Peter Wechsler. Zeichnungen. Grafisches Kabinett – Kunsthaus Zürich

28.12.16

Noch bis 22. Januar 2017 widmet das Kunsthaus Zürich dem in Zürich geborenen und in Wien lebenden Künstler Peter Wechsler (*1951) eine umfassende Ausstellung seiner Zeichnungen im Grafischen Kabinett des Museums. Es ist Wechslers erste Museumsausstellung in der Schweiz.

Unter dem Titel „Kleinteilig wächst die Welt zusammen“ werden Peter Wechslers eindrucksvolle großformatige Bleistiftzeichnungen gezeigt, die er zwischen 1994 und 2008 schuf. Als erstes Kunstmuseum präsentiert das Kunsthaus darüber hinaus eine Auswahl von ungerahmten Tuschpinselarbeiten aus jüngerer Zeit (2012–2016). Frei von Konzept und Bildraster entfalten diese Arbeiten eine suggestive Kraft, deren Ordnungsgefüge sich dem Betrachter auf subtile Weise mitteilt. Der Ausstellungstitel rekurriert bewusst auf die kreativen Ressourcen des Mehrdeutigen, um Distanzen zu überbrücken und das Verständnis für unterschiedlich gewachsene Strukturen durch eine erneuerte Bildsprache zu vertiefen. Zusammen mit einigen frühen Werken aus den 1970er- und 1980er-Jahren vermag die Ausstellung einen schlaglichtartigen Überblick über das gesamte zeichnerische Schaffen dieses Künstlers zu geben.

RÄUME UND STRUKTUREN SCHAFFEN. WAHRNEHMUNG AKTIVIEREN

Wechsler wurde in Zürich geboren, wo er auch aufwuchs. Nach einem Internatsaufenthalt in Davos studierte er von 1971 bis 1974 an der Akademie der bildenden Künste in Wien, zuerst bei Rudolf Hausner, einem der wichtigsten Vertreter der Wiener Schule des Phantastischen Realismus, dann in der Meisterklasse von Walter Eckert. Seit Studienbeginn lebt und wohnt er mit seiner Familie in Wien und arbeitet seit 1975 in einem Dachatelier in der Wiener Leopoldstadt. Wechsler gehört zu einer Generation abstrakter Künstler, die der Zeichnung als System und sinnliches Ereignis in der Nachfolge von Minimal Art und Konzeptkunst neue, kontemplative Ausdrucksbereiche erschlossen hat. Dabei geht es um die prinzipielle Frage: Wie können durch einen teils systematisch konstruktiven, teils spontan gestischen Einsatz zeichnerischer Mittel konkrete Räume und Strukturen geschaffen werden, welche die sinnliche Wahrnehmung des Betrachters aktivieren und herausfordern? Dabei durchlief Wechsler durchaus auch eine Phase, in der er sich auf die Malerei konzentrierte. Stand Anfang der 1970er-Jahre die Beschäftigung mit Zeichnungen und Tiefdruckgrafik, vornehmlich Kaltnadelradierungen im Fokus, so entstanden von 1976 bis 1990 vornehmlich Malerei mit Tempera und Öl – zum Teil großformatige Arbeiten unter dem Einfluss des amerikanischen Expressionismus. Erst 1993 kam es zu einem Rückgriff auf die grafischen Arbeiten des Frühwerks. Wechsler entwickelte in der Folge seine charakteristischen Strukturzeichnungen. Ab 2008 beschäftigte er sich auch mit dem Material Glas in Kooperation mit der Glasmanufaktur Geyling Wien. Glasplatten werden mit Diamantnadeln bezeichnet (gestippt) und anschließend mit Emailfarben bearbeitet. Dreidimensionale Objekte entstanden einerseits durch Stapelung dieser Glasplatten in Rahmen, andererseits durch Verschmelzen der emaillierten Glaslagen. Seit 2012 begann Wechsler sich vermehrt auch mit der Technik der Tuschpinselzeichnung zu beschäftigen. Eine Auswahl dieser aktuellen Arbeiten auf Papier ist in der Ausstellung zu sehen.

ENTSTEHUNG ÜBER MONATE UND JAHRE

Wechslers Werke lassen viel von ihrem jeweiligen Entstehungsprozess erkennen. Der Aufbau seiner fein strukturierten Zeichnungen auf teils farbig grundiertem, schweren Aquarellkarton, teils auf weißem Papier, fordert ein permanentes Sich-Entscheiden, wobei auch „Fehlentscheidungen“ (Wechsler) Teil des reflektierten, durch Variationen sich fortlaufend stabilisierenden Systems sind. Die Bleistiftzeichnungen Wechslers entstehen oft über Monate und manchmal über Jahre. Die Arbeiten mit Pinsel und Tusche hingegen reichen von spontanen Zeichensetzungen bis hin zu kleinteiligen Strukturverläufen, die über den Bildrand in den umgebenden Raum verweisen. Dabei spielen die eigene mentale und körperliche Vorbereitung sowie das Wirken über den Akt des Zeichnens hinaus in andere Medien wie Glasobjekte, Malerei und Druckgrafik eine wichtige Rolle.

WERKE AUS BEDEUTENDEN SAMMLUNGEN. PUBLIKATION

Die Ausstellung wurde von Bernhard von Waldkirch, Konservator der Grafischen Sammlung am Kunsthaus Zürich, gemeinsam mit dem Künstler konzipiert. Im Jahr 2008 erwarb das Kunsthaus als erstes öffentliches Museum in der Schweiz die große Zeichnung „WVZ Nr. XVIII“. Die Atelierarbeiten des Künstlers werden durch Leihgaben aus der Albertina in Wien und verschiedenen Privatsammlungen ergänzt. Zur Ausstellung erscheint im Wienand Verlag (Köln) eine Publikation mit Beiträgen von Vera Hausdorff (Camille Graeser Stiftung, Zürich), Marietta Mautner Markhof, Heinz Widauer (beide Albertina, Wien) und Bernhard von Waldkirch (Kunsthaus Zürich).

In Zürich ist Peter Wechsler darüber hinaus auch im Art Forum Ute Barth präsent (bis 21. Jänner 2017, Art Forum, Galerie Ute Barth, Kartausstraße 8, 8008 Zürich Schweiz, www.utebarth.com).

Peter Wechsler. Zeichnungen 
bis 22. Jänner 2017
Kunsthaus Zürich/Grafische Sammlung

Quelle: Pressetext/ Redaktion