Rodney Graham bei Hauser & Wirth Zürich

11.02.17

Der kanadische Künstler Rodney Graham (* 1949 in Abbotsford, CA )  hat seit den späten siebziger Jahren ein vielschichtiges Werk entwickelt. Die Bandbreite seiner Arbeiten reicht von Künstlerbüchern, Musikkompositionen und Vorträgen über Skulpturen und Architekturmodelle bis zu Fotos und Filmen. Das Werk des in Vancouver lebenden Künstlers besticht vor allem durch die Ambivalenz konzeptueller Strenge und humorvoller Poesie. Souverän verknüpft der studierte Kunsthistoriker in seinen Arbeiten Kulturgeschichte, Alltagserfahrungen, Wunschträume und populäre Mythen. So stecken in den vermeintlich leichtfüßigen, ästhetisch ansprechenden Arbeiten eine Vielzahl von Verweisen zur Literatur, Musik, Kunstgeschichte und Philosophie. Graham zählt zusammen mit Jeff Wall, Stan Douglas, Ian Wallace, Ken Lum u. a. zu den Vertretern der „Vancouver School“, die seit den 1980er-Jahren international reüssierte. Bis April 2016 zeigte die Sammlung Goetz in München eine umfangreiche Einzelausstellung. Bis 11. März sind nun neue Arbeiten in einer gelungen zusammengestellten Ausstellung bei Hauser & Wirth in Zürich zu sehen. Die Ausstellung mit dem Titel „Media Studies“ bezieht sich auf die umfangreiche Anzahl von Arbeiten Grahams, in den er sich auf Film und Medien bezieht. Graham ist erst sehr spät zur bildenden Kunst gekommen und hat sich in seiner Rolle als Künstler ständig hinterfragt. Neben fotografischen Selbstreflexionen erprobte er sich als Song-Writer, Drehbuch-Autor, Filmemacher und Schauspieler, was auch in diesen Arbeiten sichtbar wird. Die Galerie präsentiert zwei neue Collagenserien des Künstlers. Die kleinformatigen Collagen auf Karton zeigen aus Hochglanzmagazinen ausgerissene Bilder von Dean Martin und Alain Delon neben Textschnitzel und alte Inserate geklebt und mit leuchtenden Sprayfarben überzogen. Die grösseren Collagen sind auf Segeltuch gearbeitet. Die Papierausschnitte teilweise mit weißer Farbe übermalt und treten insgesamt eher als Gemälde denn als Collagen auf. 

Beeindruckend die monumentalen Fotoleuchtkästen die Hauser & Wirth präsentiert und die in dem vielfältigen Werk des Multitalents eine besondere Stellung einnehmen. Ihre Bildsprache ist opulent sinnlich und tiefsinnig komisch, sie vermitteln Erfrischendes und Verblüffendes, wobei Graham durch seine ironische Vielschichtigkeit und kulturgeschichtlichen Referenzen die schöne Oberfläche immer wieder untergräbt. Der Hauptakteur dieser Fotografien ist Graham selbst, der sich darin stets in anderen Rollen und penibel zusammengestellten Settings inszeniert. Jedes Bild ist ein fiktionales Selbstporträt mit dem verkleideten, aber stets erkennbaren Künstler, der ein breites Spektrum von Charakteren darstellt. Von den Requisiten und ihrer Positionierung innerhalb des Rahmens bis zu den aufwendigen Kostümen und Bühnenbildern wird jede Szene entweder in seinem Studio in Vancouver oder an öffentlichen Standorten in der Stadt gezielt aufgebaut und mit außergewöhnlicher Fachkenntnis humorvoll ausgeführt. In "Dinner Break (Salisbury Steak)" (2017) erscheint Graham als Jazz-Trommler im Stil der 1960er-Jahre, der während eines Auftritts in einem Nachtklub eine Essenspause einlegt. In seinen Händen hält er Messer und Gabel wie Trommelschlegel über den Teller. Das Bühnenbild für "Antiquarian Sleeping in His Shop" (2017) beruht auf Besuchen in verschiedenen Antiquitätengeschäften in Vancouver. Graham spielt einen Sammler, der inmitten der ausgestellten Objekte eingenickt ist. "News Paper Spy" (2017) gehört zu einer fortlaufenden Serie, bei der Zeitungen als Requisite in den Fokus stellt. Es mag eine Last sein, sich immer wieder neu zu erfinden, aber es macht die Dinge interessanter“ (R.Graham)

Copyright: © Rodney Graham/Courtesy: The artist and Hauser & Wirth

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