Uecker in Wien - Wienerroither & Kohlbacher zeigt eine sensationelle Ausstellung im Palais Schönborn-Batthyány

25.05.16

Mit einer für Wien einzigartigen Einzelausstellung von Günther Uecker in enger Zusammenarbeit mit dem Sammlerehepaar Gerhard und Anna Lenz eröffnete am Montagabend die Galerie W&K Wienerroither & Kohlbacher im barocken Palais Schönborn-Batthyány unweit ihrer Galerie in der Strauchgasse eine neue Dependance.

Im Palais soll der Schwerpunkt künftig auf der Kunst nach 1945 liegen, die in temporären Ausstellungen gezeigt wird. Bereits bisher waren unter anderem mit Judit Reigl, Kurt Kocherscheidt, Eduard Angeli, Max Weiler und Karel Appel österreichische und internationale Positionen des 20. Jahrhunderts und der Moderne in der Galerie vertreten. Doch in der Beletage des Palais Schönborn-Batthyány ist es möglich, auch große Formate zu zeigen. Zudem verbindet sich das imperiale historische Ambiente mit der modernen Kunst zu einem besonderen und spannungsreichen Dialog. Die beiden Galeristen sehen das Palais als einen neuen Ort für internationale Kunst, mit einem Programm, das weit über die bisherige Galerietätigkeit hinausgeht und Künstler präsentieren wird, die bisher nicht in dieser Form in Wien gezeigt wurden. Um das zu verwirklichen, suchen sie auch die Kooperation mit österreichischen und internationalen Partnern: „Unsere Idee ist, dass der Kunsthandel zusammenarbeiten muss, um attraktiv zu bleiben und auch Ausstellungen in größerem Umfang realisieren zu können“, sind Alois Wienerroither und Eberhard Kohlbacher überzeugt. Die Eröffnungsausstellung zeigt eine so in Wien noch nie gesehen Ausstellung mit großformatigen Arbeiten von Günther Uecker in Kooperation mit der Sammlung Lenz Schönberg. Darüber hinaus präsentieren Alois Wienerroither und Eberhard Kohlbacher Uecker-Werke der Galerie sowie weitere Leihgaben aus Privatbesitz. Insgesamt entstand ein umfangreicher Überblick über das Werk des deutschen Künstlers mit Werken, die bisher in dieser Zusammenstellung noch nie zu sehen waren.

Die Sammlung Lenz Schönberg
Die Sammlung Lenz Schönberg in Söll in Tirol gilt als die bedeutendste private ZERO-Sammlung. In den letzten zwölf Jahren haben Anna und Gerhard Lenz eine Auswahl ihrer umfangreichen Kollektion mit großem Engagement weltweit gezeigt. Wien war, wie Gerhard Lenz betont, „bisher ein weißer Fleck“. Umso bedeutender ist daher, dass die erstmalige Präsentation mit dem Fokus auf dem Werk Günther Ueckers, zusammengestellt von der Kuratorin der Sammlung, Dr. Ulrike Schmitt, nun in Wien gezeigt werden kann. Ergänzt werden die Werke durch Fotografien von Anna Lenz, die Günther Uecker wie viele Künstler der Sammlung bei seinen Ausstellungen begleitete und mit ihren Fotos vom Aufbau, von Symposien und Reisen mit dem Künstler Dokumente von unschätzbarem, zeithistorischem Wert geschaffen hat. 

Uecker in der Sammlung Lenz Schönberg
Der 1930 in Mecklenburg-Vorpommern geborene Günther Uecker studierte nach dem Verlassen der DDR ab 1955 an der Düsseldorfer Kunstakademie. 1961 schloss er sich der von Heinz Mack und Otto Piene gegründeten Avantgarde-Gruppe ZERO an, die mit ihrer puristischen Ästhetik nach dem Zweiten Weltkrieg eine „Stunde null“ in der Kunst beginnen wollte. Doch weit über ZERO hinaus zählt Uecker seit vielen Jahren zu den wichtigsten und einflussreichsten deutschen Künstlern – nicht zuletzt durch seine langjährige Lehrtätigkeit an der Düsseldorfer Kunstakademie. Seit den 1960er-Jahren setzt Uecker Nägel als Hauptgestaltungsmittel ein – ein Material, das bis heute im Zentrum seines Schaffens steht. Doch Ueckers Gesamtwerk umfasst eine Vielzahl von Materialien und Medien – von Malerei, Objekten, kinetischen Lichtarbeiten und Installationen bis hin zu Bühnenbildern und Film. Ebenso entstanden durch die zahlreichen Reisen des Künstlers neue Themen, die er in seine Arbeiten einbezog. Nur wenige Werke der Sammlung fallen in Ueckers ZERO-Zeit. Der Schwerpunkt liegt auf Arbeiten, die nach Auflösung von ZERO entstanden, darunter mit „Osaka-Spiralen“ von 1969 ein bedeutendes Hauptwerk des Künstlers, das er für die Expo in Osaka, Japan, anfertigte, oder „Quadrat-Plantage“ von 1970, ein Werk aus der Serie quadratischer Felder, das damals für die Biennale entstand. Ebenso dokumentieren die Arbeiten der Sammlung Ueckers Abkehr von „harten Formen“, Metall und Nägel wurden durch Materialien wie Sand und Stricke abgelöst, und auch der Duktus trat mit Finger- und Körperspuren oft in den Vordergrund. Weiche Bildträger wie Tücher lösten die Platten ab. Uecker wurde durch seine Reisen in den Osten zu einem Grenzgänger und Grenzüberschreiter. So nahm der Künstler neben der Beschäftigung mit formalen Parametern wie Rotation, Kreisen und Reihungen auch stets Stellung zu politischen Themen unserer Zeit, wie in den eindrucksvollen Aschebildern (Aschemenschen), in denen er auf die Katastrophe von Tschernobyl reagierte, oder er wandte sich gegen die Zerstörung der Erde (Nagelwälder) und gegen die Unterdrückung von Minderheiten (Black-Mesa-Tücher). Einige Werke aus diesem Zyklus werden in der Wiener Ausstellung zu sehen sein – und zeigen einmal mehr die intensive Beschäftigung der Sammlung mit dem Künstler selbst. 

Lesen Sie mehr über die Sammlung Lenz in unserem neuen Magazin PARNASS Heft 2 /2016.

Palais Schönborn-Batthyány
Renngasse 4, 1010 Wien
Bis 15. Juli 2016
Di bis Fr 11-18.00

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Die Bilder dieses Beitrages: alle Ausstellungsansichten und Vernissage Galerie W&K Wienerroither & Kohlbacher. Foto: Gerhard Krispl