Sommerausstellungen in Salzburg – unsere Highlights

16.08.16

Die Sommerausstellungen in Salzburg haben einiges zu bieten von der Soloausstellung von Nick Oberthaler in der Galerie im Traklhaus bis hin zur farbenfrohen Malerei von Yago Hortal in der Galerie Ruzicska, die den spanischen Künstler erstmals im Programm hat. Hier einige Highlights.  
 

Galerie Thaddaeus Ropac, Villa Kast – Das Frühwerk von Arnulf Rainer

Das man selbst bei der Omnipräsenz eines Künstlers im österreichischen Ausstellungs- und Messereigen, durch die Konzentration auf eine Schaffensphase und mit der gezielten Auswahl einiger besonders guter Werke, neue Sichtweisen entwickeln kann, zeigt die diesjährige Festspielausstellung bei Thaddaeus Ropac in der Villa Kast „Arnulf Rainer, Early Works 1950-60“. Sie ist dem Frühwerk des Künstlers gewidmet und zeigt erstmals sämtliche „Rote Übermalungen“ Rainers sowie Arbeiten der zwischen 1953 und 1954 entstandenen Werkserie der „Proportionen“. Selbst Rainer, so Ropac, hat diese Bilder bisher noch nie in ihrer Gesamtheit gesehen und war einigermaßen beeindruckt. „Ich sehe die Bilder wieder völlig neu, die Arbeit daran liegt 60 Jahre zurück, da kommen Erfahrungen dazu“, meinte er im Interview mit den Salzburger Nachrichten (SN 5. August 2016). Nur einige wenige Arbeiten sind verkäuflich, der Rest sind Leihgaben aus Museen und aus Privatsammlungen. Auch die Hängung ist gelungen, die Arbeiten haben ausreichend Platz und die Bilder mit Farben von Zinnoberrot, Orange bis hin zum kräftigen Rot können sich im Raum entfalten. Beim Rundgang wird deutlich, wie sehr Rainer sich zu diesem Zeitpunkt im Kreis der internationalen Kunst aufgehalten hat – von der Farbfeldmalerei eines Clyfford Still oder Mark Rothko, und „er steht diesen keineswegs nach“, ist Ropac überzeugt. Unterbrochen werden die großen Farbtafeln von kleineren Arbeiten, die um 1958 entstanden sind. Beeindruckend.

Weiters zeigt die Galerie neue Werke von Imi Knoebel sowie eine Auswahl von Arbeiten der an Werken von Liza Lou. Die Künstlerin, die sowohl in Los Angeles als auch in Südafrika lebt, präsentierte von Mai bis Juli unter dem Titel „Waves“ Arbeiten in einer Einzelausstellung. Nun sind noch einige ihrer monochromen Gemälde aus Glasperlen in der Galerie Ropac zu sehen.

Arnulf Rainer-Early Works
Bis 27. August 2016
Villa Kast, Mirabellplatz 2, 5020 Salzburg
ropac.net

Foto: Arnulf Rainer, ohne Titel (Proportion), undatiert. Öl auf Papier, Collage, ca. 82,8 x 54,2 cm. Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac, Paris/Salzburg © Arnulf Rainer Photo: Ulrich Ghezzi
 

Galerie Frey – Johannes Domenig – Nature Cooperation

Der in Kärnten geborenen Johannes Domenig wird schon seit längerem – international wie national erfolgreich von Andrea und Peter Frey vertreten. Domenig der heute in einem Vierkanthof in Niederösterreich lebt, variiert in dieser Einzelausstellung bekannte Materialien mit neuen Elementen. Neben den Bildern aus Holzkohle, beeindrucken neue Arbeiten. Der Dialog könnte nicht ungewöhnlicher sein, kombiniert Domenig dabei doch Edelsteine mit banalem Plastik. Doch Domenig veredelt seit jeher jeglichen Trash durch seine markant-exakte Formensprache. Ob die geometrische Anordnung von rostigen Fundstücken oder die präzis in die glatte farbige Oberfläche eingeschnittenen Edelsteine. Form, Farbe und Material  werden in einen überraschenden Dialog gebracht. Ein Material der Gegenwart wird mit über Millionenjahre gewachsenen Steinen in Zusammenhang gebracht. Doch Domenig entwirft mit Sicherheit in seinem feinen Arrangement nicht nur einfach ästhetische Konzepte – auch wenn ihm das gut gelingt. Man kann annehmen dass sich unter der Oberfläche auch eine kritische Hinterfragung verbirgt, mit denen er mediale Etikettierung ebenso unterläuft wie letztendlich auch die Auratisierung seiner Objektbilder.

Johannes Domenig – Nature Cooperation
Bis 10. September 2016
Erhard-Platz 3
A, 5020 Salzburg
www.galerie-frey.com

Foto: Johannes Domenig, o.T., 2016. Steinintarsie in Plastik, 46 x 38 cm © Galerie Frey

Galerie Mario Mauroner Contemporary – Decoding Scripture & Picture

Die Galerie zeigt zur Festspielzeit eine sehenswerte Gruppenausstellung zum Thema Text und Schrift in der Kunst. Buchstaben und Worte, Zahlen und Chiffren, Zeichen und Symbole – seit den avantgardistischen Kunstbewegungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts sind sie stets konzeptuelle, formale oder auch grafische Elemente in den verschiedensten Medien von der Malerei bis hin zum Objekt. Historisch gesehen ist das Zusammenspiel von Bild und Schrift ein alt bewährtes, wie etwa in den mittelalterlichen Handschriften und Buchmalereien. „Für die gotischen Maler ist das Bild so selbstverständlich Wiedergabe der Schrift, d.h. der Heiligen Schrift, dass sie Schriftzeichen ins Bild hineinnehmen, sei es als Spruchband, das zwischen dem Übersinnlichen und dem Irdischen vermittelt, sei es als Schriftzug mit dem Namen der dargestellten Heiligen“, erläutert der Literaturwissenschaftler Peter Bürger im Pressetext zur Ausstellung. Die Kunst des frühe 20. Jahrhundert ­vom Kubismus bis zum Dadaismus entdeckte die vielfältigen Möglichkeiten der Typografie und integrierte sie in ihre Bildkonzepte. Doch zeigt die Ausstellung nicht Historisches, sondern höchst gelungene Dialoge zwischen Schrift und Bild in der Gegenwart und zeigt wie vielfältig die Überschneidungen von Schrift und Bild im heutigen Kunst-Kontext sind.

Eine Entdeckung ist dabei der belgische Künstler Fred Eerdekens (* 1951) der Schrift zu skulpturalen Objekte formt. Erst durch das Zusammenspiel mit dem Licht werden die aus den verschlungenen Drahtgebilden geformten Wörter und Sätze an der Wand lesbar. Weitere Werke sind von Brigitte Kowanz, dem französischen Künstler Bruno Peinado sowie von Daniele Buetti, Vadim Zakharov oder dem katalanischen Bildhauer Jaume Plensa. Mit etablierten Vorstellungen von Informationstransfer, Ordnungs- und Sprachsystemen spielt der österreichische Künstler Jochen Höller. Sehenswert auch die aus originalen Banknoten bestehenden „Money pieces“ von Carlos Aires, der darin hinterfragt, in welchem Ausmaß sich unser Wünschen und Begehren auf rein Materielles bezieht.

Decoding Scripture & Picture
Bis 3. September 2016
Residenzplatz 1, 5020 Salzburg
www.galerie-mam.com

Foto: Ausstellungsansicht Decoding Scripture & Picture (Bruno PEINADO: Wild Disney / Brigitte KOWANZ: Addition / Javier PEWREZ: El Viaje nocturno) © Mario Mauroner Contemporary
 

Thomas Salis art & design – Max Ernst

Die Sommerausstellung bei Thomas Salis versammelt in diesem Jahr eine exquisite Auswahl von Werken von Max Ernst und zeigt sowohl Grafiken, Malerei als auch einige Skulpturen. 1891 im deutschen Brühl geboren, wählt der Maler, Bildhauer, Zeichner und Dichter, im Kontext an seine Ablehnung des Hierarchischen, Krieg und Verfolgung, seinen Weg als bahnbrechender Vertreter von Dadaismus und Surrealismus. Max Ernsts Weltanschauung lehnt die Kontrolle der Vernunft ab – an die Stelle der realen Außenwelt tritt in seiner Kunstsprache die seelische Realität in Traum, Fantasie, Assoziativem, Automatismus und dem Unbewussten. Techniken wie Übermalungen, Collage oder Frottage stehen im Fokus seiner künstlerischen Tätigkeit. Die Ausstellung zeigt eine vielfältige Übersicht mit Werken aus allen Schaffensperioden des Künstlers. Besonders hervorzuheben sind die seltenen frühen Arbeiten „Oiseau en cage sur fond noir“ (1923/24) oder „Figure zoomorphe“ (1928) sowie die Bronze-Skulptur „Masque aux yeux ronds“ aus den Jahren 1938/39 sowie die wunderbare Leinwandarbeit „La joie de vivre“ von 1936.

Max Ernst. Traumwirklichkeit
bis 28. August 2016
Mozartplatz 4, 5020 Salzburg
thomassalis.com

Foto: Max Ernst, Horizon, 1926. Öl auf Holz, 24,2 x 18,5 cm © Thomas Salis art & design
 

Fotohof Salzburg – Matthias Hoch – Hotel Kobenzl

Matthias Hoch zeigt im Fotohof seine Werkserie über das Hotel Kobenzl. Das ehemalige Salzburger Luxushotel, oberhalb der Stadt gelegen, steht seit einiger Zeit leer. Die Zimmer sind in einem guten Zustand, nahezu unberührt und konserviert. Der in Leipzig lebende Künstler hält gleichsam die letzten Atemzüge dieses Hotels fest, dass nun so scheint es „aus der Zeit gefallen ist“ – menschenleer und ohne Funktion. Doch die Spuren der ehemaligen menschlichen Anwesenheit sind allgegenwärtig. Es ist wie eine Zeitreise. Die Pracht des einstigen Fünf-Sterne-Hauses hat etwas bekommen, was man charmant als Patina bezeichnen könnte. Doch dann – kommt 2015 eine überraschende Wende: Bund und Land suchen dringend Plätze für Asylsuchende, das Hotel wird zum Flüchtlingsverteilzentrum. Matthias Hoch interessiert die Geschichte des Hotels, die Spuren der Nutzung, die Frage, was damals als Luxus galt. Durch die Einbeziehung von Archivmaterial kommt eine weitere Ebene hinzu, die Geschichte des Hauses wird lebendig.
  


Matthias Hoch – Hotel Kobenzl
Inge-Morath Platz 3, 5020 Salzburg
bis 24. September 2016
www.fotohof.at

Foto: Matthias Hoch. aus Hotel Kobenzl, Salzburg 2014-16. Archival Pigment Print, 42 x 63 cm © 2016 Matthias Hoch/ VG Bild-Kunst Bonn

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