Stellungnahme von Belvedere-Direktorin Husslein-Arco

02.08.16

Die Diskussion um Agnes Husslein-Arco hat in den letzten Wochen Ausmaße angenommen, die Rainer Metzger im artmagazine.cc treffend als „Rebrutalisierungsprozess“ bezeichnete. Er bezieht sich freilich auf beide Seiten – sowohl der Befürworter einer Wiederbestellung als auch auf deren Gegner. Tatsächlich zeichneten sich beiden Seiten mit nicht gerade eleganter Wortwahl aus. Die Kommentare in den diversen Foren der Social Media Kanäle waren nicht nur unsachlich sondern glichen einer medialen Vorverurteilung. Interessanterweise riefen die von Kuratoriumsleiter Hans Wehsely für ein Gutachten veranschlagten € 130.000,-  in keinster Weise soviel Empörung hervor. In einer Pressekonferenz Ende Juli kündigte schließlich Kulturminister Thomas Drozda die Neuausschreibung des Direktoriums für das Belvedere und Strukturänderungen bei den Bundesmuseen an. Die wissenschaftliche und die kaufmännische Leitung des Belvedere werden neu ausgeschrieben. Der interimistisch bestellte kaufmännische Leiter Dieter Bogner übernahm die Funktion der freigestellten Prokuristin Ulrike Gruber-Mikulcik. Kuratoriumsleiter Hans Wehsely wurde interimistisch durch Sektions-Chefin Andrea Ecker ersetzt. Gestern nahm Agnes Husslein-Arco erstmals öffentlich in Form eines Newsletter Stellung zu laufenden Diskussion und beklagt die „öffentlich ausgetragene Desavouierung“ ihrer Person:

Wie Sie wissen, leite ich das Belvedere seit zehn Jahren mit ganzer Leidenschaft und großem Engagement. Gemeinsam mit meinem Team konnte ich viele Erfolge erzielen. So ist es uns gelungen, in allen Bereichen der musealen Arbeit neue Maßstäbe zu setzen.

Wir zeigen pro Jahr mehr als dreißig Ausstellungen. Zu jeder gibt es ein umfangreiches Vermittlungsprogramm das viele unterschiedliche Zielgruppen anspricht, z. B. Eltern mit Babys, Kinder, Jugendliche, ältere Menschen oder Menschen mit Behinderung. Zu jeder Schau erscheint außerdem eine wissenschaftlich fundierte Publikation, die auf der Arbeit in unserem Research Center basiert. Darüber hinaus laden wir jedes Jahr internationale Kuratoren sowie Künstler ein, im Rahmen der Projekte „Curator in Residence“ und „Artist in Residence“ mit uns zusammenzuarbeiten. Damit konnten wir das Belvedere als Zentrum österreichischer Kunst innerhalb der Kunstszene auch international neu positionieren. Eine weitere Kernaufgabe in unserem Haus ist das Sammeln. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre ist es uns gelungen, 5 000 Neuzugänge zu verbuchen, der Großteil aus Dauerleihgaben und Schenkungen im Gesamtwert von mehreren 100 Mio. EUR. All diese Anstrengungen wurden von unseren Besuchern auch belohnt. Wir konnten die Besucherzahl von 400 000 im Jahr 2006 auf 1,3 Mio. im Jahr 2015 steigern und damit den Gesamtumsatz auf 25,6 Mio. EUR erhöhen. Das Belvedere erreicht somit einen Eigendeckungsgrad von 58 %. Leistungen wie diese können nur dann gelingen, wenn eine gewisse Dynamik herrscht und sich alle mit voller Kraft und viel Engagement einbringen. Das Team des Belvedere ist leistungsstark, aus diesem Grund werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses auch immer wieder zu Direktoren anderer Museen bestellt. Mir ist aber auch bewusst, dass dieses Tempo nicht leicht zu bewältigen ist und nicht alle Schritt halten konnten oder wollten. Ist es in Einzelfällen zu Missstimmungen gekommen, tut mir das persönlich sehr leid.

Als Direktorin bin ich 365 Tage im Jahr rund um die Uhr im Einsatz: Denn es geht nicht nur darum, das Haus zu führen, sondern auch darum, das Vertrauen der Sammler, der potenziellen Leihgeber und der Sponsoren zu gewinnen. Deshalb ist es unabdingbar notwendig, dort präsent zu sein, wo Kunst stattfindet und vorhanden ist. Daraus ergibt sich zwangsläufig eine Überschneidung von beruflicher Tätigkeit und Privatleben.

In meinem Fall waren diese Überschneidungen immer bekannt (z. B. dass ich im Sommer von meinem Wohnsitz in Kärnten aus arbeite) – sowohl der kaufmännischen Leitung, Frau Ulrike Gruber-Mikulcik, als auch dem Kuratorium. Ich habe immer nach dem Vier-Augen-Prinzip agiert. Erst als Frau Gruber am 14. Juni 2016 erfuhr, dass ich in meiner Funktion wiederbestellt werde, sie aber nicht als kaufmännische Geschäftsführerin eingesetzt wird, meldete sie die Verstöße gegen die „Compliance-Richtlinien“ beim Kulturministerium bzw. beim Kuratoriumsvorsitzenden, Herrn Dkfm. Hans Wehsely.

Jeder von Ihnen möge sich davon sein eigenes Bild machen …

Kulturminister Thomas Drozda hat daraufhin den Bestellungsprozess ausgesetzt. Hans Wehsely hat die Angelegenheit umgehend an die Medien weitergeleitet und die Wirtschaftsprüfungskanzlei BDO mit der Überprüfung der Vorwürfe beauftragt. Wie sich nun herausstellte zu einem Honorar von EUR 130 000,–.

Mitte Juli wurde der Bericht abgeschlossen, die teilweise absurden Vorwürfe konnten stichhaltig entkräftet werden. Hans Wehsely zwang mich jedoch, aufgrund der verrechneten Reisespesen Kärnten–Wien, die von Frau Gruber abgezeichnet waren und über die er Bescheid wusste, Verfehlungen einzugestehen. Nur dann könne ich meine Funktion bis Jahresende erfüllen. Nach der mir vom Kuratorium vorgelegten schriftlichen Aufforderung, Frau Gruber vom Dienst zu suspendieren und sie ehestmöglich zu kündigen, wurde vom Ministerium Herr Dieter Bogner als interimistischer kaufmännischer Geschäftsführer eingesetzt.

Frau Gruber blieb in der Zwischenzeit nicht untätig und reichte über den Anwalt Georg Schima eine strafrechtliche Klage bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ein. Die WKStA wird die Klage nicht behandeln und hat sie an die Staatsanwaltschaft Wien weitergeleitet.

Die öffentlich ausgetragene Desavouierung meiner Person lief unterdessen ungebremst weiter und gipfelte in der Berichterstattung in der vergangenen Woche, nachdem der Kulturminister am 27. Juli 2016 bekannt gegeben hatte, dass er sowohl die kaufmännische Geschäftsführung als auch die wissenschaftliche Geschäftsführung (also auch meine Position) erneut ausschreiben werde. Hans Wehsely, der Vorsitzende des Kuratoriums, war kurz zuvor zurückgetreten. Ich persönlich bedaure sehr, dass mit dieser Diskussion das Ansehen des Belvedere Schaden nimmt und die unbestrittenen Höhepunkte und Leistungen, die mein Team und ich für das Haus erzielt haben, in den Hintergrund gedrängt werden. Ich vertraue jedoch darauf, dass Sie trotzdem oder gerade deshalb dem Belvedere und mir wie bisher verbunden bleiben.

Herzlichst Agnes Husslein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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