Rudolf Goessl – 21er Haus

08.09.16

Die Österreichische Galerie Belvedere richtet mit der Personale zu Rudolf Goessl einen Fokus auf die spannende Schaffensperiode der 1970er-Jahre des im niederösterreichischen Weinviertel geborenen Künstlers, der während eines Aufenthaltes 1967 in New York die Pop Art und das amerikanische Colour-Field-Painting für sich entdeckte. Mit der Ausstellung im Wotrubaraum des 21er Hauses arbeitet der Chefkurator Harald Krejci Rudolf Goessls große Bedeutung als Pionier der Farbfeldmalerei in Österreich heraus und beleuchtet sowohl die poppig-farbige Schaffensphase der späten 1960er-Jahre als auch den Zeitraum bis Mitte der 1990er-Jahre, als er nach einer längeren Periode der dunklen Töne wieder zur Farbigkeit zurückkehrt.

Arbeiten von Sam Francis, Barnett Newman, Clyfford Still, Jules Olitski und allen voran Mark Rothko eröffneten Goessl in New York interessante Wege in die gegenstandslose Malerei. 1973 ermöglichte Monsignore Otto Mauer dem Künstler, der zu dieser Zeit noch neben seiner künstlerischen Tätigkeit als Werbegrafiker und Schaufenstergestalter für Wiener Innenstadtgeschäfte sein Geld verdiente, zwei Präsentationen in der Galerie nächst St. Stephan. Anders als die damals schon bekannteren Künstler der Galerie – Wolfgang Hollegha, Josef Mikl, Markus Prachensky und Arnulf Rainer – allesamt Maler des abstrakt Expressiven, Informellen und Gestischen, beeindruckte Rudolf Goessl mit atmosphärisch pulsierenden Farbräumen, die die meditativen Arbeiten der genannten US-amerikanischen Colour-Field-Painter um die Dimension des Trompe-l’œil erweiterten.

Illusionistisch gemalte horizontale, vertikale und zum Teil auch diagonale Kanten erwecken den Anschein, als sei Goessls Leinwand bewusst geknickt worden. Die suggerierten Faltungen der im 21er Haus ausgestellten Werke strukturieren die sensibel lasierten Farbfelder und brechen die ephemere Tiefenräumlichkeit auf. In anderen Gemälden derselben Zeit verwendet der Künstler die Faltungen unvermittelt dazu, raumperspektivische Gefüge zu definieren, die an innenarchitektonische oder bühnenbildartige Konstruktionen denken lassen. Reduziert auf die Kreuzform, ist einigen Variationen der umfangreichen Serie der „Faltungen“ eine gewisse spirituelle Dimension, die auch Mark Rothko für viele seiner Werke in Anspruch nahm, nicht abzusprechen.

Neben diesen im österreichischen Kunstbetrieb der beginnenden 1970er-Jahre singulären Arbeiten Goessls, in denen er eine Kombination von illusionistischer Gegenständlichkeit und körperloser Farbfeldmalerei schuf, sind in der Ausstellung Werke aus den späten 1960er-Jahren zu sehen, in denen Goessls Auseinandersetzung mit den in Primärfarben ausgeführten monochromen Farbflächen und -streifen der Pop Art evident wird und die in der Folge zu den sensiblen Farbräumen führten.

Anhand einiger sorgsam ausgewählter Bilder der 1980er- und 1990er-Jahre wird der Weg Rudolf Goessls zunächst von der atmosphärischen hellen Farbmalerei hin zu einer gestischen Körperhaftigkeit nachgezeichnet, die oftmals auf dunkle Braun- und Schwarztöne fokussiert. Anfang der 1990er-Jahre tritt der malerische Gestus zugunsten einer meditativ-spirituellen Bildsprache zurück, die sich – lichtdurchdrungen und farbintensiv – in der abstrakten Darstellung kosmischer Weiten manifestiert. 

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