Reduktion - ZS art Galerie Wien

10.12.15

Bereits im Oktober 2014 überzeugte die ZS art Galerie mit der Ausstellung „ballet concret“ in der reduktiv-abstrakte Arbeiten österreichischer und internationaler Gegenwartskunst im Fokus standen. Das Interesse für diese Kunstrichtung wurde, wie der Galerist Guido Zehetbauer-Salzer im Vorwort des Kataloges damals schrieb, durch den Juristen und Künstler Alfred J. Noll geweckt. Ebenso überzeugte die Galerie mit ihrem Stand auf der diesjährigen art&antique mit Arbeiten von Roland Goeschl. Auch wenn die Galerie nicht ausschließlich konkrete-reduktive Tendenzen zeigt, so ist diese Kunstrichtung mittlerweile zu einem Schwerpunkt des Ausstellungsprogramms geworden. Bis 10. Jänner 2016 ist derzeit die Ausstellung „Reduktion“ zu sehen. Fünf Positionen österreichischer Kunst werden in den großzügigen Räumen der Galerie in der Wiener Westbahnstraße gezeigt. Überzeugend die Skulpturen von Walter Angerer-Niketa. „Stabilität – Instabilität
Symmetrie – Asymmetrie
 – Aktiv – Passiv“ nennt der 1940 im oberösterreichischen Wels geborene Künstler als Hauptthemen seiner künstlerischen Arbeit. „Verbunden in einer skulpturalen Einheit symbolisieren sie das Werden und Vergehen, die Gefährdung jeglicher Existenz. Zusätzlich wird die Form auf ein Minimum reduziert, sozusagen signethaft geformt, von allem unnötigen Beiwerk befreit, um als reines Substrat den symbolischen und formalen Ansprüchen gerecht werden zu können“. Schon vom Naturell her, meinte der Künstler in einem Interview würde er nicht zur Üppigkeit neigen. So sind auch die aktuellen Arbeiten in der ZS art Galerie von Minimalismus und Reduktion geprägt. Beeindruckende Skulpturen, die in dem langgestreckten Raum der Galerie ihr Volumen, aber auch ihre prägnante Wirkung entfalten können. Interessant sind dabei die steten Bezüge des Künstlers zur altägyptischen Skulptur: „Ich strebe nach Ruhe in der Bewegung und Bewegung in der Ruhe. Alt-ägyptische Statuen etwa strahlen diese Kraft, diese sakrale Energie aus. Die Teile und Mittel, die ich verwende, stehen zueinander in Beziehung und bilden eine Einheit. Struktur entsteht – nichts kann weggenommen, nichts hinzugefügt werden. Ich arbeite auf das Wesentliche hin. Form und Inhalt verschmelzen.“ Anstelle der vollkommenen Ruhe entfaltet sich allerdings in der Ausstellung ein Dialog zu den anderen Werken. Allen voran beeindruckt die große Tafel von Karl Hikade an der Stirnwand der Galerie, während seitlich Tom Hackneys "Chess Paintings" zu sehen sind. Die Idee zu den „Chess Painting“ so der britische Künstler in einem Interview mit dem aesthetic magazin entstand während seine Studien Zeit an der Goldsmith University in London, als Reflektion zur Verwendung einer strategischen Sprache innerhalb des künstlerischen Diskurses. „I was also interested in Marcel Duchamp’s abandonment of art for chess – a ‘move’ in itself and something viewed as a direct challenge to the whole enterprise of painting. These elements combined, paradoxically, opened up a space for painting.“ Hackney wurde 1977 in Taunton, Somerset geboren und studierte zunächst an der Manchester School of Art und 2006–2008 an der Goldsmith University London. 

Alfred J. Noll ist diesmal selbst mit einer Reihe von Arbeiten in der Galerie vertreten. 1960 geboren, wirkte er in Wien als Rechtsanwalt und Universitätsprofessor für Öffentliches Recht und Rechtshilfe. Seit den frühen 1990er-Jahren beschäftigt sich Noll mit konkreter Kunst und geometrischer Abstraktion – zunächst in der Theorie und nun auch selbst als Maler. In der Ausstellung „Reduktion“ präsentiert er erstmals eigene Werke. Mit seinen neuen Arbeiten kann einmal mehr auch Eric Kressnig überzeugen. Von Beginn an verfolgte der 1973 geborene Künstler einen konzeptuellen Ansatz, der oft mit Konkreter Kunst assoziiert wird. Vergleichbar mit der Ausstellung in der Sammlung Liaunig, wo ebenfalls Arbeiten von Karl Hikade in unmittelbarer Nachbarschaft zu Werken Kressnigs gezeigt wurden, ist auch in der ZS art Galerie dieser Kontext sichtbar. Die Bilder des Künstlers fordern eine akribische und geschärfte Wahrnehmung ein. Nur auf den ersten Blick sind die Oberfläche und der Inhalt scheinbar schnell zu erfassen. Doch die Farbräume, die Maße der Leinwand und die gesamte Bildkonzeption folgt einem strengen System, das letztlich die Komposition bestimmt. Materialeigenschaften, die Größe der Leinwand aber auch Grundrisse von Räumen und das semantische Spiel mit Worten und Wortgruppen sind Auslöser seiner kreativen Prozesse.

Reduktion. Walter Angerer-Niketa, Tom Hackney, 
Karl Hikade, Eric Kressnig, Alfred J. Noll
Bis 10.1.2016

 

 

 

 

 

 

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