RAW Stillleben | Stillleben neu interpretiert

11.10.17
www.rohgenuss.at  artinwords.de

Die flämische Malerin Clara Peeters lebte und arbeitete im frühen 17. Jahrhundert in Antwerpen, Den Haag und Harlem. 2016 widmete der Prado der Künstlerin eine Einzelausstellung. Über Peeters selbst ist wenig bekannt. „Mit ihren realistischen Darstellungen war sie eine moderne, nahezu avantgardistische Pionierin in der Stillleben-Malerei“, so der Kurator für flämische Kunst im Madrider Prado,  Alejandro Vergara. Ihre realistischen Abbildungen von kostbaren Porzellanvasen, Tellern, Metallbestecken, Obst, Blumen, Käse, Fischen oder exotischen Meeresfrüchten stehen im Kontrast zur größtenteils idealistischen Renaissancemalerei.

Auf spiegelnden Oberflächen versteckte sie effektvoll ihre Signatur. Ihr Stil, so Vergara, und die hohe Qualität ihrer Werke beeindruckten auch ihre Zeitgenossen. Gemeinsam mit der Wiener Ernährungssoziologin und Kochbuchautorin Michaela Russmann übersetzte Alexandra Matzner nun Clara Peeters Stillleben in die heutige Zeit. Kunst und Leben sowie die damit verbundenen Fragestellungen sind seit jeher ein Thema von Alexandra Matzner, Autorin von PARNASS und Chefredakteurin des Online-Kunstmagazins ARTinWORDS. Gemeinsam mit Michaela Russmann ließ sie sich von den Stillleben inspirieren, neue Gerichte anzufertigen, sich der Nahrungsmittelwelt von heute anzunähern und das luxuriöse Arrangement des Prunkstilllebens aufzubrechen. Mit Catharina Bond, Irene Hopfgartner und Kurt Spurey wurden zeitgenössische Künstler eingeladen, die Artefakte in Peeters Arrangements mit ihren Objekten zu ersetzen. Jochen Russmann hielt die vergänglichen Bilder mit der Kamera fest.

Der doppelköpfige Vogel von Irene Hopfgartner kombiniert zwei Arten, die in der Natur Fressfeinde sind, und verweist damit auf die Kreuzung von Genen als längst gängige Praxis in der Nahrungsmittelproduktion. Ebenso kombiniert Russmann Cocktailkirschen mit Stängeln von Chilischoten. Den künstlichen, leuchtend roten Früchten stellt Russmann biologisch erzeugte Käsesorten und damit den Trend zum Urprodukt gegenüber. „RAW Stillleben“ ist eine lustvolle Verbindung von Kunst und Genuss, zeigt jedoch auch die aktuellen Fragen zum Thema Ernährung auf: vom Hype um Slow Food oder Super Food über künstliche Nahrungsmittel und den Trend in Richtung handwerklicher Produktion bis hin zur uns selbstverständlichen Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln. So ist die Artischocke im Stillleben des 17. Jahrhunderts ein Symbol für puren Luxus und heute ein alltägliches Gemüse in heimischen Märkten. Am Schluss bleibt also die Frage: Wie viel Luxus ist gesundes Essen heute?

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