PÉCS WORKSHOP 1968-1980 “MAMA SAID KNOCK YOU OUT”

07.10.16

Amir Shariat zeigt gemeinsam mit dem „Neuen Kunstverein Wien“ noch bis 15. Oktober ungarische Emailkunst aus Pécs der 1960er- und 1970er-Jahre. Darunter auch Arbeiten des 1987 verstorbenen Ferenc Ficzek, der zeitgleich von der Budapester Galerie acb auf der viennacontemporary in einer vielbachtete Personale gezeigt wurde. Eva Brunnsteiner traf Shariat zum Interview.

Dieses beginnt er gleich selbst mit der Frage: „Wieso ist ungarische Kunst so unterbewertet?“. „Das hat zwei Gründe“, so Shariat weiter:  „Während des Kommunismus konnten die Künstler nur 30 Tage außer Landes reisen. Es war nur ein 30 Tage-Visum möglich und noch dazu konnte immer nur einer allein aus Ungarn ausreisen, weil die ungarische Regierung wusste zu zweit kommen sie nie wieder zurück. Und dazu kommt noch die Sprache. Ungarisch ist eine extrem schwierige Sprache. Man versteht wirklich kein Wort. Rumänisch ist verständlich, das hat lateinischen Ursprung, aber in Ungarn versteht man überhaupt nichts. Schwierig ist es auch mit der Literatur über die ungarische Künstlervereinigung in Pécs. Alle Kunstbücher sind auf Ungarisch, manche sind zwar Ungarisch-Deutsch, aber leider nur ganz wenige.“

Amir Shariat ist Sammler, Händler, Berater und Kurator in einer Person – ein moderner Kulturmanager eben. Er ist im Iran geboren und in Wien als Sohn eines Verlegers und späteren Kunsthändlers aufgewachsen. Nach 20 Jahren in London lebt und arbeitet er seit 2014 wieder in Wien.

Die Nachmittagssonne fällt durch große Fenster des Fabrikgebäudes, das von Architekt und Stadtbaumeister Alfred Bayer 1910–1911 errichtet wurde. Das Architekturzentrum Wien weist in seinem Archiv mit folgenden Worten darauf hin: „Der zuerst errichtete Hoftrakt ist ein schlichter Ziegelbau, während die etwas später errichtete Straßenfassade als dekorlose, mit großen Fenstern versehene Eisenbetonkonstruktion ausgebildet wurde“. „Den Ausstellungsraum hat die Künstlergruppe Gelitin / Gelatin zur Verfügung gestellt“, merkt Shariat darüber erfreut an.

An den Wänden des hellen Galerienraumes hängen Arbeiten der ungarischen Künstlergruppe PÉCS WORKSHOP.  In bunten Emailkacheln präsentiert sich eine interessante Werkschau.  Bis zu acht 45 x 45 cm große Kacheln sind dekorativ als eine Arbeit in der Größe von 90 x 180 cm gehängt und in der Mitte des Raumes sind bunte Emailkacheln wie eine Blumenwiese aufgelegt.  

Eine blau-weiße Arbeit von Sándor Pinczehelyi, Untitled von 1970, lädt zum Betrachten ein. Alle Email-Arbeiten stammen aus den Jahren 1968–1980. Anlehnungen an verschiedene Künstler, wie Victor Vasarely in fast allen Arbeiten oder bei Károly Halász mit der Arbeit Pop Art von 1968  an die Warhol Werkstatt sind klar erkennbar. Die Schau ungarischer Kunst der 1960- und 1970er-Jahre lässt geometrische Formenvielfalt nach Art und Konzeption des Bauhauses zu. „Das Arbeiten mit Email ist sehr ungewöhnlich“, bemerkt Shariat. Aufmerksam wurde er auf diese Werke während er für die rumänische Künstlergruppe Sigma 1 aus Temesvar  im Hochhaus Herrengasse eine Ausstellung kuratierte. "Ich wurde von den Ungarn angesprochen und bin dann gleich dann nach Budapest gefahren, um mir die Arbeiten vor Ort anzusehen. Und ich war sofort begeistert." 

bis 15. Oktober 2016

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