Thomas Reinhold – Geometrie des Amorphen

11.05.18

Ende April eröffnete die oberösterreichische Galerie Artemons eine Depandance am Wiener Opernring 21. Die Eröffnungsausstellung zeigt noch bis 30. Mai Werke von Thomas Reinhold. Unter dem Titel „Zur Geometrie des Amorphen“ werden Werkszyklen von 2006 bis heute gezeigt. Thomas Reinholds Malerei ist einprägsam und entzieht sich, obwohl ihr die Oberfläche dynamisch strukturiert ist, dem gestischen Duktus. Reinhold erforscht die Malerei empirisch und anhand des malerischen Prozesses per se. Die Möglichkeiten, die Farbschichtung als Ausdruck der Zeitlichkeit des Malaktes auf dem Gemälde in ein Erlebnis räumlicher Tiefe zu verwandeln, beschäftigen ihn ebenso wie die Facetten der Wahrnehmung. Das malerische Mittel ist die fluide Eigenschaft und die Materialität der Farbe per se. So wird diese nicht mit dem Pinsel aufgetragen, sondern geschüttet – auf Basis einer vorab konzipierten Bildkomposition. mit den ureigensten Aspekten der Malerei auseinander. Farbe, Material, Fläche und Komposition rücken im Verlauf einer durchstrukturierten Vorgangsweise von nacheinander ablaufenden Prozessen und Schichtungen in den Mittelpunkt seiner Auseinandersetzung mit dem Bild. Durch die Lagen von durchscheinenden und opaken Farbflächen kommt es zu einer Räumlichkeit im Bild, einem Davor und Dahinter, was zugleich auch eine zeitliche Komponente ins Spiel bringt. 

In der Galerie Artemons zeigt Thomas Reinhold eine Reihe von Werkgruppen, die seit 2006 entstanden sind wie Transport und Kommunikation.Diese spricht, so Reinhold den Entstehungsprozess an. „Die Leinwand wird auf Kisten aufgebockt, die Farbe wird geschüttet und durch Aufheben des Rahmens transportiert. Kommunikation tritt ein, wenn dieser Vorgang wiederholt angewandt zu Überlagerung und Austausch der Farben untereinander führt, und so das Hintereinander der prozessualen Vorgangsweise zum räumlichen Erlebnis für die Betrachter wird.“ Die Serie Stäbchen und Zapfen bezieht sich auf unser Auge. Das vom dioptrischen Apparat entworfene Bild wird von der Netzhaut aufgenommen und in Nervenimpulse umgewandelt, die in verschlüsselter Form dem Gehirn die empfangenen Informationen zuleiten. In der Netzhaut liegen die farbempfindlichen Zapfen und die helldunkel empfindlichen Stäbchen. Besonders eindrucksvoll sind die Werke der Serie Bild. Hierbei bezieht sich Thomas Reinhold auf das verwobene Netz aus Bild und komplexer Wahrnehmung. „In dieser Reihe interessiert mich die sich verdichtende Struktur des Malprozesses, die dafür sorgt, etwas Bild werden zu lassen, und dies nicht unbedingt im Sinne eines Abbildes von Gegenständlichem oder Umsetzung von Erlebtem. Angesichts der Ergebnisse fällt mir seit geraumer Zeit auf, dass ich eigentlich an Studien zu einer Geometrie des Amorphen arbeite.“  Thomas Reinhold spricht über seine Arbeiten zuweilen auch gerne über die Architektur der Malerei und spricht dabei die medienimmanenten Prozesse an, die er in den Fokus stellt. „ Es geht mir nicht um Abstraktion. Mein Interesse gilt eher der Medienreflexion, dem Strukturellen und Prozessualen, dem Konzept einer Innovation des malerischen Raums, der durch Überlagerung von Schichten wie von alleine wächst.“ 

MATRIX  – ERSTAUFFÜHRUNG WIENER SECESSION
Einen Einblick in den Malprozess des Künstlers erhält man in der Wiener Secession. Die Galerie Artemons Contemporary Wien, Herwig Dunzendorfer und Thomas Reinhold laden am 23. Mai um 19.00 zur Erstpräsentation von Matrix ein. Ein Video von Ana Paula Franco nach einer Idee des Künstlers, mit Texten von Daniel Wisser.  

MATRIX Vorführung
23. Mai 2018, 19 Uhr
Shop der Secession, Friedrichstraße 12, 1010 Wien

GEOMETRIE DES AMORPHEN 
Artemons Contemporary Wien 
Opernring 21
1010 Wien 

www.artemons.at

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