Sammlung Ploner – Albertina Wien

12.06.15

Das Ableben des erfolgreichen Wirtschaftsfachmanns und leidenschaftlichen Kunstfreundes Heinz Ploner im April 2011 kam unerwartet, doch sein Wunsch, seine umfangreiche Sammlung sichtbar zu machen, ist durch die Schenkung an drei wichtige österreichische Museen in Erfüllung gegangen, so Karla Starecek im aktuellen PARNASS Heft 2. Rund 230 Werke hat die Witwe Heinz Ploners an die Albertina, das Belvedere und an das Joanneum in Graz geschenkt. Sowohl das Belvedere als auch die Albertina widmen nun ihre Sommerausstellung den neu erhaltenen Werken aus der Sammlung. Als erste öffnete die Albertina und zeigt eine Ausstellung zur Entwicklung der abstrakten Malerei und Zeichnung in Österreich seit 1960. Dabei wird eine Auswahl der neu erhaltenen Werke mit ausgewählten Zeichnungen und Gemälden aus den auf diesem Gebiet äußerst umfangreichen Beständen der Albertina in Bezug gesetzt. In ihrem Artikel stellt Karla Starecek den Sammlung vor:

Heinz Ploner, geboren 1952 in Vöcklabruck, Jurist und Betriebswirt, verfolgte zunächst engagiert seine Karriere in der Telekommunikationsbranche und als CFO (Chief Financial Officer) im Bereich Allergie-Diagnostik und Forschung. Zur Kunst kam er 1997, als er ein Bild für sein Haus suchte und „Der blaue Schreitende“ aus dem Jahr 1992 von Josef Mikl erwarb. Es wurde das Initialwerk der Kollektion. In Gesprächen im Atelier sprang der Funke über – Ploner begeisterte sich für das Schaffen des Malers und erwarb weitere Bilder des Künstlers aus den 1960er-Jahren. Zeitgleich entdeckte er die jüngere, Ende der 1990er-Jahre bereits etablierte Generation, insbesondere die Vertreter der Neuen Malerei in Österreich, fokussiert auf die ungegenständlichen Repräsentanten Erwin Bohatsch, Herbert Brandl, Gunter Damisch, Hubert Scheibl und Otto Zitko. Ploner kaufte systematisch Gemälde aus verschiedenen Werkphasen, ergänzt um Papierarbeiten, um die Vielfalt des jeweiligen Künstlers zu erfassen und seine Entwicklung zu dokumentieren.In nur 15 Jahren entstand eine beeindruckende und umfangreiche Sammlung mit dem Schwerpunkt auf österreichische abstrakte Malerei nach 1960. Neben der Malerei gelangte auch Konzeptuelles, Multimediales und Fotografien in die Kollektion, vor allem mit Positionen, die sich auf die Malerei beziehen – wie die Materialreliefarbeiten der Schweizers Adrian Schiess oder die Werke von Lois Renner, der seine Fotografien mit dem Blick des Malers komponiert. Die Grande Dame der Lichtkunst, Birgitte Kowanz, sowie jüngere, gegenständlich arbeitende Künstlerinnen wie Zenita Komad und Maja Vukoje komplettieren das Spektrum.

In allen Häusern vertieft die Auswahl der Arbeiten aus der Sammlung Ploner die hauseigenen Bestände. Im Falle der Albertina mit hervorragenden Arbeiten von Erwin Bohatsch, Herbert Brandl, Gunter Damisch, Josef Mikl, Hubert Scheibl u.a. und folgt dabei dem der Albertina wichtigen Grundsatz der Gleichwertigkeit von Grafik und Malerei. Die Ausstellung präsentiert mit rund 110 Werken die wichtigsten Facetten der Entwicklung der abstrakten Kunst in Österreich seit 1960 bis hin zu neuesten Positionen. Den Anfang machen Werke von Josef Mikl und Wolfgang Hollegha mit teils sehr früh entstandenen Werken es folgen Räume zu Markus Prachensky und Franz Grabmayr, später die „Jungen Wilden“ der 1980er-Jahre wie Gunter Damisch oder Herbert Brandl. Die Ausstellung kuratiert von Eva Michel besticht sowohl durch die sorgsame Auswahl der Werke aber auch durch eine leichte und wunderbar sensible und großzügige Hängung.

Heinz Ploner ging es nicht nur um den Erwerb von Kunstwerken, sondern besonders um den Dialog mit den Künstlern, um ihre Auseinandersetzung mit der Kunst zu verstehen. Vice Versa schätzen die Künstler auch das Gespräch mit dem passionierten Sammler. Ein zentrales Anliegen Ploners war es stets seine Sammlung auch einer Öffentlichkeit zugänglich zu machen. „Verpackt im Kunstdepot hat niemand etwas davon, weder ein Betrachter, noch die Künstler“, so Regina Ploner im Sinne ihres Mannes und beschloss daher im Vorjahr sie von einem Großteil der Sammlung zu trennen, auch wenn sie nun bei der Eröffnung zugibt, das es nicht immer leicht war „loszulassen“.

„Abstraktion in Österreich“ ist bis 6. 9. in der Albertina zu sehen. Von 3. 7. bis 26. 9. zeigt das Belvedere  „Selbstverständlich Malerei“.  Die Neue Galerie Graz zeigt ihre Schau "Die Malerei im Wandel - die Sammlung Ploner" ab 3. 3. 2016.  Der Katalog „Sammlung Ploner“, herausgegeben von Agnes Husslein-Arco, Peter Pakesch und Klaus Albrecht Schröder, zeigt  und erläutert die gesamten Bestände und kostet
32 €.
 

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