PLATEAUmünchen

05.11.17

Ende Oktober fand in München im Rahmen des „Kulturherbstes München“ (eine Initiative von München Tourismus und TIM e.V.) zum zweiten Mal die PLATEAU münchen statt. Ein Rundgang durch die zeitgenössischen Galerien der Stadt. Verlängerte Öffnungszeiten der Galerien am Freitag und am Samstag boten die Gelegenheit zu einem Besuch der Galerien, ebenso gab es geführte Rundgänge. Gleichzeitig fanden die hochwertige Salonmesse Munich Highlights in der Residenz statt sowie die Paper Positions, eine Messe für zeitgenössische Papierarbeiten die heuer, nach ihrem Erfolg in Berlin, erstmals auch in München eröffnete. Galerien aus sechs Ländern präsentierten zeitgenössische und moderne Kunst mit Fokus auf dem Material Papier: Zeichnungen, Collagen, Scherenschnitte, Fotografien, Künstlerbücher und Objekte. Eine charmant gestaltete Messe in der zentral gelegenen Alten Bayerischen Staatsbank. Der Ort war eine gute Wahl, dennoch vergleichbar mit der Pariser Spezialmesse „Drawing Now“, die zeitgenössische Papierarbeiten parallel zum traditionellen „Salon du Dessin“ präsentiert, ist die Messe noch nicht. Ein guter Start, der sich in der Zukunft etablieren könnte.

Die Eröffnung der PLATEAU münchen fand heuer im Café der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung durch Geraldine Knudson (Leitung München Tourismus) und Gudrun Spielvogel, Vorstand der Initiative Münchner Galerien zeitgenössischer Kunst statt. Anschließend konnte bei freiem Eintritt in die Ausstellung "Gut – Wahr – Schön. Meisterwerke des Pariser Salons aus dem Musée d´Orsay" besichtigt werden und am Abend luden eine Vielzahl der circa 60 teilnehmenden Galerien zu Eröffnungen und Abendveranstaltungen ein.

Die PLATEAU münchen ist nach der seit fast drei Jahrzehnten etablierten OPENart im September das zweite Projekt der Initiative Münchner Galerien zeitgenössischer Kunst um für die Szene der Gegenwartskunst in München eine überregionale Aufmerksamkeit zu generieren. Zusammen mit Museumsausstellungen wie Oscar Murillo und Thomas Struth im Haus der Kunst, Seth Price im Museum Brandhorst, der bereits genannten Schau in der Hypo Kunsthalle und Gabriele Münter im Lenbachhaus hat München im Kulturherbst im Bereich bildende Kunst ein umfangreiches Angebot, das einen Wochenendaufenthalt in der Stadt absolut empfehlenswert macht. Während einige sehenswerte Galerieausstellungen mit der PLATEAU münchen ihre aktuellen Schauen schlossen, wie Häusler Contemporary mit Brigitte Kowanz oder die sehenswerte Ausstellung von Alan Carlton bei Walter Storms gab es auch zahlreiche Eröffnungen wie „Peter Kamm und Christophe Boursault“ bei Galerie van de Loo Projekte.  Oder die Galerie artoxin, die mit Fumie Ogura, eine junge Künstlerin, die an der Münchner Akademie bei Hermann Pitz studierte präsentiert. Ebenso eröffnete die Galerie Smudajeschek I Kunstraum van Treeck die Ausstellung von Werken Silvio Cattanis Pagine Di Vetro“ - eine Kooperation der Bayrischen Hofglasmalerei Gustav van Treeck, mit der die Galerie auch in Zukunft gemeinsame Projekte plant.

Sehenswert auch die Ausstellung „Anja Luithle: Nahtlos“ bei Karin Sachs, die ebenfalls am Freitag, den 28. Oktober eröffnete. Karin Sachs zeigt Zeichnungen und kinetische Objekte, der 1968 in Offenbach am Main geborenen Künstler, die 2017 auch für den Maria Lassnig Preis nominiert wurde. In ihrem Maschinentheater haben Grenzgänger ihren Auftritt, schrieb die Kunstwissenschaftlerin Heiderose Langer in einem Text zur Künstlerin. Die Abwesenheit des Köpers kann als eines der zentralen Themen dieser facettenreichen Ausstellung genannt werden: Blindprägungen in denen die Kleidung wohl aber nicht der Körper dazu dargestellt wird bildhaften Titel wie „Komme gleich wieder“. Sich drehende gebauschte Röcke oder spazierengehende Schuhe, ein Löffel der in einer Kaffeetasse herumrührt, all diese Objekte verfügen über ein motorgetriebenes und computergesteuertes Innenleben. So bringt Anja Luithle die Dinge der Alltagswelt zum Schweben, Tanzen, Klingen und Laufen. Dabei sind die real anmutenden Objekte keineswegs Found Footage, wie die Künstlerin im Gespräch betont, sondern selbst die Handtasche oder die Schuhe Abgüsse. „Dabei übernimmt der Betrachter eine aktive Rolle. Er verwandelt die Objekte in menschliche Stellvertreter, indem er sie zur Projektionsfläche seiner Imaginationen und Gefühle, Erinnerungen und Sehnsüchte macht.“ ,so Langer. Auch in der Ausstellung zu sehen: großformatige Buntstiftzeichnungen von gemusterten Stoffen, die so die Künstlerin auch bewusst an Landschaftliches erinnern sollen sowie die beiden Skulpturen aus Cortenstahl mit dem Titel „Krinoline“. (bis 9. Dezember 2017)

Die Galerie Braun-Falco Galerie präsentiert eindrucksvolle Arbeiten der deutschen Malerin Marina Schulze. Schulze, geboren 1973, studierte an der Hochschule für Künste Bremen bei Karin Kneffel und Katharina Grosse und reüssierte mit ihren zumeist großformatigen raumgreifenden Arbeiten. Tattoos, Haare, Haut warden in einem Blow Up Verfahren in den Mittelpunkt gerückt. (bis 25. November)

Papierskulpturen Angela Glajcars im Dialog mit den hoch-glanzpolierten Arbeiten von Dirk Salz zeigt die Galerie Jörg Heitsch. Glajcars Papierkuben wirken vom Material her leicht und zart, zeigen aber eine starke skulpturale Präsenz. Die streng geometrische Form der Terforationen wird aufgebrochen durch gerissene Kanten oder unterschiedlich große Öffnungen. Durch die schichtenweise Staffelung der Papiere entstehen Hohlräume von einer enormen räumlichen Tiefe, die durch Licht und Schatten pittoresk wirken. Assoziationen an gezackte Grate und das Innere tiefer Höhlen, an Gletscher– oder Felsformationen werden geweckt. Während bei Glajcars Arbeiten der Bildträger durchbrochen wird, bleiben Salz‘ Arbeiten undurchdringbar. Signifikant ist ihre hochglänzende Oberfläche, welche durch den Einsatz mehrschichtig aufgetragener, mit Pigmenten versehener Epoxidharze und die Versiegelung mit Polyurethanlack zustande kommt. Reflektion ist bei diesen Arbeiten gleich in zweierlei Form im Spiel: optisch in ihrer Funktion als Spiegel, rezeptionsästhetisch als die Reflexion des Beschauers auf dessen eigene Seh-Erfahrung. (bis 4.November)

Bildende Kunst, Theater, Literatur und Performance – Jan Fabre ist ein Multitalent und sein künstlerisches Schaffen führt durch die unterschiedlichsten Disziplinen. Die Galerie Klüser widmet dem Künstler nach seinem Auftritt im Wiener Leopold Museum nun eine Einzelausstellung. Gemälde von Paul Peter Rubens dienten für die BIC Kugelschreiber-Zeichnungen aus den Serien „The Appearance and Disappearance of Antwerp / Bacchus / Christ“, die Fabre 2016 für die Eremitage in St. Petersburg geschaffen hat, ebenfalls als unmittelbare Inspirationsquelle. Der Schaffensprozess dieser Werke basierte auf der Verbindung von zwei seiner präferierten Gattungen, die der Performance und der Zeichnung. Wie in einer Theaterdarstellung lies Fabre die Körpersprache und Ästhetik der barocken Figuren von seinen Bühnenkünstlern interpretieren und hielt sie fotografisch fest. Die Abbildungen auf hochglänzendem Fotopapier wurden anschließend flächig mit Kugelschreiber überzeichnet, sodass sich die Körper in der dunkelblauen Farbe aufzulösen scheinen und je nach Blickwinkel aus der monochromen Fläche hervor- und wieder zurücktreten. Die Zeichnungen aus den drei Serien mit Antwerpen, Bacchus und Christus waren bis zum Frühjahr diesen Jahres Teil von Fabres Ausstellung „Knight of Despair/ Warrior of Beauty“ in der Eremitage St. Petersburg und wurden im Rubens Raum zwischen den Altmeistergemälden präsentiert. Unter dem Ausstellungstitel „The Appearance and Disappearance of Antwerp / Bacchus / Christ (2016) - Special creations for The State Hermitage Museum“ ist eine Auswahl dieser Arbeiten nun in München in der Galerie Klüser zu sehen. Die groß- und kleinformatigen Zeichnungen werden hier auf Wunsch des Künstlers zusammen mit Papierarbeiten aus der Sammlung Klüser ausgestellt. Thematisch verwandt, greifen die barocken Werke von van Dyck, Rembrandt, Tiepolo und anderen Altmeistern die Sujets von Fabres Werken auf und stellen eine Verbindung zu seinen zeitgenössischen BIC-Bildern her. (bis 22. Dezember 2107)

Galerie Klüser 2 in der Türkenstraße zeigte erste Einzelausstellung von Gregor Hildebrandt, die bereits bei der OPENart eröffnete und nun mit der PLATEAU münchen schloss. Eine großflächige Wand aus Schallplatten leitet die Ausstellung und dominiert den Raum. Mit der Ausstellung gibt die Galerie Klüser einen ersten Einblick in das umfangreiche Werk Gregor Hildebrandts, der seit 2015 Professor für Grafik und Malerei an der Akademie für Bildende Künste in München ist. Die künstlerische Auseinandersetzung mit analogen Tonträgern steht bei Hildebrandt im Vordergrund und ist charakteristisch für sein Werk. Verformtes Vinyl, Kassettenschachteln und Tonbänder dienen ihm als materialistischer Ausgangspunkt. Durch ihre musikalische Vorgeschichte verleihen sie den minimalistischen Arbeiten eine weitere, unsichtbare Dimension.

Gegenüber sollte man auch die Galerie Jo van de Loo nicht versäumen mit der aktuellen Ausstellung der in München lebendne Künstlerin Nigin Beck. In ihren Werken setzt sich die Künstlerin mit ihrer  eigenen Geschichte bzw. mit jener ihrer iranischen Großmutter auseinander. Die Künstlerin geht der Frage nach, welche Prägungen ihr diese Frau, mit der sie in ihrer Kindheit jedes Wochenende verbrachte, mit auf den Weg gegeben hat und erinnert sich ihrer anhand nachempfundener Gegenstände und Artefakte. (bis 25. November 2017).

Die Galerie Gudrun Spielvogel in der Maximilianstraße präsentiert neue Arbeiten des deutschen Künstlers Klaus Staudt in einer gelungenen Präsentation. Schon in den 1960er-Jahren hat der Künstler für seine Arbeiten eine eigene Systemlogik gefunden und zählt zu den wichtigsten Protagonisten eine konstruktiven-reduktiven Kunst. Konstellationen von geometrischen Einzelsegmenten ordnet er zu mehrschichtigen Bildobjekten und Plastiken in faszinierender Vielfalt. Dabei steht Parameter wie Licht, Raum und Bewegung stets im Fokus. Die Einwirkung des sich wandelnden Tageslichtes spielt für den Schattenwurf der Einzelsegmente, die auf transparentem und semitransparentem Acrylglas befestigt sind, eine ebenso große Rolle wie die Bewegung des Betrachters. (bis 4.November 2017)

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