Too big to fail – erster Eindruck von der Art Basel

15.06.16

Zum 47. Mal wird die Art Basel morgen - Donnerstag ihre Tore für Interessierte öffnen. Die 286 Galerien mit Arbeiten von mehr als 4000 Künstlern aus aller Welt wurden aber schon die letzten Tage während der Previews von einer internationalen „crowd“ gestürmt. Es ist ein who is who der Kunstwelt und die Stimmung ist ungebrochen gut. So wie im letzten Jahr werden auch heuer wieder an die 100.000 Besucher und ein Umsatz von an die 2,5 bis 3 Milliarden Euro erwartet.

In den Kojen der österreichischen Galerien ist viel los: Thaddaeus Ropac zeigt mit Antony Gormley, Alex Katz und Erwin Wurm einige seiner Stars, Georg Kargl hat unter anderem Gerwald Rockenschaub und Glegg & Guttmann im Gepäck, Nächst St. Stephan ist mit Katharina Grosse oder Herbert Brandl gut aufgestellt, aber auch die Galerien Krinzinger und Martin Janda sind mit namhaften Künstlern vor Ort. Großer Andrang natürlich bei Galerien wie Gagosian, Hauser & Wirth und Zwirner. Sie sind außer an ihren Ständen im Hauptsektor „Galleries“ auch in der Art Basel Unlimited vertreten.

Unter dem Titel „Unlimited“ bietet die Messe seit vielen Jahren den Galerien die Gelegenheit große Installationen, seien es Skulpturen, Wandmalereien, Videos oder Performances, die einen Messestand sprengen würden, zu inszenieren. Kurator Gianni Jetzer hat für dieses Jahr 88 Projekte ausgewählt.

Gleich im Blickfeld die mehr als hundert alten Koffer, die an roten Seilen in unterschiedlicher Höhe hängen und die vom japanischen Künstler Chiharu Shiota stammen. Ganz in der Nähe davon Davide Balulas „Mimed Sculptures“, mit denen die Galerie Gagosian punktet. Eine „performed presentation of canocical works of sculpture“, wie es im erklärenden Text heißt. Vier oder manchmal sogar fünf schwarz gewandete Personen deuten mittels kleiner Bewegungen mit grellrosa Handschuhen die Umrisse einiger Ikonen der Bildhauerei an. Henry Moores „Reclining Figure" oder Louise Bourgeoise „Unconscious Landscape“ sind da mit viel Fantasie zu erkennen.

Hauser & Wirth zeichnet für „Flacher Abfall“ des 1998 verstorbenen Schweizers Dieter Roth verantwortlich. Der Künstler hat Verpackungen aller Art über Jahre gesammelt und sie gepresst. In 600 Mappen geordnet, füllen sie jede Menge Bücherregale. Die Galerie David Zwirner zeigt den deutschen Künstler Wolfgang Tillmans mit seiner „New York Installaton PCR, die aus mehr als 30 Prints aus 25 Jahren besteht und soziale Fragen zum Inhalt hat.

Eine lange Schlange bildet sich vor der Lichtinstallation des Amerikaners James Turell und auch vor  „The Collector´s House“ von Hans Op de Beeck. Diese immens große, an das versteinerte Pompeji erinnernde Arbeit aus grauem Gips stellt das Zuhause eines Ästheten dar und bildet mit den römischen Figuren rund um einen Teich, der übervollen Bibliothek, dem Klavier im Wohnzimmer und etlichen anderen Details ein Gesamtkunstwerk und zugleich eine verstörende Wunderkammer.

Wer nach dem Gang durch die Messe noch Kräfte hat, dem sei die Ausstellung „Sculpture on the Move“ im neuen Zubau des Kunstmuseums Basel und das Schaulager ans Herz gelegt. In letzterem, einem Bau von Herzog & De Meuron aus 2003, befinden sich auf fünf Stockwerken die eindrucksvollen Lager der Kunstsammlung der Emanuel Hoffmann Stiftung. Im Erdgeschoss gibt es zusätzlich dazu noch mit „Zita – Щapa“ ein Kammerstück von Katharina Fritsch und Alexej Koschkarow eine ganz besondere Ausstellung zu sehen. Die aus Deutschland stammende Professorin Fritsch und ihr Schüler aus Minsk in Weißrussland, haben in intensivem Austausch Skulpturen und Zeichnungen geschaffen, die sich im weitesten Sinn mit den zwei Weltkriegen auseinandersetzen und die in einem dreiteiligen Gehäuse inmitten des weiträumigen Erdgeschosses des Schaulagers präsentiert werden.

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