Tanja Prušnik: UTOPIA_gnp2 – Künstlerhaus Wien

29.03.16

Noch bis zum 3. April ist die Ausstellung „UTOPIA_gnp2“ von Tanja Prušnik in der Hausgalerie im Künstlerhaus zu sehen. Wahrnehmungssensibilisierung als Strategie einer künstlerischen Intervention und die Stele als visuell ausgerichteter Anreiz zum Perspektivenwechsel stehen im Fokus dieser Einzelausstellung von Tanja Prušnik. Die explizite Frage nach dem Blickwinkel, dem Standpunkt innerhalb eines möglichen Gesamten stellt die Architektin und Künstlerin aus Kärnten/Koroška bewusst in dem Raum. 
Tanja Prušniks künstlerische Fortsetzung der Serie unter dem Kürzel „gnp“, aus dem Gedenkjahr 2005, „UTOPIA_gnp2“, setzt die Darstellung einer „anderen“ Art Landschaft fort – eine Landschaft mit politisch-geschichtlichem Hintergrund. Nunmehr fast „konkretisierter“, lädt die stilisierte Natur im Raum zum Verweilen ein sowie zur Reflexion über eine geprägten Zeit und ihrer Umgebung. Die Landschaft wird zum Symbol für die Utopie der Freiheit, nunmehr eine gelebte!
 Die Serie entstand im Zuge einer Umschlaggestaltung für die Neuauflage von „Gämsen auf der Lawine“ von Karel Prušnik-Gašper, in dem der Widerstandskampf der Kärntner Partisanen gegen das mörderische Dritte Reich und die nationalsozialistische Gewaltherrschaft von 1938 bis 1945 beschrieben wird. „Die künstlerische Aufarbeitung dieser Thematik ist eine sehr persönliche und eine nicht enden wollende“, so die Künstlerin. „Es ist eine Art Vergangenheitsbewältigung einer zwar nicht selbst erlebten Geschichte, die jedoch innerhalb der Familie noch immer präsent ist. 71 Jahre kann aber auch jene Zeitspanne sein, die die nachfolgenden Generationen brauchen, um Geschehnisse verarbeiten zu können, die weit über die persönliche Geschichte hinausreicht.“ Die 1958 in slowenischer Sprache erschienenen persönlichen Erinnerungen Karel Prušnik-Gašpers und seine detailgetreuen Aufzeichnungen waren zu seiner Zeit nicht nur ein erster Beitrag von Oral History, sie waren auch von dem Wunsch getragen, den nachkommenden Generationen die Grundlagen eines besseren Lebens zu vermitteln. Geleitet von der Sehnsucht, den jahrzehntelangen nationalistischen Auseinandersetzungen innerhalb Kärntens den Boden zu entziehen.
 Anlässlich der Verleihung des Ehrendoktorats der Universität Klagenfurt an Peter Handke am 8. November 2002 empfahl Handke in seiner Rede allen im Auditorium Anwesenden das Buch mit der Aufforderung „Lesen sie gefälligst!“ zur Lektüre. Peter Handke selbst las dieses Buch etliche Male und versah es mit Anmerkungen und Kommentaren, trug in seinem Handexemplar die Daten seiner eigenen Familienbiografie ein und überlagerte sie mit den Schilderungen in Gašper-Prušniks Buch. Anklänge von „Gamsi na plazu“ wirken auch in Handkes „Immer noch Sturm“ (Suhrkamp Verlag, Berlin 2010) nach.

Gämsen auf Lawine
532 Seiten
Buch und Materialienband im Schuber
Neuauflage 2016
Wieser Verlag

aktueller Programmpunkt:
Donnerstag: 31.03.2016, 18:30 Uhr:
Filmvorführung: 
"Der Graben Zwei Volksgruppen, ein Tal, eine Geschichte”. Ein Film von Birgit Sommer, produziert von Kurt Langbein & Partner                                                                            

Begrüßung: Ilse Chlan, Künstlerhaus
Begleitende Worte:  Dr. Renate Meissner, Nationalfonds Österreich                                                                                                                   Zum Film: Dr. Brigitte Ortner, Produktionsleitung 

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