Richard Kaplenig – ansichts.Sache

15.11.15

Unter dem Titel „ansichts.Sache“ eröffnete die Lukas Feichtner Galerie am 14. November eine Personale des Malers Richard Kaplenig. Kaplenig, geboren 1963 in Kötschach-Mauthen in Kärnten, studierte an der Accademia di Bella Arti in Venedig und lebt und arbeitet in Faak am See und in seinem Atelier in Wien. Die Zusammenarbeit mit der Lukas Feichtner Galerie hat den Künstler nun auch international positioniert und in amerikanischen und asiatischen Sammlerkreisen bekannt gemacht. Seine Bilder haben wie Claudia Aigner in der Wiener Zeitung schrieb „einen Blick für die unscheinbaren Kleinigkeiten. Für die grauen Mäuse, die unauffällig ihren Job machen. Die keiner sonderlich beachtet, obwohl ohne sie womöglich die komplette Zivilisation zusammenbrechen würde“. Gemeint sind die kleinen unscheinbaren Gegenstände: Schraubenmutter, Salzstreuer, Glühlampe, Winkeleisen oder Inbusschlüssel. Aus dem alltäglichen Umfeld entrissen erfahren sie durch seine Malerei Bildwürdigkeit. Ein Bekenntnis zum Gegenstand, der Kaplenigs Malerei der letzten Jahre prägt. Doch die neuen Bilder sind von größerer Klarheit, heben den Gegenstand noch plastischer aus dem Hintergrund hervor. Es scheint, dass Kaplenigs Malerei um die Fragen kreisen: Wann und warum ist ein Gegenstand ein Bild wert? Doch die Funktion des Gegenstandes ist dem Künstler nicht wichtig, er wird nur als Auslöser malerischer Prozesse gebraucht. Form, Licht, Raum – die sinnliche Malerei Kaplenigs schwelgt in der lustvollen Darstellung von Spiegelungen oder materieller Stofflichkeit mit sichtbarer Freude daran die Stofflichkeit herauszuarbeiten. „Es ist egal, was du malst, wenn es gut gemalt ist", ist Kaplenig überzeugt. „Es geht nicht um die virtuose Darstellung eines Gegenstandes, sondern um Malerei per se. Den Gegenstand zu malen ist nicht wirklich schwierig, das Entscheidende ist, dass es nicht dabei bleibt.“ Dem Kurator Günther Oberhollenzer erzählte er in einem Interview, dass er die Gegenstände oft zufällig findet, in seinem alltäglichen Umfeld. Die Frage, wann ein Gegenstand für Kaplenig bildwürdig ist, beantwortet er daher stets mit der Form, die ihn interessiert hat. Kaplenig spielt mit den Sehgewohnheiten der Betrachter und setzt in seinen Ölbildern das Objekt monumental in die Bildmitte. Sie werden zu Bildhelden, zu „Leinwandstars“, wie die Journalistin Claudia Aigner in der Wiener Zeitung schrieb. „Wobei sich der Pinsel aufführt, als wäre er eine Lupe. Er vergrößert die kleinen Rädchen im Getriebe um ein Vielfaches und macht die klare Eleganz ihres funktionalen, schnörkellosen Designs erst sichtbar.“

Den Hintergrund bilden fragmentarisch sichtbare Landkarten, Buchstaben, Wörter und Zahlen, die ein skripturales Netzwerk bilden, über die der Künstler seine Gegenstände setzt oder auch als Matrix in diese einschreibt. Die Objekte belässt Kaplenig bewusst im undefinierten Raum, enthebt sie ihrer narrativen Einbettung und verstärkt damit ihre Exponiertheit. Seine Malerei ist auch in gewisser Weise eine Zeitspur, in der sowohl das Motiv aber auch Zahlen, Buchstaben auf die Dinge des täglichen Lebens verweisen – bis hin zum zahnmedizinischen Gerät, dessen Geschichte man dann doch nicht so genau wissen möchte. Kaplenig hat an der Malerei stets festgehalten und ist dabei unbeirrbar seinen eigenen Weg gegangen, allen zeitgeistigen Moden zum Trotz und hat – wie das auch seine aktuelle Einzelausstellung zeigt –  in dem Medium ein erstaunlich stringentes und zeitimmanentes Werk geschaffen. Im Rahmen der Vienna Art Week gibt es am 21. November Gelegenheit für einen Atelierbesuch.

Bis 22. Dezember 2015

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