STEFAN PETERS «tractatus» | bechter kastowsky galerie

26.04.17
Stefan Peters ohne Titel, 2017, Detail, Acryl auf Holzplatte, 80×60 cm, Courtesy bechter kastowsky galerie

Zum ersten Mal zeigt die bechter kastowsky galerie die Arbeiten von Stefan Peters. Peters, der in Belgien geboren wurde und auch dort lebt und arbeitet, setzt sich in seinem Werk stark mit der Fragestellung der Malerei auseinander. In der Ausstellung "tractatus" werden drei seiner Serien gezeigt, die alle einen spezifischen Blick auf die Malereigeschichte werfen.

Ausgehend von einem sogenannten Kabinett-Möbel, hat Stefan Peters sich intensiv mit der Technik der Malerei kleiner Formate beschäftigt. Die einzelnen Panele, die oft mit Malereien auf Kupfer verziert wurden, werden nun losgelöst vom dreidimensionalen Alltagsgegenstand des Kastens, zu einzelnen Bildern in Reih und Glied. Das Möbel als Gedankenstütze ist somit verschwunden, geblieben sind die malerischen Landschaften. Der Bildgrund – in Peters Fall besteht dieser aus Holz – wird mit Hilfe von Tapes in jeweils gleich große Flächen unterteilt. Die Holzplatte bemalt er dem Zufallsprinzip folgend, in keiner linearen Schreibrichtung, mit seinen Landschaften. Es ist eine schnelle Malerei, die in ihren einzelnen Bestandteilen unterschiedlichste Bezüge zur Malereigeschichte offenbaren. Seien es Drucke eines Rembrandts, abstrakt expressive Bergmassive, oder auch romantische Landschaftseindrücke à la Caspar David Friedrich – jedes Bildfenster scheint für sich alleine zu stehen und doch bilden sie in der Gesamtheit ein All-over und sprengen die Bildgrenzen. Neben diesen Chronicles werden auch Arbeiten aus seiner Diaphonous Serie gezeigt. Auf Plastikfolien werden abstrakte Pinselstriche gesetzt. Die nach dem Prozess der Malerei in Kreisen zugeschnittenen Folien, werden dann in Schichten von vier bis fünf übereinandergelegt und ergeben so eine Art Bühnenbild. Die Malerei wird zur Landschaft – grüne Vegetation tritt in den erkennbaren Vordergrund. Diese Täuschung ist es auch, die in der Serie theatres of the mind zum Thema gemacht wird. In Mitten einer malerischen Bühnenlandschaft befinden sich plötzlich Elemente des Alltags: Klettergriffe, farbige Glühbirnen, oder auch Leitern – eine surreale Situation.

Die Ausstellung zeigt das Thema der Malerei in ihrer reinsten Form. Ob breite Pinselstriche, leichte Spuren auf Folien oder auch die Verbindung zwischen fotorealistischen Elementen in malerischen Kulissen – Stefan Peters lotet das Medium aus und analysiert dieses. Eine Analyse, die auch im Titel der Ausstellung zu Grunde liegt: Tractatus als erstes Hauptwerk des Philosophen Ludwig Wittgensteins. Der Modus mathematicus, den Wittgenstein für seine Bedeutungs- und Sprachtheorien heranzieht, gliedert das gesamte Werk in exakte Abschnitte – nicht unähnlich der Abtrennungen von Stefan Peters auf den einzelnen Bildträgern. Struktur, Form, Sachverhalt oder auch "die Welt (in der) Gesamtheit der Tatsachen, nicht der Dinge", werden thematisiert. Der letzte Abschnitt, und der wohl meistzitierteste Satz, des gesamten Werkes Wittgensteins soll auch hier den Abschluss bilden: "Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen."

STEFAN PETERS «tractatus»
bechter kastowsky galerie

bis 2. Juni 2017

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