihr und den Geschwistern die Beschäftigung mit Kunst mit auf den Weg gab. Agneta Andrén die mit verschiedenen visuellen, räumlichen und bildlichen Darstellungsmodi arbeitet war in den 1990ern eine Pionierin im Bereich des 3D Design. Für die Ausstellung traten die beiden Frauen in einen globalen Dialog. Von ihren Reisen und unterschiedlichen Heimaten schickten sie einander Schnappschüsse, die zu den entstandenen Traumbildern anregten. Abstrakt und figürlich, wage und konkret. Während für Agneta Stoffe, Gewänder und Oberflächen eine zentrale Rolle spielen, sind es bei Minda mythologische Charaktere und Traumgestalten. Dabei fasziniert technisch auch der körperliche Einsatz, wenn Minda mit ihren Fingernägel tiefe Kerben in die Farbe der Leinwände gräbt. Die Ausstellung verhält sich insgesamt allerdings analog zur Natur, so sind gute und weniger gute Träume mit dabei.

Psychological Landscapes – Marina Faust

Marina Faust (*1950) stellt bei Gianni Manhatten sympathische Charakterköpfe vor. Mit dem Hilfsmittel der Fotografie macht Faust schließlich das zu einer Fläche was sie erst in langweiliger Arbeit des Zerreißens und Collagierens zu einem Komplexen zusammengefügt hat. Es entsteht die Anmutung von Vollständigkeit. Aus der Fotografie kommend versucht die Künstlerin die Fokussierung auf alle Details gleichzeitig zu setzen und uns nicht einfach Porträts, sondern Persönlichkeiten vorzulegen. Das gelingt gleichsam anmutend wie humorvoll. Zusätzlich verleiht das eingesetzte Seidenpapier, ein Fotoarchivpapier, technische Qualitäten, verweist das in Farbe getränkte Papier doch beinahe auf einen malerischen Duktus.

 

Croy Nielsen
Iza Tarasewicz - In myriads, things cry out
Bis 23. Juni 2018

Galerie Emanuel Layr
Lena Henke  –  Themove
Bis 7. Juli 2018

Gianni Manhattan
Marina Faust – Once on TV
Bis 14. Juli 2018

Sophie Tappeiner
Lone Haugaard Madsen – Raum#350-Lystre
Bis 23. Juni 2018

Zeller Van Almsick
Agneta & Minda Andrén – Der Tag trägt die Träume der Nacht
Bis 14. Juli 2018

 

Ort: 
Autor: