Suse Krawagna und Otto Zitko – Galerie 422 Gmunden

03.09.16

Ende August eröffnete die Galerie 422 in Gmunden die Ausstellung „Otto Zitko – Suse Krawagna“. Beide Künstler kennen einander seit Langem und schätzen die jeweilige künstlerische Arbeit. Umso erfreulicher, dass sich nun in dieser Doppelausstellung eine Zusammenschau ihrer Arbeiten ergibt. Zitkos virtuos gestische Linienführung und Krawagnas präzise Bildkonzeption sind in ihrer Formensprache gegensätzlich, doch für beide bildet die sichtbare Realität den Ausgangspunkt – um in eine freie, zumeist der Abstraktion verpflichtete Malerei zu gelangen. Ebenso verbindet die beiden Künstler das Oszillieren an der Grenze zwischen Malerei und Zeichnung.

      Suse Krawagna geht von räumlichen Strukturen und architektonischen  
   Motiven aus. So entstand die Grundidee zur Bildkonzeption in den
   ausgestellten Arbeiten in Paris. Sie ist dabei oft von der Anordnung gleicher
   Dinge im Straßenbild fasziniert und vor allem von den dann doch
   auftauchenden kleinen Veränderungen. Der außerbildliche Bezug ist im Bild
   nicht mehr erkennbar und auch nicht von Belang. Ein wichtiger Aspekt der Arbeiten ist die Serialität. So arbeitet sie oft mehrere Jahre an einer Werkserie und untersucht die Möglichkeiten der Variabilität der von ihr gewählten Farbkonstellationen. Im Rahmen der von Suse Krawagna selbst gesetzten farblichen wie formalen Bandbreite wird das Motiv von Bild zu Bild leicht verändert. Aus der aktuellen Arbeit resultieren die Fragestellungen an die jeweils folgende. Aus dem Einzelbild entwickelt sich solcherart eine zusammenhängende Werkserie, die ein und dasselbe Motiv in Form einer selbstreferenziellen Befragung der Malerei weiterentwickelt. Diese ist jedoch bewusst nicht exakt, zuweilen diffundiert die gemalte Linie in den Bildträger hinein, wird verwischt und verweigert sich einer rein konstruktiven Präzision. Auffallend ist die Entwicklung von einer freieren Gestik zu weit strengeren Bildern, in denen die Farbbalken exakter gesetzt sind. „Gegen Ende einer Werkserie“, so die Künstlerin, „werden die Bilder strenger – wie wenn ich für mich selbst ausloten würde, welchen Spielraum ich habe und wo die Grenzen sind. Wenn ich jedoch an dieser strengen Reduktion angelangt bin, kippe ich meine Kompositionen bewusst wieder in die Gegenrichtung und stelle innerhalb meiner konkreten Überlegung die Leichtigkeit der Zeichnung und Malerei erneut in den Vordergrund.“ Wie in ihren aktuellen Bildern, die überraschend gestischer und freier im Strich sind. Malerische Partien werden von Straffuren überlagert und ein möglicher Dialog der Farben ausgelotet.

Otto Zitko zeigt Arbeiten auf Wellkarton sowie kleinformatigere Arbeiten auf
 Papier. Mit den Arbeiten auf der Kartonplatte setzt Zitko an der vorjährigen
 Ausstellung „Cardboards“ der Galerie Krobath in Berlin an und führt teilweise
 begonnene Arbeiten fort. Das Material selbst hat ähnliche Eigenschaften wie die Aluplatten, mit denen er seit 1996 arbeitet, und ermöglicht ein ebenso installatives räumliches Hängen. Außerdem male er ohnedies gerne direkt auf den Bildträger oder die Wand und die Leinwand wäre hier nicht widerständig genug, so der Künstler. Zudem impliziert die Frage nach dem Bildträger auch die immanenten Fragestellungen an die Malerei per se. „Eine Linie, die Otto Zitko zieht, wenn er malt, setzt die Linie fort, welche der Künstler schon vor langem begonnen hat. Mit dieser Linie ist er ,unterwegs', als einer, der nomadischen Prinzipien folgt“, schrieb Herbert Lachmayr im Ausstellungskatalog „Der lange Weg der Linie“ über den Künstler. Aktuell zeigt Zitko in Gmunden Tafeln, die vorhandene Bildkonzepte weiterführen, aber auch Übermalungen des Vorhandenen zeigen. Die zuvor vorhandene schwarze Malerei wird von blauen gestischen Linien in den Hintergrund gedrängt, jedoch setzt Zitko dann einen schwarzen „Schlussstrich“ über die blaue Liniendichte, fast wie ein Horizont, der insgesamt dann der massiven Liniendichte eine unerwartete räumliche Leichtigkeit gibt. In den aktuellen „Mal/Zeichen-Gesten“ (Lachmayr) verstärken sich wieder die Anzeichen des Figurativen, dem er vor allem in den für die Ausstellung entstandenen wunderbaren Papierarbeiten nachgeht: Wolke, Nachthimmel, das gleißende Licht der Sonne, der aufmüpfige Rotschwanz vor der Tür bis hin zu Textzitaten aus dem Liederrepertoire Kurt Ostbahns – alles fließt in die Papierarbeiten ein. Sie sind malerischer, farbiger, von einer Leichtigkeit und von einer großen Unmittelbarkeit des gestischen Duktus. „In den Papierarbeiten kann ich narrativer sein, hier gelingt das Assoziative, das Einfangen von Augenblicken und die unmittelbare Umsetzung der Tagesbefindlichkeiten“, so Zitko. So gesehen sind seine Zeichnungen, in denen sich die Linie zuweilen nahezu zur Fläche verdichtet, grafische Notationen einer nicht buchstäblichen Schrift, ein Festhalten von Augenblicken subjektiv erlebter Eindrücke, die er in eine gekonnt souveräne Formensprache des Gestischen umzusetzen weiß, im steten Dialog zwischen Raum und Fläche.

bis 1. Oktober 2016
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