Rudolf Buchbinder erhält den ersten Wiener Mozart Preis

22.06.17
v.l.n.r.: Gerhard Vitek (Direktor MHV), Andreas Mailath-Pokorny (Kulturstadtrat), Rudolf Buchbinder (Preisträger), Peter Hanke (Geschäftsführer Wien Holding) © Wien Holding Eva Kelety
Rudolf Buchbinder, renommierter Pianist und Leiter des Grafenegg Festivals, wurde am 21. Juni im Mozarthaus Vienna mit dem "Wiener Mozart Preis für Aufklärung und Neue Ideen" ausgezeichnet.

Das Mozarthaus Wien, Ort der einzigen erhaltenen Wiener Wohnung W. A. Mozarts und eines von neun Kulturunternehmen der Wien Holding, bot im Barockgewölbe des Bösendorfer-Saals des festlichen Rahmen für die erstmalige Verleihung der Auszeichnung die auf Initiative des Mozarthaus Vienna, unterstützt durch die Kulturabteilung der Stadt Wien, neu ins Leben gerufen wurde und künftig alle drei Jahre vergeben werden soll.

Von 1784 bis 1787 lebte und komponierte Mozart in der Domstraße. Es war eine Zeit in der entscheidende Impulse für geistige, politische und soziale Erneuerung mit Ideen wie Toleranz, freie Meinungsäußerung und Ablehnung obrigkeitlicher Willkür in der Musikstadt Wien aufkamen. Aufklärerische Ideen die sich auch im musikalischen Werk von Mozart wiederfinden.

"‘Der Wiener Mozart Preis für Aufklärung und Neue Ideen‘ rückt Persönlichkeiten, die den Aufklärungs-Gedanken aus der Zeit Mozarts auch heute kritisch weiterführen und sich dazu engagieren, in den Mittelpunkt. Der Preis ist eine gute Möglichkeit, Verdienste um Kunst und Kultur in Wien entsprechend zu würdigen", betonte Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny. "Du hast die Gabe diese Aufklärung in der Kunst zu bewerkstelligen", wandte er sich bei der Preisübergabe mit aufrichtiger Bewunderung an den Pianisten.

Der junge Preis ist das Ergebnis enger Zusammenarbeit des Mozarthaus Vienna mit der Wiener Silber Manufactur. Das Design stammt vom Architekten Gregor Eichinger, der sich für einen veredelten 3D Druck entschied. In seiner Forensprache ging er von einem Ikosaeder aus, einem Behältnis das nicht nur mit Messinstrumenten assoziiert werden soll sondern auch "die Begriffe der Aufklärung trägt", so der Künstler.

Clemens Hellsberg, der ehemalige Vorstand der Wiener Philharmoniker, würdigte Rudolf Buchbinder in einer bewegenden Laudatio. Die "Selbstbewusste Freiheit des Geistes" als ein humanistisches Erbe Mozarts lebe in Buchbinder würdig weiter.

Als dieser selbst zu Wort kam nahm er diesen Gedanken auf: "Ich habe gemerkt, Wissen macht frei." Die Musik als Brücke der Verständigung vom vergangenen Zeitpunkt der Komposition bis zum heutigen Moment der Interpretation und über Sprachgrenzen hinweg sind zentrale Motive hinter diesem Preis. Mit ihm soll eine Brücke von der Mozart-Zeit zur heutigen Zeit gespannt werden und herausragende Persönlichkeiten, die sich insbesondere mit dem Instrumentarium der Musik für einen kritischen Diskurs im Sinne des Konzepts der Aufklärung einsetzen und richtungsweisende Maßstäbe setzen, gewürdigt werden. So finden sich auch im Inneren dieses Preises symbolisch die Begriffe Freiheit, Vernunft, Wahrheit, Kritik, Toleranz und Gleichheit.

Fachjury ermittelte Preisträger

Rudolf Buchbinder wurde gemäß dem Vorschlag einer Fachjury als erster Gewinner des "Wiener Mozart Preises für Aufklärung und Neue Ideen" ermittelt. Die Jury bestand aus Komm.-Rat Peter Hanke (Geschäftsführer Wien Holding), Univ.-Prof. Mag.a Brigitte Stradiot (Institut Antonio Salieri - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien), o. Univ.-Prof. Dr. Manfred Wagner (NÖ Kulturwirtschaft, Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste), Oskar Stocker (Maler) und Dr. Gerhard Vitek (Direktor Mozarthaus Vienna).

"Rudolf Buchbinder ist ein herausragender Musiker, der mit seinem umfassenden Repertoire internationale Maßstäbe in der Musikwelt gesetzt hat und auch immer wieder neue Zugänge zur Musik schafft. Damit steht er im Einklang mit der Grundidee dieses einzigartigen Preises und ist ein würdiger erster Gewinner", so Peter Hanke, Geschäftsführer der Wien Holding, bei der gestrigen Verleihung.

"Indem Rudolf Buchbinder Komponisten über Autographe und akribische Quellenforschung nahekommt, entdeckt er immer etwas Neues in der Musik. Mit ausgeprägtem Gespür macht er feinste Nuancen hörbar und betreibt musikalische Aufklärungsarbeit", so Dr. Gerhard Vitek, Direktor des Mozarthaus Vienna, zur Wahl Rudolf Buchbinders als Preisträger.

Zum Preisträger Rudolf Buchbinder

Der Pianist Rudolf Buchbinder wurde 1946 im böhmischen Leitmeritz geboren. Er war mit fünf Jahren der jüngste Student, der jemals an der Wiener Musikhochschule aufgenommen wurde. Seinen ersten öffentlichen Auftritt hatte er im Alter von neun Jahren. Heute gilt er als einer der kompetentesten und renommiertesten Pianisten weltweit, der mit allen großen Orchestern und Dirigenten auftritt. Sein sehr umfangreiches Repertoire schließt auch zahlreiche Kompositionen des 20. Jahrhunderts ein. Insbesondere mit seinen Beethoven-Interpretationen hat Buchbinder international Maßstäbe gesetzt. Seit 2007 ist er künstlerischer Leiter des Festivals Grafenegg.

Über Beethoven, der Sinfonie, Klaviermusik oder Streichquartett neu definiert hat, sagt er: "Je mehr ich mich mit der Materie und dem Menschen Beethoven befasst habe, desto freier wurde ich. Ich habe gemerkt: Wissen macht frei. Ohne etwas zu wissen, bin ich nicht imstande, frei zu sein. Beethoven lebte die Ideale der Aufklärung selbstbewusst und radikal – als Mensch und vor allem als Künstler. Er war wirklich ein Revolutionär." Buchbinder, ein Meister des musikalischen Diskurses, sagte einmal: "Ich habe etwas zu meiner Regel gemacht: dass nichts eine Regel ist".

Ort: 
Thema: