Susan Philipsz – War Damaged Musical Instruments (Pair)

06.05.15

Für die diesjährige Installation im Theseustempel beauftragte Jasper Sharp die britische Sound- und Installationskünstlerin Susan Philipsz. Die 1965 im schottischen Glasgow geborene Bildhauerin war jüngst auf der Manifesta 10 in St. Petersburg (2014) und der documenta 13 (2013) zu hören. Mit ihren ortsspezifischen Klanginstallationen reagiert sie auf Räume, Architekturen und Geschichte. Als künstlerisches Material dient ihr dabei die eigene Stimme, A-capella-Gesang oder instrumentale Kompositionen. Für den Theseustempel erarbeitete Susan Philipsz ein neues Werk, in dem zwei, im Krieg beschädigte Trompeten zu „The Last Post“ („Der letzte (Wach-)Posten“) anklingen.

Wehmütig ertönen in dem knapp über 22 Minuten dauernden Stück die beiden Blechblasinstrumente – zuerst einzeln, hintereinander, mit bedächtigen Pausen, das Atmen der Musiker eingeschlossen, dann vereinen sie sich zu einem Duett. Die beiden Trompeter spielen „The Last Post“, das am Ende einer Schlacht als Signal gespielt wurde. Es wies verwundeten Soldaten den Weg zu ihren Regimentern und erinnert bis heute bei Gedächtnisveranstaltungen an die Gefallenen. Zwei weiße Lautsprecher hängen von der frisch renovierten Decke des Theseustempels in Wien. Aus ihnen dringt der Klang in den Raum und füllt ihn mit Tönen, aber auch mit Pausen. Der weiße, hermetisch geschlossene Saal funktioniert heuer wie eine kleine Konzerthalle, die auf ihre spezielle Akustik hin untersucht wird. Dem idyllischen Grün der Parkanlage aus dem 19. Jahrhundert setzt die Turner-Preisträgerin von 2010 eine reduzierte, andächtig stimmende Sound-Installation entgegen.

Der Theseustempel im Volksgarten entstand als Behausung für Antonio Canovas monumentale Skulpturengruppe „Theseus und der Kentaure“ (1804–1819), die sich seit Ende des 19. Jahrhunderts im Stiegenhaus des Kunsthistorischen Museums befindet. Der kleine Tempel entstand um 1820 gemeinsam mit dem Heldentor nach Plänen von Pietro Nobile. Der Neugestaltung von Park und repräsentativer Toranlage waren am 11. und 12. Mai 1809 die Bombardements der Stadtmauer durch die Napoleonischen Truppen vorangegangen. Krieg, Tod, Zerstörung und Wiederaufbau sind sowohl in der Skulpturengruppe wie im idyllischen Park eingeschrieben. Susan Philipsz reagiert darauf mit einer wehmütigen Fanfare, die auf zwei Trompeten intoniert wird. Sie gehörten einem Kavalleristen aus einem Regiment von Erzherzog Franz Ferdinand. Die im Krieg beschädigten Instrumente befinden sich heute im Münchner Stadtmuseum und wurden für die Soundarbeit von Susan Philipsz erstmals seit 100 Jahren wieder bespielt. Die Künstlerin lebt seit 2007 in Berlin in der Nähe des Musikinstrumenten-Museums. Fasziniert von einer Installation kaputter Instrumente in dessen Eingangshalle, begann sich Susan Philipsz mit deren Symbolkraft und Klang zu beschäftigen. Nur wenige solche Instrumente sind in Museen verwahrt, viele wurden entweder restauriert oder einfach entsorgt. Sie in ihrer Fragilität und Versehrtheit wieder zum Klingen zu bringen, steht im Kontext des Schaffens von Susan Philipsz, die sich immer wieder mit melancholischen Grundstimmungen, Fremdheit und Vertrautheit, Erinnerung und Vergessen beschäftigt.

Bis 4.Oktober 2015

Ort: