Theaterturm auf fast 2300m Höhe | Origen

17.05.17
© Origen

Spot On Kunst und Bühne heißt es im kommende Woche erscheinenden neuen PARNASS (2/2017). Ob im Rahmen der Wiener Festwochen oder Salzburger Festspiele, wir haben uns auf die Brückenschläge zwischen Kunst, Kostüm, Performance, Bühnenbild und Theaterarchitektur fokussiert und einen Blick auf zeitgenössische Bühenkultur geworfen.

Ein kühnes Bühnenprojekt das die Grenzen zwischen Kultur und Natur antastet realisiert derzeit auch das Origen Festival in Graubünden in der Schweiz. Auf 2.300 Höhenmetern, auf dem geschichtsträchtigen Julierpass, entsteht ein kolossaler hölzerner Theaterturm, ein temporäres Theaterhaus inmitten einer spektakulären Landschaft – und ein mutiger Gegenentwurf zum Guckkasten der Städte. Die neue Bühne widmet sich dem Welttheater, bespielt die Jahreszeiten und interpretiert den Hochgebirgspass als Ort  der Kultur neu. Anfang Mai erfolgte nun der Spatenstich für das dreijährige Architektur- und Theaterprojekt. Bis zur offiziellen Eröffnung im Juli bietet sich ein abwechslungsreiches Begleitprogramm zum Turmaufbau.

Babylonische Dimensionen

Inmitten der Bergriesen, an der uralten Passstrasse gelegen, erzählt Origens Theaterturm von Europas Heimat im Zweistromland, von den babylonischen Urmythen der Menschheit, vom Zusammenprall der Kulturen am Pass, von Sprachverwirrung und Turmvisionen, die Kulturgeschichte schrieben. 

Der Theaterturm mit seinen weiten Öffnungen in die spektakuläre Landschaft und seiner vertikal angelegten Bühne, ist eine alpine Antithese zu den Guckkästen und Black-Boxes der Städte. Die einfachen Baumittel, die dramatische Ausdruckskraft und die ephemere Konstruktion entsprechen der Flüchtigkeit des Theaters. Die kraftvolle Naturlandschaft bildet die Bühne, die untergehende Sonne schafft das Bühnenlicht, der Sternenhimmel entlässt den Besucher in die Nacht.

Origens Theaterturm ist auch eine technische Herausforderung: der dreissig Meter hohe Holzbau muss Sturmböen und Schneestürmen zu allen Jahreszeiten standhalten. Der Bau ist ganzjährig bespielbar und wird autark versorgt. Der Julierturm wird im Herbst 2020 wieder abgebaut.

An der Eröffnung des Turmes wird Gion Antoni Derungs' Oper "Apocalypse" unter der Leitung von Clau Scherrer in einer Inszenierung von Giovanni Netzer aufgeführt. Der Schweizerische Bundesrat Alain Berset wird das neue Theaterhaus am 31. Juli 2017 eröffnen.

Weitere Informationen: www.origen.ch

Ort: 
Thema: 
Kunstszene: 
Autor: 

Kategorie: