Peter Dotrel – Seelenwelten

03.04.15

Lilly’s contemporary Art zeigt einen Querschnitt durch das vier Jahrzehnte umfassende Werk des Künstlers Peter Dotrel (1942-2013), eine interessante Neuentdeckung am österreichischen Kunstmarkt. Zeitlebens hat sich der Künstler dem Kunstbetrieb verweigert. Die Entwicklung seiner Arbeiten ist nun bei Lilly’s Art zu bewundern und zeigt zunächst die Beschäftigung mit und die Loslösung von dem künstlerischen Schaffen seiner prominenten Lehrer Franz Elsner und Herbert Boeckl.

Peter Dotrel wurde am 9. Dezember 1942 in Wien geboren. Trotz bescheidender finanzieller Verhältnisse, gelang es ihm, eine Künstlerlaufbahn einzuschlagen, die auch durch zahlreiche Auszeichnungen der Akademie gewürdigt wurde. Bereits im Alter von 18 Jahren wurde der junge Künstler an der Akademie der bildenden Künste in Wien aufgenommen. Er besuchte hier die Meisterklasse Franz Elsners und später den legendären Abendakt Herbert Boeckls. Von Franz Elsner erlernte der junge Künstler nicht nur die technischen Feinheiten, sondern ließ sich auch von seinem dynamisch-gestischen Malstil und der hellfarbigen Lichtstimmung beeinflussen.

Dies zeigt sich in seinen frühen Arbeiten der 1960er-Jahre, die zum größten Teil durch Stillleben und Porträts geprägt sind. Der Einfluss Elsners und auch Paul Cézannes ist sehr häufig spürbar und zeigt sich deutlich in dem Werk „Stillleben mit Äpfeln und Weinflaschen“ aus dem Jahr 1963 anhand des expressiv-gestischen Farbauftrags. Doch sind auch bereits zukünftige Stilrichtungen des jungen Künstlers erkennbar, wie zum Beispiel die im Hintergrund abstrahierenden, geometrischen Kompositionen.

Seine Porträts aus dieser Zeit orientieren sich stilistisch ebenso an die Werke Elsners und Boeckls, wie zum Beispiel „Der Zecher“ (1963) oder „Die Anatomie“ (1931). Die Auseinandersetzung mit dem analytischen Kubismus wie zum Beispiel in der Serie blauer Kompositionen (1967/68) und Herbert Boeckls Werken führte in Folge zur Entwicklung einer eigenen Formensprache.

Ab 1970 vollzieht sich im Schaffen Peter Dotrels auch ein Wandel. Seine Gemälde sind zum großen Teil abstrakt und gewinnen an atmosphärischer Tiefe. Sie sind oft von Linien und geometrischen Formen bestimmt oder um stereometrische Objekte angeordnet. Es ist die Zeit des Phantastischen Realismus, in der sich auch der Künstler, vor allem nach dem Tod seines Vaters, der Reflexion des Surrealismus zuwendet. Es entstehen atmosphärische Arbeiten wie „Türkises Spektrum“ oder „Sonnenaufgang“, die den Betrachter teilweise zum Meditieren einladen. Weitere Arbeiten Dotrels faszinieren durch das Zusammenspiel von strengen geometrischen Formen und weichen organisch wirkenden Strukturen, was oft das Gefühl vermittelt, in eine andere Dimension einzutauchen.

In den 1980er-Jahren rückt der menschliche Körper in den Mittelpunkt, in Form von Figuren mit verschatteten Gesichtern, inspiriert von Werken Zoran Music. An einer exakten Wiedergabe des Körpers ist der Künstler nicht interessiert, sondern vielmehr an der „Anatomie der Seele“. Auch dominieren hier Rot-, Weiß- und Schwarz-Töne und ein zunehmend gestischer Pinselstrich. Zunehmend widmet sich Peter Dotrel der intuitiven Malweise und den schwarzen Linienführungen des Informel, wie in Arbeiten von Arnulf Rainer häufig zu sehen ist.

Ein weiteres Motiv dieser Zeit ist die Darstellung des Gekreuzigten, die Hände sind hoch über dem Kopf angebracht, doch ein Kreuz ist nicht sichtbar. Die Malweise wird mit der Zeit immer expressiver und ab 1988 ändert sich auch das Thema: die ganzfigürlichen Ansichten werden frontaler, teilweise mit erkennbaren Kreuz. In den 1990er-Jahren geht der Künstler sogar noch einen Schritt weiter und das Kreuz wird zum Hauptmotiv und das Körperliche wird reduziert: „Der Tod ist überwunden und das ewige Leben errungen; aus der körperlichen Existenz wird das religiöse Symbol“, wie es im dazugehörigen Katalog heißt. Die Tendenz zur Abstraktion verstärkt sich zunehmend.

Peter Dotrel ist eine Künstlerpersönlichkeit, die ihr Innerstes versucht auf die Leinwand zu bringen. Die Farbe dient ihm als Ausdruckskraft, teils in geheimnisvollen Noten und den Betrachter in seinen Bann ziehend. Seine Bilder spiegeln die innersten Gefühle des Künstlers wider und erzählen von den Geheimnissen der menschlichen Existenz. Sein bislang unveröffentlichtes Werk, nun bei Lilly’s Art zu sehen, ein "Einblick in seine Seele".