Philip Patkowitsch – „nothing is revealed“ - bechter kastowsky galerie

27.01.17

Die Suche nach dem perfekten Bild, nach dem perfekten Kunstwerk: Das ist es, was viele Künstlerinnen und Künstler antreibt. Nicht so Philip Patkowitsch, 1981 in Zell am See geboren. Die Arbeiten, die er derzeit in seiner Ausstellung in der bechter kastowsky galerie zeigt, zielen eben nicht auf das Fertige, Abgeschlossene, sondern wollen einen Arbeitsprozess offenlegen, wie der Künstler bei einem Rundgang durch seine Schau erklärt. Bleistiftzeichnung, Siebdruck, Tuschearbeit: In verschiedenen Medien remixt Patkowitsch seine Motive, zoomt sie heran, montiert die derart entstandenen Bilder ineinander – ein virtuoses Spiel mit den Techniken (der Künstler studierte in der Druckgrafik-Klasse von Gunter Damisch, die nach dessen Tod interimistisch von Veronika Dirnhofer geleitet wird und wo Patkowitsch derzeit lehrt).

Eine dreiteilige Arbeit in der Ausstellung zeigt einen Ausschnitt aus dem Film „To kill a mocking bird“ mit Gregory Peck – wobei der inhaltliche Hintergrund dabei weniger zur Sache tut als die formale Gestaltung: Eine sitzende Figur, bekleidet mit einem gestreiften Anzug, wird mehrfach wiedergegeben. Eine schmissig hingeworfene Bleistiftzeichnung bildet den Grund, darauf montiert sind eine weitere Zeichnung sowie, eine – gerahmte – Tuschezeichnung. Die Bildausschnitte sind dabei jeweils unterschiedlich. Anderswo setzt der Künstler eine Tuschezeichnung – ebenfalls von einer sitzenden Figur – auf einen weitaus größeren Siebdruck, auf dem sich eine duftige Wolke auszubreiten scheint. Tatsächlich handelt es sich dabei um die vergrößerte Reproduktion jener kleinen Striche, die entstehen, wenn der Künstler die Feder am Papier abstreift (das erinnert an die Bilder von stark vergrößerten Pinselstrichen Roy Lichtensteins, wie etwa „Little Big Painting Reproduction“, erst kürzlich in der Ausstellung „Das Gestische“ im 21er-Haus  präsentiert). Immer wieder arbeitet Patkowitsch mit Vergrößerungen, Zooms, Montagen, Mustern: So druckt er ein Muster auf Papier, über das ein ganz ähnlich bedrucktes Acrylglas montiert wird, darauf wiederum hängt ein Tuschearbeit – die erst sichtlich macht, woher das Pattern rührt: nämlich von einer Krawatte, die ein Mann trägt, von dem allerdings nur der Torso sichtbar ist. Dazwischen sind immer wieder in blassen Farben lavierte bekleidete Torsi zu sehen. Eine größere Installation findet sich im letzten Raum: Auf Siebdrucken wurden die Buchstaben CMYK – also das Farbmodell, das als Grundlage für den Vierfarbdruck dient – mit weichem Bleistift schraffiert und in den jeweils passenden Farben eingefärbt. Diese bilden, rasterartig gehängt, eine Tapete, auf der wiederum kleinere Papierarbeiten hängen, die weitaus spielerischer als die anderen Arbeiten wirken: Da wächst aus einem Sakko ein geometrisch-abstraktes Gebilde anstelle des Kopfes und verselbständigen sich Krawatten zu organischen Formen, die ein Eigenleben zu führen scheinen. 

Den Großteil seiner Bildquellen bezieht Patkowitsch aus Bildern der Traumfabrik Hollywood; dadurch, dass er seine Fotos beschneidet, sind die Protagonisten darauf allerdings nicht erkennbar (oder bestenfalls für absolute Cineasten). Damit unterläuft der Künstler das Starsystem, lässt offen, ob es sich bei den Sujets um Promis oder Nebendarsteller handelt. Patkowitsch arbeitet nicht mit der Wiedererkennbarkeit eines Stars, lässt offen, ob es sich überhaupt um einen solchen handelt – im Gegensatz zu Andy Warhol, dessen Name angesichts des Siebdrucks naheliegt. Auch der Titel der Ausstellung „nothing is revealed“, der aus dem Bob-Dylon-Song „The Ballad of Frankie Lee and Judas Priest“ stammt, lässt an den Pop-Großmeister denken, sagte dieser doch einmal über sich selbst: „Wer alles über Andy Warhol wissen will, braucht nur die Oberfläche anzusehen, die meiner Bilder und Filme und von mir, und das bin ich. Da ist nichts dahinter.“ Analog dazu soll auch der Titel der Ausstellung, wie der Künstler sagt, andeuten, dass keine geheimen, verklausulierten Wahrheiten hinter seiner Arbeit stecken. 

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