Roberto Almagno – Galerie Frey

30.01.17

Die Galerie Frey zeigt nach einer erfolgreichen Einzelausstellung in Salzburg nun in der Wiener Galerie unter dem Titel "Vuoto" neue Arbeiten des in Rom lebende Roberto Almagno. Seine Skulpturen entfalten eine prägnante Raumpräsenz, der man sich als Betrachter schwer entziehen kann. Der 1954 geborene Künstler arbeitet ausschließlich mit dem Medium Holz, das er in und um die italienische Hauptstadt sammelt. „Meine Skulpturen sind irgendwo zwischen der Suche nach Perfektion und dem Bewusstsein der Fragilität zu verorten“ beschreibt Almagno seine Arbeiten, die sich mit einer großen Leichtigkeit in den Raum einschreiben. Das Spektrum der in der Galerie gezeigten Arbeiten umfasst kleinere Sockelskulpturen ebenso wie große Wandobjekte.

„Das Leben ist ein Gefangener seiner Darstellung“, schrieb der italienische Schriftsteller Antonio Tabucchi, diese würde nichts von der „wahren Wahrheit“ preisgeben. „Dabei ist das Leben prallvoll, ungeduldig, es möchte aus dem Viereck ausbrechen.“  Wahrnehmungen von Dingen, Situationen, Sinneseindrücken, die plötzlich auftauchen und auf nichts als sich selbst verweisen, geben dem Betrachter zuweilen die Ahnung, auf das Wesentliche der Natur gestoßen zu sein, auf ihre elementare Essenz, auf ihr Wesen. Die Herausforderung diese Ahnungen zu beschreiben oder darzustellen ist Teil eines immanenten Kunstprozesses und beschäftigte schon Jean-Paul Sartre, wenn er seine Romanfigur Antoine Roquentin angesichts einer Kastanienwurzel erkennen lässt: „Die Welt der Erklärung und Gründe ist nicht die der Existenz (..) knorrig, inert, namenlos, fasziniert sich mich, erfüllte meine Auge, führte mich ständig auf ihre eigene Existenz zurück. Ich konnte noch so oft wiederholen: Es ist eine Wurzel, das verfing nicht mehr. (...) Die Funktion erklärt nichts. Ich spürte verdrossen, dass ich kein Mittel hatte zu verstehen.“ 

Bedeutet dies letztlich, dass der Kunst die Mittel fehlen, die Natur in ihr Medium zu übersetzen, ohne in eine banale oder gar romantische Beschreibung zu verfallen? Dass beide von einander unabhängige Systeme sind, in der die reale Natur in Widerspruch zur Kunst steht? Doch die Widerlegung dieser Frage war zumindest seit Beginn des 20. Jahrhunderts Teil eines zeitimmanenten Kunstdiskurses und auch Sartre beendete Roquentins Betrachtung mit dem Satz: „Ich bin ins Hotel gegangen und habe geschrieben.“

Almagno entwickelt seine Skulpturen entlang der Natur, das heißt dass er die Form der von ihm gesammelten Zweige als grundlegende Ausgangsbasis verwendet und auch in der künstlerischen Übersetzung, dem er das Material unterzieht, deren Herkunft nicht verbirgt – und dennoch verändert er den Blickwinkel des Betrachters. Das achtlose Holzstück wird ob seiner Form zum Hauptakteur. Die Sinneseindrücke der Natur werden jedoch emotionalen Stimmung entleert und zu reiner Form. Was hier passiert, ist die Übersetzung der Natur in eine Bildform jenseits des Repräsentativen und Narrativen. Almagno objektiviert und isoliert die Natur, indem er sie in eine monochrome skulpturale Reduktion übersetzt und anerkennt sie damit gleichsam als Instanz, was definitiv etwas anderes ist als die Suche nach einem Motiv – und letztlich zu jenen prägnanten Skulpturen führt, die aktuell in der Galerie Frey zu sehen sind.

bis 8. März 2017

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