PARALLEL & KONKORDANT

22.09.17
© Thomas Eisl

Lustvolles Miteinander. Ein Projekt zur Veranschaulichung symbiotischer Lebensbeziehung im Koordinatensystem Kunst – kuratiert und konzipiert von Marcello Farabegoli und Lucas Gehrmann.

Von Vernissage bis Partyevent, vom Künstlergespräch bis zur Performance – das System Kunst bringt Kuratoren, Direktoren, Künstler und Kritiker stets in ähnlichen Konstellationen zusammen. Man trifft sich, freut sich an den Begegnungen, tauscht sich aus. Dann und wann, so Lucas Gehrmann und Marcello Farabegoli, entstehen aus solchen Zusammenkünften private Beziehungen, die in Lebens- und Arbeitsgemeinschaften münden. Privat und beruflich geht eine Symbiose ein. Ist es dem Kunstsystem doch ohnedies immanent, dass Freizeit und Beruf kaum voneinander zu trennen sind. Das diese Beziehungen einerseits fruchtbar, aber auch innerhalb des Systems nicht immer ohne Vorurteil sind – vor allem dann, wenn den Kuratoren und Kritikern vorgeworfen wird, sie seien hinsichtlich der Arbeiten ihrer Künstlerpartner nicht objektiv und unvoreingenommen, sprechen die beiden Kuratoren gleich in ihrem Einleitungstext an – und gehen in der Ausstellung damit durchaus humorvoll aber vor allem höchst professionell um, in dem sie dies zum Thema machen.

Auf der Parallel zeigen sie acht Paarungen und das in einer gut zusammengestellten und gut gehängten Ausstellung. Nicht zuletzt offensichtlich auch dem geschuldet, was Michaela Seiser in ihrem Text anspricht: die Zusammenarbeit ist zumeist ein höchst effizientes Teamwork. Die Arbeit ihres Partners, Clemens Fürtler „Bildmaschine 06“ ist bereits vom Gang aus sichtbar und beeindruckt einmal mehr in der Ausführung. Daneben hängt eine großformatige Leinwand von Karin Pliem – in Partnerschaft mit Lucas Gehrmann. Weitere „gemischte Doppel“ (© Michaela Seiser) sind Ben G. Fodor & Dorothee Frank, Inge Graf und Walter Zyx, Eva Schlegel und Carl Pruscha, Rudi Stanzel und Andrea Schurian, Viktoria Tremmel und Kurt Kladler sowie Hana Usui und Marcello Farabegoli.

Die kleine, feine Ausstellung zeigt tolle Arbeiten aber vor allem der Katalog ist empfehlenswert. Hier schreiben die Paare über ihre Zusammenarbeit und sehr offen auch über das Vorurteil der Grenzüberschreitung. Michaela Seiser begründet das pragmatisch und plausibel: Letztlich sind es doch sie, die aufgrund der Berufserfahrung als Kuratoren und Kritiker gelernt haben Kunstwerke zu betrachten, mit Schaffensprozessen vertraut sind und vor allem eines, neben dem Künstler aufgrund der persönlichen Beziehung, abgesehen vom Künstler selbst, das Werk am besten kennen und einen besonderen Einblick haben. Aber auch andere Punkte werden angesprochen, wie sich Blickfelder verändern und man offener wird, für andere Sichtweise beschreibt etwa Lucas Gehrmann. Welche Faszination von der Arbeit des Partners ausgeht erwähnt der Text von Carl Pruscha über Eva Schlegel. Andrea Schurian, Kulturchefin der Tageszeitung Der Standard schreibt über die Vorwürfe, denen sie als Kulturjournalistin und Ehefrau des Malers Rudi Stanzel zuweilen ausgesetzt ist und endet mit dem Umkehrschluss, nämlich dass sie von der Arbeit ihres Mannes profitiert: „Ich habe durch meinen Mann genaueres Hinsehen, profundere Beschäftigung mit künstlerischen Fragestellungen gelernt.“
Empfehlenswert!

Mehr zur Parallel hier!

Parallel Vienna
bis 24. September 2017

Ort: 
Thema: 
Kunstszene: